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Epiphanius v. Salamis († 403) - Gegen die Antidikomarianiten (Panarion Haer. 78.)

12.

Sollen wir nun von einem anderen Wissensgebiete aus argumentieren, so wollen wir kurz einige Tatsachen aus der Naturkunde heranziehen. Man sagt: die Löwin gebäre nur eine Leibesfrucht. Das soll folgenden Grund haben: Es ist ein sehr gefräßiges Tier, schaut mit wild funkelnden Augen in die Welt, ist von furchtbarer Stärke, sozusagen die königlichste Art unter den Tieren. Es empfängt nur aus einer Begattung und trägt den Fötus sechsundzwanzig Monate im Leib, so daß also der Embryo innerhalb dieser langen Zeit völlig auswächst, derart, daß er auch schon alle Zähne bekommt, ehe er den Mutterleib verläßt. Aber auch die Krallen hat er schon in dem bestimmten Alter, auch die sogenannten Knebel-, Spitz- und Mahlzähne und das andere, was zum Tiere gehört. Während er nun im Leibe der Mutter ist, soll er durch Hüpfe, Drehungen und andere Wendungen mit den Krallen zerren und kratzen am Mutterleib und an der Gebärmutter. Ist nun der Mutter die Stunde des Gebarens gekommen, so werde an jenem Tage ihr Leib unfähig zu jeder weiteren beschwerlichen Trächtigkeit. Denn nach der Aussage der Naturkundigen scheidet sie zugleich mit der Geburt auch die Gebärmutter und den Mutterleib aus, so daß das Weibchen nie mehr einen Geschlechtstrieb spürt, es müßte ihr denn Gewalt geschehen. Aber auch wenn sie etwa zu einer Begattung gezwungen werden sollte, so könne sie nicht mehr trächtig werden, da sie Mutterleib und Gebärmutter nicht mehr habe. — Nun gibt uns dieser Sachverhalt doch auch die Möglichkeit, zu dem in Frage stehenden Thema eine gedankliche Beziehung herzustellen, die mehr zum Nutzen als zum Schaden gereicht. Wenn nämlich Jakob den Juda als ein Löwenjunges bezeichnet1 , indem er dabei von Christus spricht, gemäß den Ältesten in der Geheimen Offenbarung des Johannes: "Siehe", so heißt es, "es hat gesiegt der Löwe aus dem Stamme Juda und aus dem Samen Davids"2 , so wird damit der Herr einem Löwen gleichgesetzt, nicht der Natur nach, sondern bildlicherweise, weil eben jener das königliche Tier ist, von allen Tieren das kühnste und stärkste und in jeder anderen Beziehung imponierendste, wozu ich nun [als natürlichen Vergleichungspunkt] noch das von der gebärenden Löwin gesagt haben möchte. Denn wie kann man von der Geburt eines Löwen reden und von der Löwin als Mutter schweigen? Die Löwin aber empfängt nicht ein zweites Mal. So weiß denn auch Maria nichts von einer weiteren Empfängnis, nichts von einer leiblichen Verbindung die heilige Jungfrau.

1: Gen. 49, 9.
2: Offenb. 5, 5.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger