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Epiphanius v. Salamis († 403) - Anakephalaiosis (Auszug aus dem Panarion)

Häresien des ersten Abschnittes vom dritten Buche.

In dem ersten Abschnitte des dritten Buches oder dem sechsten Abschnitte nach der Gesamtzählung kommen folgende sieben Häresien und Schismen vor:

70. Die Audianer bilden in Wirklichkeit keine Häresie, sondern sind Losgetrennte und Schismatiker. Sie haben eine wohlgeordnete Lebensweise und sind, was den Glauben anbelangt, durchaus mit der Kirche gläubig. Sie leben großenteils in Klöstern und besitzen große Mengen apokrypher Bücher. Sie stehen in keiner Gebetsgemeinschaft mit uns, tadeln unsere Bischöfe und nennen sie "reiche" und anderswie. Auch das Pascha feiern sie besonders, und zwar zu derselben Zeit wie die Juden. Eine Eigenheit, auf der sie hartnäckig bestehen, ist bei ihnen eine möglichst schroffe Auslegung der Stelle "nach dem Bilde"1 .

71. Die Photinianer. Dieser Pholinus stammte aus Sirmium und lebte bis in unsere Zeit. Er lehrte ähnlich wie Paul von Samosata. Er meint auch, Christus habe aus Maria seinen Anfang genommen.

72. Die Markellianer. Urheber derselben war Markellus, Bischof von Ankyra in Galatien. Dieser wurde anfangs sabellianischer Lehre beschuldigt, und obwohl er sich oft rechtfertigte und auch eine schriftliche Apologie verfaßte2 , so wurde er doch von vielen als Anhänger derselben verdächtigt. Vielleicht hat sich aber er oder seine Schüler eines Besseren besonnen und sich geändert, denn für ihn und seine Schüler treten einige Orthodoxe in die Schranken.

73. Die Semiarianer bekennen Christum, gebrauchen aber die schillernde Wendung: er sei ein Geschöpf, nicht so wie eines der Geschöpfe; vielmehr, sagen sie, nennen wir ihn Sohn; aber damit ja durch den Begriff der Zeugung dem Vater nicht eine Veränderung oder ein Affekt beigelegt werde, nennen wir ihn Kreatur. Auch den Hl. Geist halten sie ganz und gar für ein Geschöpf. Indem sie betreffs des Sohnes das Wort homousios, d. i. gleichwesentlich, verwerfen, bezeichnen sie ihn mit homoiusios, das ist von ähnlichem Wesen. Ein Teil dieser Irrlehrer hat aber auch die Bezeichnung "homoiusios" verworfen.

74. Die Pneumatomachen. Die Pneumatomachen haben zwar über Christus die rechte Lehre3 , denken aber gotteslästerlich über den Hl. Geist, den sie für ein Geschöpf halten und der göttlichen Natur nicht teilhaft sein lassen; vielmehr lassen sie ihn in mißbräuchlichster Wortklauberei seiner eigenen Wirksamkeit gemäß geschaffen sein, indem er ja nur eine heiligende Kraft sei.

75. Die Aerianer. Aerius stammt aus Pontus und lebt zum Unheil für die Welt bis auf diesen Tag. Er war früher Presbyter des Bischofs Eustathius, welcher des Arianismus beschuldigt und abgesetzt worden ist. Da nun Aerius nicht Bischof wurde an Stelle des Eustathius, so begann er in vielen Lehrstücken gegen die katholische Kirche aufzutreten. Was nun den Glauben anbelangt, ist er Arianer, nur daß er noch weiter geht. Er verwirft die Totenopfer, verbietet Mittwoch und Freitag sowie in der Quadragesimalzeit zu fasten und feiert das Pascha nicht. Er predigt unbedingte Entsagung, läßt aber den Fleischgenuß und kostbare Mahlzeiten ungeniert zu. Wenn einer seiner Jünger schon fasten will, so soll er das nicht an bestimmt fixierten Tagen tun, sondern wann es ihm gerade beliebt. Der Bischof unterscheidet sich in nichts vom Presbyter.

76. Die Aetianer. Stifter dieser Sekte ist ein gewisser Aetius, ein Kiliker, welcher von Georg, dem arianischen Bischofe zu Alexandrien, zum Diakon erhoben worden ist. Man nennt diese Sektierer auch Anomäer oder Eunomianer nach einem gewissen Eunomius, der ein Schüler des Aetius war und noch am Leben ist. Mit dieser Sekte hielt es auch der arianisierende Eudoxius; aber aus Furcht vor Konstantius hat er sich von ihr getrennt, und es wurde nur Aetius verbannt. Eudoxius blieb nämlich zwar arianisch gesinnt, schloß sich aber keineswegs an Aetius an. Es lehren nun die Anomöer oder Aetianer, daß Christus und der Hl. Geist von Gott ganz und gar verschieden seien; indem nämlich diese beiden geschaffen seien, hätten sie gar keine Ähnlichkeit mit Gott. Durch gewisse aristotelische und geometrische Syllogismen suchen sie darzutun, daß Gott Vater sei und daß Christus wegen dieser Relation gar nicht aus Gott sein könne. Seine Anhänger, die Eunomianer, wiedertaufen alle jene, welche ihnen beitreten wollen, Katholiken wie Arianer, und zwar in der Weise, daß sie die Füße der Täuflinge nach aufwärts wenden und sie auf dem Haupte taufen, wie wenigstens das Gerücht geht. Fällt einer in Unzucht oder in eine andere Sünde, so sagen sie, das mache nichts. Gott kümmere sich ja sonst um nichts, als daß man den Glauben, den sie predigen, bewahre.

Soviel der Häresien des ersten Abschnittes vom dritten Buche, welcher in der Gesamtzahl der sechste ist.

1: Gemeint ist Gen. 1, 26 ; nach Haer. 70, 2 bezog Audius die Gottebenbildlichkeit speziell auf den Leib.
2: Als er 336 von dem arianischen Konzil zu Konstantinopel verdammt wurde, schickte er in einem Briefe sein Glaubensbekenntnis an Papst Julius, welches uns Epiphanius haer. 72, n. 2. 3. aufbewahrt hat. [W.].
3: Man könnte wohl diese Behauptung nicht so unbedingt unterschreiben, indem die Pneumatomachen nach Sokrates [h. e. lib. 2, c. 45] und Sozomenus [1. 4, c. 27] größtenteils Semiarianer waren. [W.].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger