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, Einleitung: Vom ersten katechetischen Unterricht. In: Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus ausgewählte Schriften / aus dem Lateinischen übers. (Des heiligen Kirchenvaters Aurelius Augustinus ausgewählte Schriften Bd. 8; Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 49) Kempten; München : J. Kösel : F. Pustet, 1925.
Einleitung: Vom ersten katechetischen Unterricht

Vom ersten katechetischen Unterricht

Die Schrift „De catechizandi rudibus" hat der heilige Augustin auf Bitten seines Freundes, des Diakons Deogratias von Karthago, um das Jahr 400 verfaßt. Dieser Mann scheint eine glückliche Anlage dafür gehabt zu haben, den ersten Religionsunterricht an neueintretende Katechumenen zu erteilen. Mit der Zeit aber müssen ihm bei seiner Gewissenhaftigkeit Bedenken darüber aufgestiegen sein, ob er denn bei seinem Katechumenenunterricht auch die notwendige Methode besitze; auch glaubte er an sich bemerken zu können, daß er es je länger desto mehr an der unumgänglichen Frische und Lebendigkeit fehlen lasse. So wandte er sich denn in einem Brief an seinen Freund Augustinus und erbat sich von ihm Auskunft.

Diese Fragen erwähnt der Bischof von Hippo in den Einleitungskapiteln unserer Schrift und hält sich auch in seiner Disposition daran. In den Kapiteln 3-14 verbreitet er sich zuerst [c. 3,1-6, 11] über den Lehrstoff, sodann [c. 7, 1-9,7] über die den verschieden gearteten Katechumenen anzupassende Art der Darbietung und schließlich [c. 10,1-14,16] über die für den Katecheten notwendige Stimmung. Nach diesen theoretischen Erörterungen wendet er die auf solche Weise gewonnenen Grundsätze praktisch an, indem er zwei Katechesen, eine längere [c.16,1-26,4] und eine kürzere [c. 26,5 bis 27], bietet.

Das Schriftchen1 ist von großem geschichtlichem Interesse, weil es uns über ein wichtiges Gebiet des kulturellen und kirchlichen Lebens jener Zeit Aufschluß gibt, nämlich über die Katechumenats- und Taufpraxis der Zeit des hl. Augustinus. Diese Praxis läßt sich kurz folgendermaßen skizzieren: 1. Der Heide, der sich zur Aufnahme in die christliche Kirche meldet, wird zunächst über die Beweggründe seines Übertrittes befragt; darauf empfängt er sofort einen einmaligen bald längeren, bald kürzeren Unterricht in Vortragsform. 2. Darauf legt der Unterwiesene das Bekenntnis ab, daß er das Gehörte glaube und daß er den empfangenen Geboten gemäß leben werde. 3. Sodann wird er durch Bekreuzung, Handauflegung und durch Darreichung von Salz exorzisiert und von da an als Katechumen als zur Gemeinde gehörig angesehen. 4. Er empfängt jetzt keinen eigentlichen Unterricht mehr, aber hat das Recht und die Pflicht, der sogen. missa catechumenorum beizuwohnen und die heiligen Schriften entweder selbst zu lesen oder sich vorlesen zu lassen. Für gewöhnlich bleibt einer zwei bis drei Jahre Katechumen. 5. Will er sich taufen lassen, so meldet er sich beim Herannahen der Osterzeit, am Anfang der Osterfasten, zur Taufe; er wird nun in die amtlichen Gemeindelisten eingetragen und unter die sogen. competentes 2 aufgenommen. Die Kompetentenzeit ist ausgefüllt teils durch einen fortlaufenden, in Lehrvorträgen des Bischofs bestehenden Unterricht, teils durch die sogen. Skrutinien, d.h. exorzistische Akte, die in Bekreuzung, Handauflegung, Anhauchung bestehen. Von besonderer Feierlichkeit ist die sogen. traditio symboli, d.h. die Mitteilung des Taufsymbols, das unter der disciplina arcana steht, d.h. als Geheimformel gilt, die keinem Nichtchristen mitgeteilt werden darf. Die Kompetenten lernen das Symbol auswendig; auch das Gebet des Herrn lernen sie jetzt kennen. 6. Am Morgen des Ostersonntags findet die Taufe statt, wobei die Täuflinge das Taufbekenntnis ablegen 3. Daran schließt sich der Genuß der hl. Kommunion an. 7. Während der Woche nach Ostern empfangen die Neugetauften 4 täglich den sogen. mystagogischen Unterricht in der Kirche, ebenfalls in Predigtform, der sich besonders auf Taufe und Kommunion bezieht. Am Sonntag nach Ostern erscheinen sie in weißen Kleidern beim Gottesdienst 5 und beten mit der Gemeinde das Gebet des Herrn 6. Erst jetzt sind sie volle Glieder der Gemeinde 7.

Dem Schriftchen kommt außer seinem geschichtlichen Wert auch eine große literargeschichtliche Bedeutung zu, weil es zum erstenmal eine eigentliche Theorie der Katechese entwickelt. Schon Clemens von Alexandrien [† um 216] hatte zwar in seinem Werk „παιδαγωγός“ das Katechetenamt mit warmen Worten verherrlicht und einen Erziehungsplan entworfen; auch Gregor von Nyssa [† um 394] hatte in seinem „λόγος κατηχητικός ὁ μέγας“ bereits eine Art von apologetisch-katechetischem Handbuch geschrieben. Aber ihre Höhe erreichte die altkirchliche Theorie doch erst in Augustins Schrift: „De catechizandis rudibus“, die bis heute nachwirkt8. Der Grund dieses nachhaltigen Einflusses liegt in den vortrefflichen, allgemein gültigen Lehrgrundsätzen, sowie in den methodischen Regeln. Es war darum ein Verdienst, wenn Hrabanus Maurus [† 856], der die Theorie des Mittelalters einleitet, in seinen Schriften „De disciplina ecclesiastica“ und „De institutione clericorum“ die augustinischen Grundsätze in Erinnerung brachte9. Noch in der neueren Zeit hat Erzbischof Augustin Gruber von Salzburg, der den Religionsunterricht von der alten Schablone befreite, der Katechese durch Einführung der historischen Methode neue Bahnen wies und so teilweise die Grundlage der heutigen Praxis schuf, gerade über Augustins Büchlein „De catechizandis rudibus“ katechetische Vorlesungen gehalten10.

Den besten Text bietet immer noch die Maurinerausgabe 11. Nur an wenigen Stellen weicht davon die Ausgabe ab, die Gustav Krüger in der Sammlung ausgewählter kirchen- und dogmengeschichtlicher Quellenschriften veranstaltet hat12 und die ich bei meiner Übersetzung benützte. — Ältere Sonderausgaben: Roth, Mainz 1865, und H. Kurier, SS. Patr. Opuscula sel. Ser. I, Tom. VIII, Oenip. 1895. — Übersetzungen: Th. Fischer, Leipzig 1863; Konr. Ernesti: „Sammlung der bedeutendsten pädagogischen Schriften aus alter und neuer Zeit“, 3. Bd. Paderborn 1889. Die Übersetzung in der ersten Ausgabe der „Bibliothek der Kirchenväter“ stammt von J. Molzberger [Kempten 1877]; auf sie habe ich oft zurückgreifen können.

1: Eine willkommene Ergänzung dazu bildet das gleichfalle in diesem Band übersetzte Schriftchen „De fide et operibus".
2: φωτιζόμενοι
3: redditio symboli
4: neophyti, νεόφυτοι
5: daher „weißer Sonntag“
6: redditio orationis dominicae
7: Drews bei Krüger, De catech. rudibus VIff.
8: Eberhard, Augustins Schrift De catechizandis rudibus in ihrer Bedeutung für die Entwicklung und den heutigen Stand der Katechetik [Neue kirchliche Zeitschrift 17 (1906), 238-246]
9: Vgl. Buchberger, Kirchl. Handlexikon unter „Katechetik“.
10: A. Gruber, Katechetische Vorlesungen über des hl. Augustinus Buch von der Unterweisung der Unwissenden in der Religion [Salzburg 1830].
11: Opp. August. 6,1685. Sp. 263-296
12: Gustav Krüger, Augustin: De catechizandis rudibus, Tübingen 19092, 4. Heft der Sammlung.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Einleitung zu:
Vom ersten katechetischen Unterricht (De catechizandis rudibus) (Augustinus (354-430))

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