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Epiphanius v. Salamis († 403) - Gegen die Antidikomarianiten (Panarion Haer. 78.)

11.

Aber daß nur nicht einige sich dies zum Verderben wenden möchten und hier einen Vorwand zu finden glauben, sogenannte Syneisakten und Freundinnen zu sich zu nehmen mit schlimmen Hintergedanken. Hier [bei Maria und Johannes] wurde es ja so gehalten, aber nur weil nach göttlicher Fügung ihre Angelegenheit ausgenommen wurde von aller anderen strikten Ordnung, die nach dem Willen Gottes selbst sonst einzuhalten ist. Übrigens blieb sie ja auch, als das geschehen war und er sie zu sich genommen hatte, noch nicht bei ihm. Wenn übrigens einige glauben, das sei ein Irrtum, so mögen sie nur den Spuren der Schrift nachgehen, sie werden da wohl weder etwas finden vom Tode Mariens, noch ob sie gestorben oder ob sie nicht gestorben, noch ob sie begraben oder ob sie nicht begraben. Und doch hatte sich Johannes auf die Reise nach Asien begeben, und nirgends heißt es, daß er die heilige Jungfrau mit sich führte, sondern die Schrift schweigt einfach dar¬über, überwältigt von Staunen, um nicht der Menschen Sinn allzusehr aufzuregen. Denn ich wage es nicht, darüber mich auszusprechen, sondern ich denke mir das Meinige und halte mich fein still. Vielleicht ließen sich nämlich irgendwo auch Spuren jener Heiligen und Seligen auffinden, wie man auch über ihren Tod nichts auffinden kann. Denn einerseits sagt Simeon über sie: "Auch deine Seele wird ein Schwert durchdringen, damit die Gedanken vieler Herzen offenbar werden"1 , anderseits aber sagt die Geheime Offenbarung Johannis, daß der Drache anstürmte gegen das Weib, das jenes Knäblein geboren, und es wurden ihr gegeben Adlerflügel, und sie ward entrückt in die Wüste, auf daß der Drache sie nicht erreiche2 . Das kann sich ja wohl an ihr bestätigen. Doch möchte ich das nicht ganz bestimmt behaupten, und ich sage auch nicht, daß sie unsterblich blieb. Aber ich möchte auch nicht ausmachen, ob sie gestorben ist. Denn die Schrift geht über den menschlichen Verstand hinaus und läßt [unsere Frage] in Schwebe wegen jenes ehrwürdigen und ausgezeichneten Gefäßes, damit in bezug auf sie niemand sich in Vermutungen über fleischliche Dinge ergehe. Ob sie nun gestorben ist, wir wissen es nicht, und ob sie begraben ist: Jedenfalls hat sie keine fleischliche Verbindung eingegangen; das sei ferne! Wer aber wird sich in einen solchen Wahnsinn verrennen wollen und einen blasphemischen Argwohn hegen, den Mund öffnen, die Zunge lösen, die Lippen bewegen, schlechte Gedanken im Herzen, ja noch mehr: Statt Hymnen und Lobpreis in hochmütiger Verachtung sich auslassen, die heilige Jungfrau schmähen und die Ehre versagen dem hochgeehrten Gefäße?

1: Luk. 2, 35.
2: Offenb. 12, 13 f.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger