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Epiphanius v. Salamis († 403) - Gegen die Antidikomarianiten (Panarion Haer. 78.)

22.

Denn um jeden Preis wollen gewisse Schwächlinge, die einem weichlichen Leben ergeben sind und eine verderbliche Gesinnung in sich tragen, auch die Heiligen beschmutzen, um eine wohlfeile Ausrede für ihre schwächliche Gesinnung zu haben. Solchen gilt das Wort des Apostels: "Ich möchte, daß alle seien wie ich"1 . Inwiefern aber sagt er: wie "ich"? Wie anders als im Sinne der Heiligung? "Aber um der Unzucht willen soll jeder sein Weib haben"2 . In diesem Satze ließ er das Pronomen weg. Denn es hätte wie eine Anklage und allzu scharfer Tadel geklungen; er hätte nämlich sagen können: wegen eurer Unzucht. Das "eurer" unterdrückte er, um den Schein zu vermeiden, als habe er damit einige treffen wollen. Gesagt ist es aber zur Zurechtweisung einiger, die nicht Gott dienen wollen noch dem Leben unter dem Gesetz, und die ihr Gefäß nicht nach der rechten Ordnung gebrauchen wollen zur Kindererzeugung. So haben es ja auch unsere Altväter gehalten, wie wir auch irgendwo in der Schrift das Wort finden: "Rebekka, die nur von einem empfangen." "Von einem", damit ist ein ehrbarer Ausdruck gewählt, es wird aber damit die Empfängnis als eine rechtmäßige erwiesen. Denn die Schrift weist darauf hin, daß er [Isaak], nachdem sie Kinder erhalten, nicht mehr mit seinem Weibe ehelich verkehrt habe. Aber freilich, es ist nur allzu leicht und naheliegend, seinen Sinn mehr auf das Schlechte hinzulenken als auf das Notwendige, weil unser menschlicher Sinn verderbt ist und nicht schnell den Anlauf nimmt auf den geraden Pfad des Herrn, sondern abweicht bald zur Rechten, bald zur Linken und nur schwer das Wort von Salomo erfüllt: "Weichet nicht ab zur Rechten und nicht zur Linken"3 ; da sonst unsere Bosheit uns zum Schaden sich wieder zu den nämlichen Gedanken hinwendet und unseren gesunden Verstand mit Ungestüm andere Wege führt, so wollen wir uns sicher stellen, damit nicht ein auf die Spitze getriebenes Lob der Jungfrau einem werde zu einem anderen Steine des Anstoßes und Irrtums.

1: 1 Kor. 7, 7.
2: Ebd. 7, 2.
3: Sprichw. 4, 27.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger