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Theodor Schermann, Einleitung: Die griechische Basiliusliturgie. In: Griechische Liturgien. Übers. von Remigius Storf ; mit Einl. versehen von Theodor Schermann. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 5) München 1912.
Einleitung: Die griechische Basiliusliturgie

Die griechische Basiliusliturgie

[S. 263] In der Beurteilung mancher geschichtlichen Fragen, welche die Basiliusliturgie betreffen, haben wir einen sichereren Boden, als bei der Chrysostomusliturgie. Würden wir uns nur auf das Zeugnis des Ps. Proklus verlassen1, das Basilius eine Kürzung der seiner Zeit bestehenden Liturgie nachrühmt, so würde allerdings der greifbare Wert der Angabe wie Schnee in unserer Hand zerrinnen. Wir sind aber weit besser daran, denn Notizen bei Basilius selbst und andere feststehende Anhaltspunkte zeigen uns Mittel und Wege, zu beurteilen, wie der Name des Basilius mit der kleinasiatischen Liturgie verbunden wurde.

Cäsarea besaß zur Zeit des hl. Basilius eine Normalliturgie2, an der Basilius den Zeitverhältnissen entsprechend korrigierte. Wir wissen, daß er aus dogmatischen Gründen die Doxologie abänderte3. Es war üblich, darin einen Lobpreis des Vaters „durch“ den Sohn und den Hl. Geist auszusprechen; Basilius ersetzte diese Formel mit jener, daß Gott Vater „mit“ dem Sohne und dem Hl. Geiste gepriesen werde. Diese uns heute geringfügig erscheinende Maßnahme hatte aber seine Gemeinde und Diözese in gewaltige Aufregung versetzt, in welchen die subordinatianische Trinitätslehre und das Sympathisieren mit dem Arianismus noch zu Hause war. Auch an dem Brevier suchte er die Psalmenrezitation anders zu ordnen. Diese und ähnliche Maßregeln veranlaßten seinen Bruder Gregor von Nyssa4, Basilius mit Samuel zu vergleichen, „sofern beide die Gestalt der Hierurgie sorgfältig bearbeiteten und Gott friedliche Opfer darbrachten“.

So kam es, daß schon früh sein Name mit der kleinasiatischen Liturgie verbunden wurde, vielleicht der [S. 264] früheste uns bekannte Fall. Erinnern wir uns an die Tätigkeit des Serapion von Thmuis, der eine ihm überlieferte Liturgie nach seinen theologischen Prinzipien umgestaltete, so möchten wir des Basilius Reformen in ähnlicher Weise, nur in weit geringerem Umfange, uns vorstellen. Gerade um die Mitte des vierten Jahrhunderts traten auch allenthalben Neubildungen von Gebeten auf, besonders solchen, welche Brotbrechungsakt, Gebete vor und nach der Kommunion betreffen; es wäre nicht ausgeschlossen, daß Basilius eine solche Erweiterung des Formulars in der kleinasiatischen Messe vorgenommen hätte, so daß damit zunächst sein Name verbunden blieb, der dann auf die ganze Liturgie übertragen wurde. Die Reihe der Zeugen, welche Basilius die Abfassung der Liturgie zuschreiben, hebt bereits mit einem Brief des Petrus Diaconus an Fulgentius und die afrikanischen Bischöfe an (c. 512)5; setzt sich fort mit Leontius von Byzanz (c. 531)6; dem 32. Kanon der trullanischen Synode (682), den Akten der zweiten Synode von Nicaea (787), der Biographie des Basilius durch Ps. Amphilochius7.

Es scheint, daß die Basiliusliturgie den Anstoß für die andern Kirchen, speziell Byzanz, gab, die ihrige dem bedeutendsten Redner Johannes Chrysostomus beizulegen.

Die Entwicklungsstadien der Basiliusliturgie vollzogen sich analog jenen, welche wir bei der Chrysostomus-, Markus- und Jakobusliturgie dargetan haben. Auch die Überlieferungsgeschichte geht Hand in Hand mit jener der Chrysostomusliturgie, mit der sie fast immer in den Hss vereinigt ist8. Dabei ist allerdings die Wahrnehmung zu machen, daß die ursprüngliche Tochterliturgie von Byzanz wohl infolge der kaiserlichen Bevorzugung die Mutterliturgie von Kleinasien verdrängte, welche nur noch an manchen Tagen des Jahres zur Verwendung kommt: am 1. Januar Fest der hl. Basilius und Gregor von Nazianz, an den Sonntagen der Fastenzeit mit Ausnahme von Palmsonntag, an den Vigilien von Weihnachten und Epiphanie, am Gründonnerstag und in der Osternacht9.

1: (1.) Über die Unechtheit des Traktats περὶ παραδόσεως τῆς θείας λειτουργίας [peri paradoseōs tēs theias leitourgias] (Migne 65, 849—852) haben wir bereits berichtet. Goar, Renaudot, Daniel, Probst stritten sich darum, welche Liturgie Basilius abgekürzt habe. Ähnlich ist in einem Traktat des Johannes Nesteutes von der Kürzung der Jakobusliturgie durch Basilius die Rede.
2: (2.) Ferd. Probst, Liturgie des vierten Jahrhunderts, Münster 1893, 377 ff. ep. 220.
3: (3.) de Spir. s. c. 27; ep. 207 vgl. G. Krüger in Haucks Realenzykl. II 3 1896, 439 Zeile 47 ff. H. Kihn, Patrologie 2. Band Paderborn 1908, 142. Probst a. a. O. S. 378 f.
4: (4.) In laudem fratris Basilii, Probst S. 379 A. 4.
5: (5.) epist. Petri Diac. ad Fulg. c. 8 n. 25 (Migne P. lat. 62, 90 C); Brightman p. XCII. Das lateinische Zitat ist aber nicht in der Basiliusliturgie zu finden.
6: (6.) Leontius c. Eutych. et Nestor. III 19 (Migne 86, 1368 C).
7: (7.) Brightman p. XCII.
8: (8.) Vgl. R. Engdahl, Beiträge zur Kenntnis der byzantinischen Liturgie (Neue Studien zur Geschichte der Theologie und der Kirche, herausgegeben von N. Bonwetsch und R. Seeberg 5. Heft) Berlin 1908, S. 90 f. s. Byzant. Zeitschr. XX 1911, 308, 325.
9: (9.) Maxim. Princeps Saxon., Praelectiones liturgicae Friburgi 1909. A. Baumstark, Die Messe im Morgenland, Kempten 1906, 56. Vgl. die Übersetzungen des früheren Propstes Maltzew in Berlin (neueste Auflage 1912).

 

 

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Die griechische Basiliusliturgie (Liturgien, Griechische)

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