Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Epiphanius v. Salamis († 403) - Anakephalaiosis (Auszug aus dem Panarion)

Häresien des zweiten Abschnittes vom dritten Buche.

Der zweite Abschnitt des drittes Buches, respektive der siebente enthält sieben Häresien, und mit ihm schließt das ganze Werk.

77. Die Dimoiriten, auch Apollinaristen, leugnen die vollkommene Menschwerdung Christi, indem einige von ihnen behaupten, sein Leib sei der Gottheit gleichwesentlich, andere aber sich zu behaupten unterfangen haben, daß Christus keineswegs eine Seele angenommen habe. Sie kaprizieren sich nur auf das eine: der Logos sei Fleisch geworden, und leugnen1 , daß Christus aus einem Geschöpf, d. i. aus Maria, Fleisch angenommen habe; sondern es sei eben das Wort an sich Fleisch geworden. In einer späteren Entwicklung sagen sie, — warum, weiß ich nicht, — er habe keinen "Nus" angenommen.

78. Die Antidikomarianiten behaupten, daß die selige, immerwährende Jungfrau Maria nach der Geburt des Erlösers mit Joseph ehelichen Umgang gepflogen habe.

79. Die Kollyridianer, welche zu Ehren Mariens an bestimmten Tagen des Jahres kleine Kuchen [kollyridas] opfern, weshalb man sie bezeichnend Kollyridianer nennt.

80. Die Massalianer, welche man in unserer Sprache die Betenden nennen könnte. Diesen sind aus den hellenischen Sekten die sogenannten Euphemiten, Martyrianer und Satanianer beizuzählen.

Das ist der kurze Inhalt des siebenten Abschnittes und das Ende der drei Bücher. Im ganzen zählt man achtzig Häresien. Am Ende des dritten Buches und des siebenten Abschnittes ist beigegeben eine Glaubensformel, wie sie die katholische Kirche festhält, eine Verteidigung der Wahrheit und Verkündigung des Evangeliums Christi, endlich die Charakteristik der katholischen Kirche, welche schon von Anbeginn an war und in der Abfolge der Zeiten nach der Menschwerdung Christi offenbar gemacht worden ist.

Und wie vieles2 könnte der menschliche Geist noch anführen über jene, welche da große und hervorragende Namen führen und zu jenen lobwürdigen und ausgezeichneten "Mädchen ohne Zahl" gehören, von denen die einen lobwürdig, die anderen aber tadelnswert sind. Einige derselben stellen sich nämlich nach eigenem Gutdünken für ihre Lebensweise strenge Übungen und Gesetze auf und gehen vor aller Augen mit langen Haupthaaren umher, andere von den frommen Brüdern bleiben stets zu Hause in Sack und Asche. Wiederum andere bewahren sich in übertrieben strenger Lebensweise durch Fasten und Arbeiten für Gott jugendlich mit reinem Gewissen gegenüber ihrem Bräutigam sich vervollkommnend, während noch andere, wie ich zuvor gesagt, nicht mit aufrichtigem Herzen, sondern mit einer gewissen Voreingenommenheit des Geistes, gleichsam in tyrannischem Übermute, wie Jungen gegen die Wahrheit sich erheben. Zu diesen gehörte jener Zachäus, der vor kurzem im Gebirge bei Jerusalem starb, niemals in Gebetsgemeinschaft mit anderen gewesen ist, ja sogar nach eben diesem übermütigen Prinzip es gewagt hat, die heiligen Geheimnisse zu berühren und, obwohl noch ein Laie, freventlich das Opfer darzubringen. Irgendein anderer von dieser Art, der im Leben einen hohen Rang eingenommen, wohnte in Ägypten in einem Kloster der Wüste, ein zweiter auf dem Sinai. Diese beiden nun ließen sich, eitlen Träumereien folgend, die Handauflegung zur Bischofswürde geben und unternahmen es, auf bischöflichem Throne zu sitzen und die bischöflichen Ämter zu verwalten. Andere, und zwar in nicht geringer Zahl, trugen kein Bedenken, sich selbst gegen alle Satzungen zu entmannen, offenbar in jugendlicher Schwärmerei. Noch andere wagen es in ihrem jugendlichen Übermute, wie solche, die das orthodoxe Lager verlassen, einen Anhang zu sammeln, ja sogar ohne Entscheidung eines allgemeinen Konzils diejenigen, welche von den Arianern zu ihnen übertreten, wieder zu taufen, während, wie gesagt, die Sache noch nicht durch eine Entscheidung eines Konzils beendet ist, deshalb, weil allerlei Volk bis zur Stunde durcheinandergewürfelt ist und viele orthodox sind, aber nicht offen und ehrlich mit den Priestern verbunden, bis die Ausscheidung solch gotteslästerlicher Spaltung erfolgt und dann auch gegen diese endgültig entschieden wird. Zu diesen eigenmächtigen Wiedertäufern zählt auch, wie ich eben vernehme, ein Priester in Lykien; doch gibt es auch andere, von denen jeder für sich seine Gebete verrichtet ohne alle Gebetsverbindung mit anderen; wieder andere legen sich Halsbinden [Kollare] um gegen das Gebot der Kirche. Deshalb habe ich am Schlusse der ganzen Abhandlung von "Mädchen ohne Zahl" gesprochen3 , welche nach eigenem Gutdünken wie unerfahrene Jungen sich benehmen, durchaus nicht zu ihrem Besten, um etwa die Form ihrer Weisheit oder ihrer Klugheit oder ihrer Stärke oder Gerechtigkeit und Mäßigkeit zu vollenden. Von diesen wenden sich nun wieder einige als halsstarrige Kinder von der Wahrheit ab, so daß sie wirklich zahllos sind.

Die "eine Taube" aber4 , die heilige Jungfrau, bekennt Gott den Vater und den Sohn und den Hl. Geist; als vollkommen den Vater, als vollkommen den Sohn, als vollkommen den Hl. Geist, eine wesensgleiche Dreifaltigkeit, aber so, daß der Sohn vom Vater in Wahrheit gezeugt ist und der Hl. Geist nicht wesensverschieden ist vom Vater und Sohn, daß mithin die Dreifaltigkeit immerfort ist und niemals einen Zuwachs annimmt und daß sie nichts von anderer Wesenheit in sich hat, sondern auf eine Einheit und auf ein Prinzip Gottes des Vaters zurückgeht. Von dieser Dreifaltigkeit: dem Vater, dem Sohne und dem Hl. Geiste, ist alles erschaffen worden, was einmal nicht war, auch nicht mit Gott verbunden war noch sonst früher existierte, da es ja aus dem Nichts durch den Vater und den Sohn und den Hl. Geist ins Dasein gekommen ist. Dieser Vater, Sohn und Hl. Geist hat sich gewürdigt, seinen Heiligen in Gesichten zu erscheinen, soweit es jeder fassen konnte nach der ihm von der Gottheit verliehenen Gnadengabe, welche sie jedem, der würdig befunden wurde, erteilte. So konnten sie den Vater schauen nach ihrem Vermögen und seine Stimme hören, insoweit er es zuließ. Wenn es bei Isaias heißt: "Siehe, Einsicht wird haben mein geliebter Sohn"5 , so sind das Worte des Vaters, und wenn es bei Daniel heißt: "Ich habe den Alten der Tage gesehen"6 , so war das ein Schauen des Vaters. Ebenso heißt es beim Propheten: "Ich habe die Gesichte vervielfältigt und habe Bilder gegeben in die Hände der Propheten"7 , und das sind Worte des Sohnes. Bei Ezechiel heißt es: "Und es erfaßte mich der Geist Gottes und brachte mich nach der Ebene"8 , und dies ist vom Hl. Geiste ausgesagt. Von der Art wäre noch viel zu sagen, wovon wir, uns nur an wenig im Vorübergehen erinnernd, zur Aufzeichnung des Wahrzeichens unserer Kirche die zwei Worte angeführt haben, während zahllose ähnliche Stellen in den heiligen Schriften des Alten und Neuen Testamentes sich finden. Unser Glaube lehrt ferner, daß Gott der Herr selbst den Leib Adams gebildet und ihm "den Atem des Lebens"9 eingehaucht hat, indem er ihm eine lebende Seele einschuf. Gott selbst, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist, die eine Gottheit hat ferner dem Moses das Gesetz gegeben. Die Propheten wurden von derselben Gottheit gesandt, und wir haben denselben Gott, den Gott der Juden und Christen, der jene Juden zur Gerechtigkeit berief, welche die Menschwerdung Jesu Christi nicht leugnen, und der alle erlöst, die nach seinem wahren Glauben leben und die Wahrheit seiner evangelischen Predigt nicht leugnen. Es kam nämlich, es kam der eingeborene Sohn Gottes, so bekennt es unsere Mutter, die Kirche, dieser ruhige Hafen des Friedens, die Wonne, die der "Cypertraube"10 gleich ihren Wohlgeruch verbreitet, welche "die Traube des Segens" uns bringt und den schmerzstillenden Trank täglich uns in Wahrheit reicht, nämlich das reine Blut Christi.

Ferner [ist es Glaube unserer Kirche], daß Christus wahrhaftig aus Maria, der immer Jungfräulichen, geboren worden ist, daß er durch den Hl. Geist und nicht aus dem Samen eines Mannes aus der heiligen Jungfrau wahrhaftig und wirklich und nicht zum Scheine seinen Leib angenommen hat, und zwar wahres Fleisch, einen wahren Leib mit Knochen und Sehnen und allem, was wir selbst an uns haben, in nichts von uns verschieden, außer der Glorie seiner Heiligkeit und Gottheit, und daß er, als ein Gefäß der Heiligkeit alles in vollkommenem Maße besitzend, dabei ohne Sünde ist. Er hat auch in Wahrheit eine menschliche Seele, ebenso einen menschlichen Geist [Nus]; nicht als behaupteten wir, daß der Geist eine Person sei, wie einige sagen. Er ist durch keine Sünde befleckt, sein Mund kennt keine Lüge, "seine Lippen haben nie Arglist gesprochen"11 , sein Herz hat nie einem Reize zur Sünde sich hingegeben, sein Geist wandte sich nie zu etwas Unerlaubtem, sein Fleisch hat nie dem Gelüste des Fleisches sich hingegeben. Als vollkommener Gott ist er nicht vom Himmel gekommen, um in einem Menschen zu wohnen, sondern er ist selbst Mensch geworden, ohne die Natur zu verändern, indem er zugleich zur Gottheit die Menschheit dazu annahm. Er ist in Wahrheit im Schoße der Jungfrau geboren, die bestimmte Zeit hindurch getragen worden und auf dem gewöhnlichen Geburtswege zur Welt gekommen, ohne Schande, unbefleckt und ohne Verderben. Er ward auferzogen und von Simeon und Anna auf die Arme genommen, er wurde von Maria getragen, ist später selbst gewandelt und hat Reisen gemacht, er ward ein Knabe und erstarkte zum Jünglinge. Er war im vollkommenen Besitze alles dessen, was zur menschlichen Natur gehört, er ward geschätzt nach der Anzahl seiner Jahre, verlebte die bestimmte Monatszahl im Mutterleibe, ist "geworden aus dem Weibe, geworden unter dem Gesetze"12 . Er kam an den Jordan und wurde von Johannes getauft, ohne indes einer Läuterung zu bedürfen, sondern nur, um als Folge seiner unter dem Gesetze geschehenen Menschwerdung die Gerechtigkeit nicht zu verletzen, "damit erfüllt würde", wie er selbst sagt, "alle Gerechtigkeit"13 , und um zu zeigen, daß er ein wahres Fleisch angenommen und eine wahre menschliche Natur. Er stieg also ins Wasser hinab, jedoch so, daß er mehr gab als er empfing, eher schenkte als bedürftig war. Er hat ja jenes Wasser erleuchtet, indem er die Kraft hineinlegte, ein Vorbild dessen zu sein, was er erfüllte, daß nämlich alle, die in Wahrheit an ihn glauben und den Glauben an die Wahrheit haben, erkennen, er sei wahrhaft Mensch geworden und wahrhaft getauft worden; auf daß auch sie in seinem Sinne zum Wasser hinzukommen und die durch sein Hinabsteigen dem Wasser verliehene Kraft empfingen und von seinem Lichte erleuchtet würden, erfüllend das Wort des Propheten: "Zur Änderung der Kraft, zur Gewährung des Heiles durch die Kraft des Brotes, die es von Jerusalem erhält, und durch die Kraft des Wassers."

Darin liegt nämlich das Eigentümliche dieser in Christus gewordenen Kraft des Brotes und der Kraft des Wassers, daß nicht das Brot an sich die Kraft für uns ist, sondern die Kraft, die im Brote wohnt, und daß uns das Brot zur Speise dient, die Kraft aber, die darin liegt, zum Leben, und daß ferner nicht das Wasser allein uns reinigt, sondern daß in der Kraft des Wassers durch den Glauben und den Wandel und die Hoffnung und die Vollendung des Geheimnisses und die Aussprechung der Weihe uns die Fülle des Heiles zuteil wird. Als nun Christus aus dem Jordan stieg, hörte er die Stimme seines Vaters, die auch von seinen gegenwärtigen Jüngern gehört wurde, um anzuzeigen, wer derjenige sei, für den sie Zeugnis gibt. Der Hl. Geist stieg in Gestalt einer Taube über ihn herab, in eigener Gestalt erscheinend, damit nicht, wie wir bei vielen Häresien schon erwähnt haben14 , die Dreiheit für zusammengeschmolzen gelte. Er ließ sich über ihn nieder und stieg auf ihn herab, damit klar werde, wem das Zeugnis gelte, und damit sein heiliger Leib als von Gott geliebt und ihm wohlgefällig vom Vater sowohl als auch vom Hl. Geiste dargestellt würde, damit ferner der Vater sein Wohlgefallen ausdrücke und der Verkünder der leibhaftigen Menschwerdung seines Sohnes werde und damit endlich der Sohn als wahrhaft erscheine und jenes Wort des Propheten, in Erfüllung bringe: "Und hierauf erschien er auf Erden und wandelte unter den Menschen"15 . Nachdem er vom Jordan sich entfernt, ward er wahrhaft und wirklich vom Teufel in der Wüste versucht und hungerte hierauf wegen der Konsequenz und Wahrhaftigkeit seiner Erscheinung im Fleische. Hierauf wählte er sich Jünger aus, predigte die Wahrheit, heilte die Krankheiten, schlief, hungerte, ging herum, wirkte Wunder, erweckte Tote, gab den Blinden das Gesicht, stärkte die Lahmen und Gichtbrüchigen; er predigte das Evangelium, die Wahrheit und das Himmelreich, seine, des Vaters und des Hl. Geistes Liebe zu den Menschen. Ferner hat Christus in Wahrheit für uns dem Leiden sich unterzogen an seinem Fleische, an seiner vollkommenen menschlichen Natur, indem er am Kreuze wahrhaft litt, so zwar, daß die Gottheit in ihm blieb, aber nicht ins Leiden einging, da sie ja leidensunfähig und unveränderlich ist. So nämlich sind diese beiden Momente entsprechend festzuhalten, daß Christus für uns mit seinem Leibe gelitten hat, daß er aber leidensunfähig blieb in seiner Gottheit, nicht als ob seine Menschheit für sich existiert hätte, sondern so, daß die Gottheit mit ihr verbunden war, ohne daß diese aber litt, weil ihre Natur ja unversehrt und unvergleichbar war. Christus litt also in seinem Fleisch und starb in demselben, während er in seiner Gottheit immerfort lebte und die Toten erweckte. Sein Leib ward begraben und blieb drei Tage ohne Seele, ohne Geist, ohne Bewegung, eingehüllt in ein Leichentuch, hineingelegt in ein Grabmal, eingeschlossen durch einen Stein und das Siegel der Wächter. Doch die Gottheit wurde nicht miteingeschlossen und auch nicht begraben, sondern diese stieg mit der heiligen Seele in die Unterwelt und hob dort die Gefangenschaft der Seelen auf, "nahm dem Tode seinen Stachel"16 , "zerbrach seine harten Ketten und Riegel"17 und hob in eigener Machtvollkommenheit die Schmerzen des Todes auf, stieg dann mit der Seele wieder empor, da ja "die Seele nicht in der Unterwelt blieb und sein Fleisch nicht die Verwesung schaute"18 , auferweckt von der Gottheit, die immer mit ihr verbunden blieb. Nachdem nun der Herr und Gott, das Wort, der Sohn Gottes, mit der Seele und dem Leibe und der ganzen Erdenform auferstanden war, wobei eben diese Erdenform gleichsam durchgeistigt wurde, blieb dieser vergeistigte Leib, der früher berührt werden konnte und nach dem Willen seiner Gottheit den Geißelhieben preisgegeben war, vom Teufel sich versuchen ließ und dem Hunger, dem Schlafe und der Arbeit, der Trauer und Angst sich hingab; eben dieser heilige Leib blieb also für die Zukunft mit der Gottheit verbunden, da die Gottheit ohne Aufhören mit diesem heiligen Leibe, der solches gelitten hatte, vereint blieb. Er stand nämlich von den Toten auf und nahm seinen Leib wieder an sich zu seiner Seele, zur Wesenseinheit, zu einer Glorie, zur einen Gottheit; denn er erschien in Wahrheit, wurde von Thomas berührt, aß mit den Aposteln und verweilte mit ihnen durch vierzig Tage und vierzig Nächte. Er erschien ferner bei verschlossenen Türen, und nachdem er eingetreten, zeigte er ihnen Sehnen und Knochen, das Mal der Nägel und der Lanze, daß es also in Wahrheit sein Körper sei, daß er aber denselben mit seiner göttlichen Natur verbunden hatte, so daß er nicht mehr des Leidens oder Sterbens gewärtig sein konnte, wie dies der heilige Apostel sagt: "Der Herr ist auferstanden und stirbt nicht mehr, der Tod hat keine Gewalt mehr über ihn"19 . Das Leidensfähige war für immer leidlos geworden, das Göttliche verbunden mit Leib und Seele und der ganzen Menschheit.

Als Gott "fuhr er in den Himmel auf und sitzt zur Rechten des Vaters in der Herrlichkeit"20 , ohne seinen heiligen Körper abzulegen, sondern er vereinigt und vergeistigt ihn in der Vollkommenheit der einen Gottheit, wie ja auch "unser Leib, jetzt gesäet als ein tierischer, auferweckt wird in Unverweslichkeit, jetzt gesäet im Tode, auferweckt wird in Unsterblichkeit"21 . Wenn es sich nun mit unserm Leibe so verhält, um wieviel mehr mit jenem heiligen, unbeschreiblichen, unvergleichlichen und unversehrten Leibe, der mit der Gottheit verbunden ist, der einzig und einfach in alle Zukunft fortbesteht! Auch dies bezeugt der Apostel mit den Worten: "Wenn wir auch Christum erkannt haben dem Fleische nach, erkennen wir ihn doch jetzt nicht mehr"22 , nicht weil er sein Fleisch von der Gottheit getrennt hat, sondern weil er bleibt und mit der Gottheit verbunden ist, allerdings nicht mehr nach der Ordnung des Fleisches, sondern nach der Ordnung des Geistes der Heiligung aus der Auferstehung unseres Herrn Jesu Christi von den Toten. So [stellt ihn also die Kirche zu glauben vor,] zugleich Mensch und Gott23 , der zugleich leidlos ist und doch gelitten hat, begraben wurde, auferstanden und in den Himmel aufgefahren ist, der in Herrlichkeit kommen wird, zu richten die Lebendigen und die Toten, und "dessen Reiches kein Ende sein wird"24 .

Auch dies glaubt unsere heilige Kirche, wie es ihr in Wahrheit verkündigt und aufgetragen worden ist, daß wir alle sterben und auferstehen werden mit diesem Leibe, mit dieser Seele, mit allem, was zu unserer menschlichen Natur gehört, "damit jeder empfange nach seinen Werken"25 . Daß eine Auferstehung der Toten, eine ewige Gerechtigkeit, ein Himmelreich und eine Ruhe für die Gerechten, ein Erbe der Gläubigen und eine selige Vereinigung mit den Engeln in Wahrheit bereitet ist denen, welche Glauben, Reinheit, Hoffnung und die Gebote des Herrn gehalten haben, das ist wahr, ist verkündigt worden und ist sichergestellt und wird geglaubt: daß nämlich "die einen auferstehen werden zum ewigen Leben und die anderen zur ewigen Verdammnis26 , wie es im Evangelium geschrieben steht. Denn alles, was der Apostel und die ganze Hl. Schrift sagt, ist Wahrheit, wenn es auch von Ungläubigen und Übeldenkenden anders aufgefaßt wird. Dies ist unser Glaube, dies unsere Ehre, dies unsere Mutter, die Kirche, die durch den Glauben beseligt und durch die Hoffnung und die Liebe zu Christus gestärkt wird und zur Vollkommenheit gelangt in diesem Bekenntnisse, in ihren Geheimnissen, in des Taufbades reinigender Kraft. "Gehet hin", heißt es, "und taufet im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes"27 , auf den Namen der göttlichen Dreifaltigkeit, in welchem Namen keine Verschiedenheit enthalten ist und derselbe Gott ist ja im Gesetze und in den Propheten, im Evangelium und in den Aposteln, im Alten und im Neuen Bunde verkündigt, gepredigt und geglaubt worden, der Vater, der Sohn und der Hl. Geist; dabei ist die Gottheit keine durch Verschmelzung entstandene Einheit, sondern eine wesentlich vollkommene Dreiheit; vollkommen ist der Vater, vollkommen der Sohn, vollkommen der Hl Geist, eine Gottheit, ein Gott welchem Ruhm und Ehre und Macht ist jetzt und alle Zeit und in alle Ewigkeit. Amen.

1: καὶ τοῦτο ἠρνοῦντο ziehen wir unter Weglassung des δὲ aus dem Ende des vorigen an den Anfang dieses Satzes.
2: Die nun folgende Abhandlung ist fast wörtlich aus der expositio fidei Abs. 13—18 herübergenommen. [W.].
3: Migne gr. 877 A : διόπερ ἐπὶ τέλει παντὸς τοῦ λόγου νεάνιδας ἔφην, μὴ ἐχούσας ἀριθμόν. Wörtlich aus dem Panarium. ,,Aber die ganze Auseinandersetzung über die 80 παλλακαὶ καὶ νεάνιδες ὧν οὐκ ἔστιν ἀριθμός ist in die A. gar nicht aufgenommen worden." [Holl. T. ü. 36. 2 S. 98.].
4: Zu dem Gegensatze vgl. Hohel. 6, 7 f.
5: Is. 52, 13.
6: Dan. 7, 9.
7: OS. 12, 10.
8: Ezech. 3, 12. 22.
9: Gen. 2, 7.
10: Hohel. 1, 13. Cypertraube [hebr. Kophertraube] ist die schöne, gelblichweiße, wohlriechende Blütentraube des Strauches Lawsonia inermis [Linn.], bei den Arabern [Alhenna]. [W.].
11: 1 Petr. 2, 22.
12: Gal. 4, 4.
13: Matth. 3, 15.
14: καθάπερ ἐν πολλαῖς εἰρήκαμεν αἱρέσεσιν. Der ganze Passus ist wörtlich aus P. "Der Zwischensatz καθάπερ ... ist jedoch in der A. völlig unangebracht; denn dort ist dieser Gegenstand überhaupt noch nie vorgekommen, während er im Panarion allerdings bis zum Überdruß häufig behandelt worden ist." Ähnlich wie S. 278 sieht Holl T. U. 36. 2 S. 98 auoh hier ein Argument gegen die Autorschaft des E. Indessen könnten die beiden Wendungen mit ἔφην und εἰρήκαμεν auch als Hinweis auf die entsprechende Stelle des Panarion verstanden werden.
15: Bar. 3, 38.
16: 1 Kor. 15, 55.
17: Ps. 106, 16.
18: Ps. 16, 10 und Apg. 2, 27.
19: Röm. 6, 9.
20: Ebd. 8, 34.
21: 1 Kor. 16, 42. 43. 44.
22: 2 Kor. 5, 16.
23: Der Text ist hier unsicher.
24: Luk. 1, 33.
25: 2 Kor. 5, 10.
26: Joh. 5, 29.
27: Matth. 28, 19.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Allgemeine Einleitung
Vorbemerkung

Navigation
. . Einleitung
. . Häresien des ersten ...
. . Häresien des zweiten ...
. . Häresien des dritten ...
. . Häresien des ersten ...
. . Häresien des zweiten ...
. . Häresien des ersten ...
. . Häresien des zweiten ...

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger