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Theodor Schermann, Einleitung: Die griechische Markusliturgie. In: Griechische Liturgien. Übers. von Remigius Storf ; mit Einl. versehen von Theodor Schermann. (Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 5) München 1912.
Einleitung: Die griechische Markusliturgie

Die griechische Markusliturgie

[S. 158] Die Markusliturgie stellt in ihren ältesten Handschriften ein Entwicklungsstadium der orientalischen Messen aus dem Ende des sechsten Jahrhunderts dar. Zwar ist der Name selbst erst im elften oder gar erst im zwölften Jahrhundert bezeugt; allein wir dürfen annehmen, daß die griechischen Melchiten Ägyptens aus einem gewissen Antagonismus gegen die monophysitischen Kopten des Landes für ihre Liturgie den Namen des Begründers der Christengemeinde und Stadtpatrons Alexandreias schon früher adoptierten. Nicht umsonst betet der Liturge in der Kollekte zu Beginn der sogenannten Gläubigenmesse: „Wir bitten Dich und flehen zu Dir, Menschenfreund, Guter (Gott), beschirme diese Stadt wegen des Märtyrers und Evangelisten Markus, der uns den Weg zum Heile gewiesen hat“1. Der Zeitpunkt dieser Namensübertragung ist nicht genau zu bestimmen; sie dürfte sich aber im siebten Jahrhundert vollzogen haben. Denn eine Anaphora2 der koptischen Monophysiten, welche sonst dem Cyrill von Alexandreia zugeschrieben wird, trägt daneben in der Überschrift bereits den Namen des hl. Markus.

Im ganzen scheinen bis jetzt fünf Handschriften der Markusliturgie bekannt zu sein; lange Zeit, bis zur Ausgabe C. A. Swainsons (1884), war nur der Text der Handschrift des Basilianerklosters der hl. Jungfrau Maria ὁδηγητρία [hodēgētria] zu Rossana verbreitet, und zwar nur in einer Abschrift, welche Kardinal Sirleto fertigte und einem Kanonikus von Paris, Johannes von S. Andrea, zur Veröffentlichung überließ. Den Druck besorgte [S. 159] im Jahre 1583 die Firma Ambros. Drouard in Paris. Die Handschrift ist heute in der Vatikanischen Bibliothek, als Vatic. gr. 1970. Außer diesem textus receptus, der immer wieder abgedruckt wurde, haben noch ein Rotulus der Universitätsbibliothek von Messina (gr. 177), eine zweite Vatikanische Hs (Vatic. gr. 2281), eine weitere im Katharinenkloster auf dem Sinai und eine in der Bibliothek des orthodoxen Patriarchats zu Kairo die Liturgie uns aufbewahrt. Dabei ist aber zu beachten, das [daß] die Hss verschiedene Entwicklungsstadien der Markusliturgie uns anzeigen. Manche haben bereits die Vorbereitung der Gaben an den Anfang gestellt, andere wiederum Elemente der Chrysostomusliturgie aufgenommen. Seit dem dreizehnten Jahrhundert ist die Markusliturgie durch die byzantinische Chrysostomus- und Basilius-Liturgie in der melchitischen Landeskirche Ägyptens ersetzt worden. Dieser historische Tatbestand ist durch einen Briefwechsel des Patriarchen Markus von Alexandreia (c. 1173) an den Patriarchen Theodor Balsamon von Antiocheia (Migne P. gr. 183, 953) dokumentiert.

Ausgaben und Literatur.

Genaue Beschreibung der Handschriften und Parallelstellung ihrer Texte bei C. A. Swainson, The greek Liturgies chiefly from original authorities, Cambrigde 1884. Neueste Ausgabe mit Zuhilfenahme anderer Zeugen s. F. E. Brightman, Liturgies Eastern and Western, Vol. I. Eastern Liturgies, Oxford 1896, 112–143; Einleitung pag. LXIII f. Th. Schermann, Ägyptische Abendmahlsliturgien a. a. O. 1912. Derselbe, Der Aufbau der ägypt. Abendmahlsliturgien vom 6. Jahrh. in „Der Katholik“ 1912, 229 ff.

1: Brightman S. 120, 2. Columne, Zeile 19–24.
2: Brightman S. 164, 2–3; 188 Zeile 22.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis

Einleitung zu:
Die griechische Markusliturgie (Liturgien, Griechische)

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger