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Epiphanius v. Salamis († 403) - Anakephalaiosis (Auszug aus dem Panarion)

Häresien des zweiten Abschnittes vom ersten Buche.

21. Im zweiten Abschnitte des ersten Buches werden dreizehn Sekten erklärt. Die erste davon ist die des Simon Magus, welcher unmittelbar nach Christus noch zu den Zeiten der Apostel auftauchte. Seine Anhänger heißen nach ihm Simonianer. Er war aus einem Dorfe Samariens, Gitthis, geboren und nur dem Namen nach ein Schüler Christi. Er lehrte schändliches Treiben und predigte freie Liebe. Er leugnete die Auferstehung der Leiber und die Erschaffung der Welt durch Gott. Sein und seiner Dirne Helena Bild gab er als Darstellung des Zeus und der Athene seinen Jüngern zur Anbetung. Bei den Samaritern gab er sich für Gott Vater aus; zu den Juden sagte er, er sei der Christus.

22. Die Menandriner leiteten ihren Ursprung ab von einem gewissen Menander, der sich in einigen Dingen von den Simonianern unterschied, die Welt aber ebenfalls von den Engeln hervorgebracht werden ließ.

23. Die Saturnilianer in Syrien haben die Schändlichkeiten der Simonianer noch übertroffen, so wie sie auch zur Lehre derselben einiges hinzugefügt haben, um desto mehr Staunen und Bewunderung zu erregen. Ihr Stifter ist Saturnilus, welcher ebenso wie Menander Engel zu Weltschöpfern macht, und zwar nur sieben, welche selbst gegen den Willen des obersten Vaters die Schöpfung unternommen hätten.

24. Die Basilidianer, den früheren Sekten ebenbürtig in ihren Schandtaten, leiten ihren Ursprung von Basilides ab, welcher mit Saturnilus, den Simonianern und Menandrinern sich ausbildete, und wenn auch im großen ganzen die gleichen, doch auch einzelne abweichende Lehren vertritt. So lehrt er, daß es dreihundertfünfundsechzig Himmel gebe, welchen er Namen von Engeln beilegt, und meint, daß deshalb das Jahr aus ebensovielen Tagen bestehe. Er behauptet ferner, daß Abrasax der Name für den Zahlbegriff dreihundertfünfundsechzig sei und hält dieses Wort für ein heiliges.

24. Die Nikolaiten leiten sich von jenem Nikolaus ab, der von den Aposteln auch mit zum Witwendienst war aufgestellt worden. Aus Eifersucht gegenüber seiner Frau wies er seine Schüler an, mit anderen ihren Lüsten zu frönen. Auch die Worte Kaulakaak und Prunikus1 und andere dergleichen barbarische Bezeichnungen hat er eingeführt.

25. Die Gnostiker, welche nach allen diesen Sekten kamen, übertrafen dieselben auch bei weitem an Schändlichkeit und Raserei. In Ägypten heißen sie Stratiatiker und Phibioniten, in den oberen Gegenden auch Sekundianer und anderswo Sokratiten und auch Zakchäer. Einige nennen sie Kodianer, wieder andere Borboriten.

26. Die Karpokratianer haben ihren Namen von dem Asiaten Karpokrates, welcher seine Schüler in jeder Art von Laster und Sünde unterrichtete. Wenn einer, so behauptet er, nicht alles durchgemacht hat und nicht den Willen aller Dämonen und Engel erfüllt hat, so kann er nicht in den Himmel auffahren und nicht zu den Fürstentümern und Mächten gelangen. Er behauptet ferner, Jesus habe eine vernünftige Seele angenommen, und da er das Himmlische und das Irdische wohl wußte habe er es den Menschen mitgeteilt. Wenn nun jemand eben dasselbe wie Jesus täte, so würde er ihm an nichts nachstehen. Das Gesetz sowie die Auferstehung der Toten verwarf er wie die Simonianer und die übrigen, die ich bis jetzt aufgezählt habe. Zu dieser Sippe gehörte auch jene Markellina zu Rom. Insgeheim machte er auch Abbildungen von Jesus und Paulus sowie von Homer und Pythagoras, streute ihnen Weihrauch und betete sie an.

28. Die Kerinthianer und Merinthianer2 , nach Kerinth und Merinth so genannt, waren jüdische Sekten, welche die Beschneidung beibehielten. Die Welt ist nach ihrer Meinung von den Engeln erschaffen worden; Jesus heiße Christus auf Grund seines Tugendfortschrittes3 .

29. Die Nazoräer4 bekannten zwar Jesus als den Sohn Gottes, lebten aber sonst ganz nach dem jüdischen Gesetze.

30. Den Kerinthianern und Merinthianern ganz ähnlich sind die Ebioniten, mit welchen in einigen Stücken auch die Häresie der Sampsäer und Elkesäer übereinstimmt. Sie behaupten, Christus sei im Himmel erschaffen worden und ebenso der Hl. Geist. Er habe zuerst Adam innegewohnt und zu gewissen Zeiten diesen Adam angezogen und wieder ausgezogen. Und zwar habe er das getan, als er im Fleische erschien. Obgleich sie Juden sind, gebrauchen sie doch das Evangelium. Sie enthalten sich vom Fleischgenusse, das Wasser halten sie für Gott. Christus hat, wie ich schon bemerkt, bei seiner Ankunft auf Erden nur einen Menschen angezogen. Endlich nehmen sie Sommer und Winter, um sich zu heiligen, wie das auch die Samariten tun, rituelle Waschungen vor.

31. Die Valentinianer leugnen die Auferstehung des Fleisches. Sie verwerfen das Alte Testament und die Propheten, lesen sie aber doch und nehmen auch das an, was sich bildlich und figürlich etwa für ihre Häresie verwenden läßt. Sie fügen aber gewisse Fabeln bei und haben Benennungen von dreißig Äonen beiderlei Geschlechts erdichtet. Diese Äonen sollen vom Altvater und Schöpfer gezeugt worden sein; sie halten dieselben für Götter und für Äonen. Christus hat seinen Leib vom Himmel gebracht und ist durch Maria wie durch einen Kanal hindurchgezogen.

32. Die Sekundianer, an die sich Epiphanius und Isidorus anschließen, indem ja auch diese das gleiche System haben, stimmen im allgemeinen mit Valentin überein, haben aber doch auch manche besondere Meinung. Die Ihrigen leiten sie zu schändlichen Wollüsten an. Auch leugnen sie die Menschwerdung.

33. Die Ptolemäer, ebenfalls Schüler des Valentinus, zu denen auch Flora gehört, lehren dasselbe über die Äonenpaare wie die Valentinianer und Sekundianer. Jedoch in einigen Dingen unterscheiden sie sich von diesen.

Das der Inhalt des zweiten Abschnittes vom ersten Buche, welcher dreizehn Häresien umfaßt.

1: Kaulakaak und Prunikos wurden von den Nikolaiten als Himmelsfürsten verehrt. Hieronymus bemerkt dazu : Hisce verbis abuti solet immundissima haeresis apud simplices quosque atque deceptos ut terrorem faciat novitate sermonum ; quod scilicet qui haec verba cognoverit et in coitu eorum meminerit absque ulla dubitatione transeat ad regna coelorum. [W.].
2: Epiphanius zweifelt selbst [haer. 27, n. 8], ob Merinthos nur ein anderer Name für Kerinthos sei oder eine andere Persönlichkeit.
3: Zur προκοπή vgl. "Festgeankerter" c. 93.
4: Augustinus sagt [lib. 1 contra Cresc. c. 31]: Nazaraei Christiano se nomine venditabant; fuisse vero qui Judaismo praecipuam quandam eodem nomine sectam constituerent, ab uno Epiphanio didicimus. [W.] Diese jüdische Nazoräersekte ist ein Mißverständnis ihres einzigen Zeugen.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger