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Gregor v. Nyssa (†394) - Große Katechese (Oratio catechetica magna)

Kapitel 6. Vom Entstehen der Sünde in der Welt der reinen Geister und der Menschen.

1.

Du wirst aber auch nach der Ursache des soeben erwähnten Fehlers im Willen fragen; denn darauf führt die logische Ordnung der Rede. Daher müssen wir in verstandesmäßiger Überlegung nach einem Ausgangspunkt forschen, der auch diese Frage richtig beantwortet. Wir haben nun von unseren Vätern eine Überlieferung erhalten, welche aber keine fabelhafte Erzählung ist, sondern durch unsere Natur selbst genügende Bürgschaft empfängt.

[S. 16] Eine zweifache Erkenntnis der Dinge können wir unterscheiden, insofern sich unser Wahrnehmen teils auf Sinnliches teils auf Geistiges richtet; und es dürfte in der Natur der Dinge sich wohl nichts finden, was außerhalb dieser Einteilung läge. Die genannten Gebiete sind aber durch eine große Kluft voneinander getrennt, so daß weder die sinnliche Natur geistige Merkmale hat, noch die geistige etwa sinnliche, sondern beide haben entgegengesetzte Kennzeichen. Denn die geistige Natur ist unkörperlich, unberührbar, gestaltlos, die sinnliche dagegen liegt, wie schon der Name sagt, innerhalb der Wahrnehmung durch die Sinne. Allein wie sogar für die sinnliche Welt, trotz des vielfachen Gegensatzes der Elemente untereinander, eine gewisse gerade durch die Gegensätze vermittelte Harmonie von der göttlichen, das All durchdringenden Weisheit erfunden ward und auf diese Weise ein großer Einklang die ganze Schöpfung durchzieht, ohne daß der Gegensatz irgendwo das Band der Eintracht lösen würde: so findet vermöge der göttlichen Weisheit auch zwischen dem Sinnlichen und Geistigen eine Mischung und Verschmelzung statt, damit alles gleichmäßig an der Schönheit teilnehme und nichts von dem, was existiert, der besseren Natur entbehre.

Darum ist zwar die feine und leichtbewegliche Substanz, welche gemäß ihrer überweltlichen Beschaffenheit in ihren Eigenschaften eine große Verwandtschaft mit dem Geistigen besitzt, die eigentlich entsprechende Wohnstätte für die geistige Natur; durch eine wunderbare Vorsehung aber findet eine Verbindung der geistigen Natur mit der sinnlichen statt, damit nach des Apostels Lehre nichts von der Schöpfung verwerflich (1 Tim. 4, 4) oder von der Gottesgemeinschaft ausgeschlossen erscheine. Als diese Vereinigung von geistiger und sinnlicher Natur wurde denn der Mensch von Gott dargestellt, wie der Schöpfungsbericht lehrt; denn wie es im Schöpfungsberichte heißt (Gen. 2, 7 ff.), nahm Gott Staub von der Erde und bildete daraus den Menschen, und dann pflanzte er dem Gebilde durch Anhauchen das Leben ein, damit so eine Verbindung von Erdhaftem und Göttlichem erreicht werde und von diesem einen Gnadenwerk die gleiche Ehre auf die ganze Schöpfung überströme, insofern im [S. 17] Menschen das Irdische mit dem Überirdischen eine enge Vereinigung feierte.

 

 

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Einleitung zur „Großen Katechese".
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger