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Epiphanius v. Salamis († 403) - Gegen die Antidikomarianiten (Panarion Haer. 78.)

10.

Denn im dreiunddreißigsten Jahre Herodes' I., des Sohnes des Antipater, wird geboren der Erlöser in Bethlehem in Judäa, welches war das zweiundvierzigste des Königs Augustus. Zwei Jahre alt, wird er von Joseph nach Ägypten genommen, weil Herodes wegen der Aussagen der Magier dem Kinde nachstellte. Er geht nach Ägypten und vollendet dort zwei weitere Jahre. Und es stirbt Herodes, der König, im siebenunddreißigsten Jahre. Seine Herrschaft übernimmt ein Sohn, Archelaus, auf neun Jahre. Und so geht das Heilswerk seiner Vollendung entgegen: er wird dem Kreuze überantwortet im achtzehnten Jahre des Kaisers Tiberius, das war im sechsundzwanzigsten Jahre des Agrippa, zubenannt der Große, oder Herodes des Jüngeren, des Sohnes des Archelaus. Nirgends aber hören wir davon, daß Joseph Söhne gezeugt habe. Aber nach der Rückkehr aus Ägypten lebte er selbst auch nicht mehr viele Jahre. Denn es war das vierte Jahr des Erlösers, für Joseph aber mehr als das vierundachtzigste, als er aus dem Ägypterlande heimkam. Danach blieb Joseph noch weitere acht Jahre am Leben, und im zehnten [F.: zwölften] Jahre, als sie nach Jerusalem gingen, wurde er [Jesus] gesucht, weil man ihn nicht fand bei der Karawane, wie im Lukasevangelium zu lesen steht. Vor Ablauf dieser Jahre aber starb Joseph, und er [Jesus] ging nicht mehr heim zu Joseph, sondern nur ins Haus Josephs. Daher sagt das Evangelium nicht mehr: Es kam sein Vater, seine Mutter und seine Brüder, sondern: "Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen." Aber auch nicht, als man sagte in Idumäa [F.: Galiläa]: "Niemand, der solche Werke tut, will im Verborgenen sein. Wenn du solches tust, offenbare dich"1 , da heißt es nicht: Es sagte ihm sein Vater und seine Brüder, sondern: seine Brüder, da eben Joseph dem Leibe nach nicht mehr da war. Dann aber in seinem letzten Augenblicke, als der Erlöser am Kreuze hing, da wandte er sich, wie es im Johannesevangelium heißt:2 "und sah den Jünger, den der Herr lieb hatte, und sprach zu ihm von Maria: ,Sieh', deine Mutter', und zu ihr selbst sagte er: ,Siehe deinen Sohn'." Wenn nun Maria Kinder hatte und ihr Mann noch am Leben war: aus welchem Grunde übergab er dann Maria dem Johannes, und Johannes der Maria? Aus welchem Grunde übergab er sie nicht vielmehr dem Petrus? Aus welchem Grunde nicht dem Andreas, Matthäus und Bartholomäus? Doch offenbar dem Johannes wegen seiner Jungfräulichkeit : denn "Siehe deine Mutter". Und doch War sie ja nicht die Mutter unseres Johannes dem Fleische nach, sondern er wollte zeigen, daß sie die Mutter und Patronin der Jungfräulichkeit sei, da von ihr das Leben ausgegangen war. Und zu Johannes, der ihm doch dem Fleische nach nicht verwandt war, sprach er so, um ihn anzuleiten, seine [Jesu] eigene Mutter zu ehren, weil in Wirklichkeit dem Fleische nach aus ihr geboren ist der Herr selbst, auf daß niemand glaube, das ganze Heilswerk sei nur Schein und nicht Wahrheit. Denn wenn sie nicht wahrhaft seine Mutter war, die ihn dem Fleische nach empfangen hatte, so hätte er wohl nicht für sie diese Vorsorge getroffen, daß er [dem Johannes] anvertraute die allzeit Jungfräuliche, die Mutter geworden war wegen des Heilswerkes, unbefleckt wegen der ihm gebührenden Ehre, als sein bewunderungswürdiges Gefäß. Es sagt aber das Evangelium: von jenen Tagen an nahm er sie in sein Haus. Wenn sie dagegen einen Mann hatte, wenn sie ein Haus hatte, wenn sie Kinder hatte, so ging sie wohl in ihr eigenes Heim, nicht zu dem Fremden.

1: Joh. 7, 4.
2: Ebd. 19, 26 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger