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Epiphanius v. Salamis († 403)
Anakephalaiosis
(Auszug aus dem Panarion)

Einleitung

Da wir in unserem Buche die Namen aller Häresien aufzählen, ihr gottloses Treiben als verderbenbringendes Gift darstellen, zugleich aber auch die Gegenmittel angeben wollen, die den von ihrem Bisse Verwundeten zum Heile, den der Gefahr Ausgesetzten aber zum Schütze und zur Verwahrung sein können, so dürften wir es wohl "Panarion" nennen, d. i. "Arzneikästchen", zur Heilung derer, welche von dem Schlangenbisse der Häresie verwundet worden sind. Es besteht das Buch aus drei Teilen und beschreibt achtzig Häresien, welche eben wilden Tieren und Schlangen vergleichbar sind. Nach diesen achtzig stellt sich in nur einer Form dar1 das Fundament der Wahrheit zugleich mit der Heilslehre und die Braut Christi, die heilige Kirche, die eigentlich vom Anfange der Welt an existierte, aber erst im Laufe der Zeit durch die Erscheinung Christi im Fleische neben den vorerwähnten Häresien geoffenbart wurde, weshalb wir sie in unsere Aufzeichnungen auf Grund der Frohbotschaft Christi einreihten2 . Und nach der Darlegung aller dieser schlimmen Ketzereien [findet man] hinwiederum [die kirchliche Lehre] von uns3 im Auszug klar dargestellt nach der Lehre der Apostel, damit die Leser, die sich durch alle diese Häresien durchgearbeitet haben, wieder aufatmen können. Nunmehr möchte ich euch alle, verehrte Leser, gebeten haben, wie dem Eingang so der darauffolgenden Auseinandersetzung der Häresien, dem Bekenntnis und der Lehre der Wahrheit, endlich dem Glaubensbekenntnis der heiligen katholischen Kirche eure Aufmerksamkeit zu schenken.

Die ganze Materie wird also abgehandelt in drei Büchern; diese drei Bücher sind wieder in sieben Abschnitte geteilt, deren jeder eine gewisse Anzahl von Ketzereien und Spaltungen in sich begreift, die alle zusammen achtzig ausmachen. Die Namen und Bezeichnungen dafür sind folgende: Barbarismus, Skythismus, Hellenismus, Judaismus, Samaritismus. Aus diesen sind hernach die anderen [vorchristlichen] Sekten entstanden. So erflossen aus dem Barbarismus und dem skythischen Aberglauben vor Christi Geburt: die Pythagoräer oder Peripatetiker, die Platoniker, die Stoiker und die Epikureer. Die samaritische Sekte, welche sich aus dem Judentume herschrieb, hatte wieder vier Nebenlinien: die Gorthener, die Sebuäer, die Dositheer und die Essener. Es folgt der Judaismus, der von Abraham her seinen eigenen Charakter hatte, durch das Gesetz des Moses weiter ausgebildet wurde und nach Juda, dem Sohne des Jakob, oder Israel durch David, den ersten König aus diesem Stamme, den Namen Judaismus erhielt. Aus diesem Judaismus nun gingen folgende sieben Sekten hervor: die Sekte der Schriftgelehrten, der Pharisäer, der Sadduzäer, der Hemerobaptisten, der Ossäer, der Nassaräner und der Herodianer.

Nach diesen Häresien offenbarte sich endlich im Laufe der Zeiten das Heilswerk unseres Herrn Jesu Christi, nämlich seine Erscheinung im Fleische, die evangelische Lehre und die Botschaft vom Himmelreich. Und diese allein ist die Quelle des Heiles und der wahre Glaube der katholischen und apostolischen Kirche. Von ihr haben sich losgerissen und getrennt die [Sekten], welche nur den Namen Christi haben, nicht den Glauben an ihn. Es sind folgende: Simonianer, Menandriner, Saturnilianer, Basilidianer, Nikolaiten, Gnostiker, welche auch Stratiotiker, Phibioniten, Koddianer, Borbalianer, Sokratiten, Zakchäer heißen, Karpokratiten, Kerinthianer oder Merinthianer, Naziräer, Ebionäer, Valentiner, Sekundianer, zu welchen auch Epiphanius und Isidorus gehören, Ptolemäer, Markosier, Kolorbarsier, Herakleoniten, Ophiten, Kaianer, Sethianer, Archontiker, Kerdonianer, Markioner, Lukianisten, Appeleianer, Severianer, Tatianer, Enkratiten, Kataphryger oder Montanisten, auch Taskodrugiten, Pepuzianer, welche auch Priskillianer oder Quintilianer heißen, wozu auch die Artotyriten gehören, Tessarakaidekatiten, welche Ostern immer am selben Tage des Jahres feiern, Aloger, welche das Evangelium und die Offenbarung des hl. Johannes verwerfen, Adamianer, Samphäer oder Helkesäer, Theodotianer, Melchisedekianer, Bardesianisten, Noetianer, Valesier, Katharer oder Novatianer, Angeliker, Apostoliker oder Apotaktiker, Sabellianer, die Origenisten oder Frevler, die Origenisten oder Anhänger des Adamantius, die Jünger des Paul von Samosata, Manichäer oder Akuaniten, Hierakiten, Meletianer, welche die Spaltung in Ägypten verursachten, Arianer oder Ariomaniten, Audianer, Photinianer, Markellianer, Semiarianer, Pneumatomachen, welche den Hl. Geist lästern, Aerianer, Aetianer oder Anomäer, zu denen Eunomius gehört, Dimöriten, welche die vollkommene Menschheit Christi leugnen und auch Apollinaristen heißen, Antidikomarianiten, welche meinen, Maria, die immerwährende Jungfrau, habe nach Christi Geburt mit Joseph ehelichen Umgang gepflogen, Kollyridianer, so genannt, weil sie zu Ehren derselben Jungfrau Maria einen Kuchen [Kollyris] opfern, Massalianer, zu denen auch die heidnischen Martyrianer, die Euphemiten und die Satanianer gehören.

Nunmehr will ich die Aufzählung der Häresien nochmals aufnehmen, die Häresien auf die einzelnen Bücher verteilen und in dieser kurzen Übersicht zeigen, wieviele von diesen Häresien im ersten, wieviele im zweiten und im dritten enthalten sind. Ebenso werde ich hervorheben, wieviele Häresien jedem der sieben Abschnitte in den drei Büchern zugeteilt sind.

Es ist folgendermaßen eingerichtet: Im ersten Buche sind drei Abschnitte und werden sechsundvierzig Häresien aufgeführt mit ihren Sammelnamen, nämlich: Barbarismus, Skythismus, Hellenismus, Judaismus und Samaritismus. Im zweiten Buche sind zwei Abschnitte mit dreiundzwanzig Häresien, im dritten Buche zwei Abschnitte mit elf Häresien enthalten. Im ersten Abschnitt des ersten Buches werden also zwanzig Häresien aufgeführt: Barbarismus, Skythismus, Hellenismus, Judaismus. Unter den Hellenen sind zu unterscheiden die Pythagoräer oder [sic!] Peripatetiker, Platoniker, Stoiker, Epikureer. Der Samaritismus floß aus dem Judaismus und teilt sich folgendermaßen: Gorthener, Sebuäer, Essener, Dositheer. Im Schoße des Judentums gibt es sieben Häresien: Schriftgelehrte, Pharisäer, Sadduzäer, Hemerobaptisten, Ossäer, Nassaräer, Herodianer. Im zweiten Abschnitt des ersten Buches kommen dreizehn Häresien zur Besprechung: die Simonianer, Menandianer, Saturnilianer, Basilidianer, Nikolaiten, Gnostiker, welche auch Stratiotiker, Phibioniten, Sekundinianer, Sokratiten, Zakchäer genannt werden, Karpokratiten, Kerinthianer oder Merinthianer, Nazaräer, Ebionäer, Valentiner, Sekundianer, zu welchen auch Epiphanius und Isidorus gehören, Ptolemäer. In den dritten Abschnitt des ersten Buches sind dreizehn Häresien aufgenommen: Markosier, Kolorbasier, Herakleoniten, Ophiten, Kaianer, Sethianer, Archantiker, Kerdonianer, Markioner, Lukianisten, Apellianer, Severianer, Tatianer. So viel enthalten die drei Abschnitte des ersten Buches.

Das zweite Buch zerfällt in zwei Abschnitte, von denen der erste bezw. vierte, wenn wir vom Anfange an zählen, folgende achtzehn Häresien enthält: Enkratiten, Kataphryger, welche auch Montanisten und Taskodrugiten heißen, Pepuzianer oder Quintilianer, zu denen auch die Artotyriten gehören, Tessarakaidekatiten, welche das Pascha immer auf denselben Jahrestag verlegen, Aloger, welche das Evangelium und die Apokalypse des Johannes verwerfen, Adamianer, Sampsäer, auch Helkesäer, Theodotianer, Melchisedekianer, Bardesianisten, Noetianer, Valesier, Katharer, Angeliker, Apostoliker oder Apotaktiker, Sabellianer, die schandvollen Origenisten, die Origenisten, die Anhänger des Origenes4 .

Im zweiten Abschnitte des zweiten Buches [welcher nach obiger Zählung der fünfte ist] kommen fünf Häresien vor: die des Paul von Samosata, die Manichäer oder Akuaniten, die Hierakiten, die Meletianer, welche in Ägypten ein Schisma verursachten, die Arianer. Und das ist der Inhalt der Abschnitte des zweiten Buches.

Im ersten Abschnitte des dritten Buches [dem sechsten in der Gesamtreihe] stehen sieben Häresien: Audianer, Photinianer, Markellianer, Semiarianer, Pneumatomachen welche den Hl. Geist lästern, Aerianer, Aetianer, welche auch Anomöer, d. i. die Unähnlichen genannt werden. Der zweite Abschnitt unseres Buches [der siebente nach der Gesamtzählung] enthält vier Häresien: die Dimöriten, welche an die vollkommene Menschwerdung Christi nicht glauben, man nennt sie auch Apollinaristen, die Antidikomarianiten, welche meinen, daß Maria, die immerwährende Jungfrau, nach der Geburt des Erlösers mit Joseph eheliche Gemeinschaft gepflogen habe, die Kollyridianer, welche zu Ehren Mariens kleine Kuchen opfern, die Massalianer.

Zum Schlüsse folgt eine kurze Verteidigung des rechten Glaubens und der Wahrheit, auf der die heilige, katholische und apostolische Kirche beruht.

Somit haben wir denn eine kurze Zusammenfassung und Übersicht über das ganze Werk gegen die achtzig Häresien und die Verteidigung der einen und einzigen Wahrheit, d. i. der einen katholischen Kirche gegeben. Das ganze Werk ist gegliedert in drei zusammengehörige Bücher und in sieben Abschnitte.

1: Diese μία πραγματεία ist gegeben in der Expositio fidei Migne gr. 42, 778-832, die sich au Haer. 80 anschließt.
2: Epiphanius will damit die Aufnahme einer kurzen Skizze "über den wahren Glauben und die Menschwerdung Christi" zwischen den zwanzig vorchristlichen und den sechzig nachchristlichen Häresien erklären, während das folgende auf die Expos. fidei hinweist.
3: So muß es wohl heißen statt ὑφ’ ὑμῶν.
4: Epipbanius unterscheidet, wie man im folgenden Nr. 68 und 64 sieiit, zweierlei Origenisten oder wie er ssgt: "Origenier". Die einen führen geradezu den Beinamen: οἱ καὶ αἰσχροποιοί, die anderen sind die uns bekannten Origenisten.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger