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Gregor v. Nyssa (†394) - Große Katechese (Oratio catechetica magna)

Kapitel 32. Auch der Kreuztod Christi spricht nicht gegen seine Gottheit.

1.

Was wird außerdem noch von unseren Gegnern eingewendet? Vor allem der Hinweis darauf, daß die allerhabene Natur überhaupt nicht hätte sterben dürfen, sondern, daß sie wegen der Überschwänglichkeit ihrer Macht hätte imstande sein sollen, ihren Heilsplan ohne den Tod zur Ausführung zu bringen. Sodann meinen sie, daß Gott, selbst wenn der Tod aus einem verborgenen Grunde unumgänglich notwendig gewesen wäre, wenigstens die Schmach einer entehrenden Todesart hätte vermeiden müssen. Denn was könnte schimpflicher sein, sagen sie, als der Tod am Kreuze? ―

Was werden wir auf solche Einwände erwidern? Wir antworten, daß die Geburt den Tod als notwendige Folge bewirkt. Denn hatte er einmal beschlossen, die Menschheit anzunehmen, so mußte er sich allem unterziehen, was zu ihrem Wesen gehört. Hätte er nun, nachdem unser Leben zwischen zwei Grenzpunkten verläuft, den einen durchschritten, den anderen aber nicht berührt, [S. 63] so wäre sein Plan bloß zur Hälfte ausgeführt worden, weil er in diesem Fall eine der Eigentümlichkeiten unserer Natur an sich nicht erfahren hätte. Wer aber das Geheimnis gründlich erwogen hat, dürfte mit größerem Rechte sagen, daß der Tod nicht wegen der Geburt eintrat, sondern daß umgekehrt wegen des Todes die Geburt übernommen wurde. Denn derjenige, der da ewig lebt, unterzieht sich nicht des Lebens wegen der leiblichen Geburt, sondern um uns durch den Tod ins Leben zurückzurufen. Da nun die Rückkehr aus dem Tode unserer ganzen Natur zuteil werden sollte, so wollte er, indem er dem Daliegenden die Hand reichte und sich gleichsam zu unserem Leichnam niederbückte, dem Tode so weit sich nahen, daß er die Sterblichkeit austrank und an seinem eigenen Leibe die Auferstehung der Menschheit einleitete, indem er durch seine Macht das ganze Menschengeschlecht mit auferweckte. Denn da jenes die Gottheit beherbergende Fleisch, welches in der Auferstehung zugleich mit der Gottheit erhöht wurde, nirgends anderswoher stammte, als aus der Masse, aus der wir bestehen, so muß, wie bei unserem Leibe die Tätigkeit eines einzelnen Sinneswerkzeuges allen übrigen mit ihm verbundenen Organen eine Mitempfindung verschafft, in ähnlicher Weise die Auferstehung des Teiles, wie wenn die ganze Menschheit nur eine Person wäre, auch auf das Ganze übergehen, indem sie kraft des engen Zusammenhanges unserer Natur von dem Teil auf das Ganze sich fortpflanzt. Was lernen wir also Unwahrscheinliches in unserem Glaubensgeheimnis, wenn der Stehende zu dem Gestürzten sich niederbeugt, um den Daliegenden aufzurichten?

 

 

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Einleitung zur „Großen Katechese".
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger