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Epiphanius v. Salamis († 403) - Gegen die Antidikomarianiten (Panarion Haer. 78.)

16.

Wenn nämlich die Schrift es sagte, [was die Antidikomarianiten behaupten], so würden wir die Wahrheit zugeben und nicht im geringsten daran herumdeuteln. Denn ist etwa die Ehe unehrbar? Etwa sündhaft das eheliche Lager? Ist es nicht vielmehr makellos? Wer wird die Eheschließung zu etwas Bösem verzerren wollen? Allerdings: die Propheten und Hohenpriester enthalten sich davon, weil sie einen höheren Dienst haben. Denn nachdem Moses ein Prophet geworden, verband er sich nicht mehr mit einem Weibe, zeugt nicht mehr Kinder, wird nicht mehr Vater von Kindern, er als Mann in solcher Stellung; denn sein Leben gehört nun in höherem Maße dem Herrn. Denn wie hätte er auf dem Berge Sinai vierzig Nächte und vierzig Tage verweilen können, wenn er dem ehelichen Leben nachkommen wollte; oder wie hätte er vierzig Jahre lang in der Wüste für den Dienst Gottes zur Verfügung stehen, für das Priesteramt bereit sein können, wie hätte er die göttlichen Geheimnisse kundmachen und mit Gott verkehren können, wenn er durch das Band der Ehe gebunden war? Denn wenn im Hinblick auf uns der Apostel deutlich genug die Worte spricht: "Auf eine bestimmte Zeit, um dem Gebete zu obliegen"1 , — um wieviel mehr wird dies Wort von den Propheten gelten? Nun war aber auch Maria eine Prophetin. Es heißt nämlich: "Er ging zur Prophetin, und sie empfing und gebar einen Sohn. Und es sprach der Herr zu mir: Heiße seinen Namen: ,Schnell nimm Beute’, ,eilends raube' " usw.2 Mit diesen Worten aber weist er hin auf den Besuch Gabriels bei Maria, da er ausging, um ihr die Frohbotschaft zu bringen, daß sie gebären werde den Sohn Gottes, den Erlöser der Welt, nicht aus Mannes Samen, sondern durch den Hl. Geist. Aber auch Philippus, der Evangelist, hatte vier prophetische Töchter. Sie prophezeiten auf Grund der Jungfräulichkeit, die zu bewahren sie die Gnade hatten. Und Thekla begegnete dem hl. Paulus und löste ihre Verlobung auf, obwohl ihr Bräutigam sehr schön war, einer von den Spitzen der Stadt, sehr reich, aus den ersten Familien der Gesellschaft, sehr vornehm. So verachteten die Heiligen das Irdische, um des Himmlischen teilhaft zu werden. Wenn nun diese schon soviel [taten], um wieviel mehr Maria, an welcher das ganze Wunderwerk unseres Heiles zur Tatsache geworden ist. Wo soll ich nun noch Erwägungen hernehmen, die zum Guten hinführen, wie soll ich aufhellen das Nebeldunkel — von Seelen, in denen solche Ausgeburten des Wahnwitzes spuken, wie geschrieben steht: "Er empfing Unheil und gebar Frevel"3 . Wirklich, solche Leute empfangen das Unheil der [bösen] Gedanken und gebären den Frevel der Lästerungen.

1: 1 Kor. 7, 6.
2: Is. 8, 3.
3: Ps. 7, 15.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger