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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
[Vierte] Rede gegen die Arianer

3.

Und wiederum ist Christus Gottes Wort. Ist er nun aus sich selbst entstanden und, da er schon existierte, mit dem Vater vereinigt worden, oder hat ihn Gott gemacht und ihn sein Wort genannt? Wenn nun das erste der Fall ist, ich meine, wenn er für sich selbst bestand und Gott ist, so gibt es wohl zwei Prinzipe; aber er wird natürlich auch dem Vater nicht eigen sein, weil er nicht dem Vater selbst, sondern sich selbst angehört. Ist er aber von außen gemacht worden, so ist [S. 348] er wohl ein Geschöpf. Es bleibt also nur noch übrig, zu sagen, er sei aus Gott selbst. Ist aber das der Fall, so ist wohl etwas anderes das, was aus etwas stammt, und etwas anderes das, woraus es stammt. Sonach sind es also zwei. Sollten es aber nicht zwei sein, und sollte es von einem und demselben Ding ausgesagt sein, so wird das nämliche Grund und Begründetes, Gezeugtes und Zeugendes sein, eine Ungereimtheit, die wir dem Sabellius nachgewiesen haben1. Ist es aber aus ihm, ohne etwas anderes zu sein, so wird er zeugend und nicht zeugend sein, zeugend, weil es aus ihm hervorbringt, nicht zeugend aber, weil es nichts anderes als es selbst ist2. Ist dem aber so, so würde dem Gedanken nach derselbe Vater und Sohn genannt. Wenn es aber so ungeziemend ist, so sind wohl zwei, Vater und Sohn, aber Eins, weil der Sohn nicht von außen, sondern aus Gott gezeugt ist. Wenn aber jemand Anstand nimmt, ihn eine Zeugung zu nennen, und bloß sagt, daß das Wort mit Gott bestehe, so möge ein solcher sich in acht nehmen, daß er nicht, indem er die Worte der Schrift beanstandet, in eine Ungereimtheit falle und irgendwie einen zweigestaltigen Gott aufstelle. Denn indem er nicht zugibt, daß das Wort aus der Einheit, sondern bloß, daß das Wort mit dem Vater verbunden sei, stellt er eine Zweiheit der Substanz auf, wobei keine Vater der andern ist. Das nämliche gilt auch von der Kraft. Deutlicher kann man das sehen, wenn man auf den Vater schaut. Den Einen Vater gibt es, nicht zwei, aber aus dem Einen ist der Sohn. Wie es also nicht zwei Väter gibt, sondern Einen, so nicht zwei Prinzipe, sondern Eines, und aus dem Einen ist der Sohn wesenhaft. Die Arianer muß man nun aber umgekehrt fragen. Denn die Sabellianisierenden muß man aus dem Begriff "Sohn"3, die Arianer aber aus dem Begriff "Vater" widerlegen.

1: Im vorausgehenden Kapitel. Diese Notiz setzt darum nicht, wie schon behauptet wurde, eine längere Auseinandersetzung des Autors der vierten Rede mit Sabellius voraus.
2: Weil es also doch wieder nichts Neues hervorbringt.
3: Weil ihnen der Sohn als identisch mit dem Vater galt.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger