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Gregor v. Nyssa (†394) - Große Katechese (Oratio catechetica magna)

Kapitel 5. Bei der Darlegung der Menschwerdung des Wortes Gottes muß vom Urzustand des Menschen ausgegangen werden.

1.

Der Lehre von der Existenz des Wortes Gottes und des Odems Gottes wird sich der Heide aus allgemeinen Vernunftgründen und der Jude aus Schriftgründen wohl nicht allzulange verschließen, aber die Menschwerdung des göttlichen Wortes werden beide gleichmäßig als unglaublich und als Gottes unwürdig verwerfen. Dennoch dürfen wir hoffen, die Gegner auch zu diesem Glaubensgeheimnis führen zu können; nur müssen wir einen anderen Ausgangspunkt wählen.

Zuerst müssen wir die Frage aufwerfen, ob die Gegner glauben, daß vom Schöpfer des Universums alles durch Wort (Vernunft) und Weisheit geschaffen wurde, oder ob sie nicht einmal diesem Satze einen rechten Glauben entgegenbringen. Freilich wenn sie nicht einräumen würden, daß Wort (Vernunft) und Weisheit bei der Schöpfung den Vorsitz innehatten, so würden sie dem Weltprinzip unleugbar Unvernunft und Ungeschick als Beiständer an die Seite geben. Da aber derartiges als ungereimt und als gottlos verworfen werden muß, so sind sie zu dem Zugeständnis gezwungen, daß Wort (Vernunft) und Weisheit an der Spitze des Seins stehen. Wie wir aber bereits dargetan, ist Gottes Wort nicht ein bloß gesprochener Laut oder eine durch Wissenschaft und Weisheit erworbene Kunst, sondern eine wesenhaft [S. 12] subsistierende Macht, die alles Gute will und auch alles, was sie will, ausführen kann; und gerade deshalb, weil es jene Macht ist, welche das Gute will und ausführt, ist sie die schöpferische Ursache der Welt, da diese gut ist. Hängt nun, wie unsere Schlußfolge bewies, die Existenz der ganzen Welt von der Macht des göttlichen Wortes ab, so läßt sich für einzelne Bestandteile der Welt unmöglich eine andere Ursache denken als das nämliche Wort Gottes, durch welches die ganze Welt den Eintritt in das Sein gewann. Ob man dasselbe aber Wort oder Weisheit oder Macht oder Gott nennt oder dafür irgendeinen der erhabenen und ehrfurchtsvollen Namen gebraucht, darauf legen wir kein Gewicht. Denn welchen Namen oder welchen Ausdruck man auch immer für das, was wir meinen, verwenden mag, es ist immer ein und dasselbe, was wir mit den Worten bezeichnen, nämlich die ewige göttliche Macht, die Schöpferin alles Seienden, die Erfinderin dessen, was nicht war, die Erhalterin des Gewordenen, die Seherin der Zukunft.

 

 

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Einleitung zur „Großen Katechese".
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger