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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

10.

Aber auch hiergegen versuchen sie wieder mit ihren Erfindungen anzukämpfen und zu behaupten, Sohn und Vater seien Eins und ähnlich, nicht so, wie die Kirche lehrt, sondern in ihrem Sinne. Sie sagen nämlich: Weil das, was der Vater will, auch der Sohn will, und er weder in den Gedanken noch in den Urteilen widerspricht, sondern in allem mit ihm übereinstimmt, indem er die Identität der Lehren wahrt und in vollem Einklang mit der Unterweisung des Vaters redet und lehrt, darum sind er und der Vater Eins. Das haben nämlich einige von ihnen nicht bloß zu behaupten, sondern sogar zu schreiben sich vermessen. Könnte man aber noch etwas Ungereimteres und Unvernünftigeres behaupten als dieses? Denn wenn deshalb Sohn und Vater Eins sind und das Wort dem Vater in dieser Weise ähnlich ist, dann müssen auch die Engel und die andern uns überragenden Wesen, Mächte und Gewalten, Throne und Herrschaften und die sichtbaren Dinge, Sonne, Mond und Sterne gleichfalls Söhne sein wie der Sohn. Und auch von diesen gilt, daß sie und der Vater Eins sind und daß jedes Wesen Bild und Wort Gottes ist. Denn was Gott will, das wollen auch sie. Und sie stehen weder in ihren Urteilen noch in ihren Lehren mit ihm in Widerspruch, sondern sie sind in allem ihrem Schöpfer Untertan. Sie wären ja in ihrer Herrlichkeit nicht verblieben, wenn nicht auch sie das gewollt hätten, was der Vater wollte. Denn wer nicht beharrte, sondern eine verkehrte Gesinnung annahm, bekam zu hören: "Wie ist Luzifer vom Himmel gefallen, der früh [S. 256] aufging"1. Wenn nun diese sich so verhalten, wie ist dann dieser allein eingeborener Sohn und Wort und Weisheit? Oder wenn so viele dem Vater ähnlich sind, wie ist dann dieser allein Bild? Denn auch unter den Menschen werden sich viele finden, die dem Vater ähnlich sind, sehr viele, die Märtyrer geworden sind, und vor ihnen die Apostel und Propheten und vor diesen wieder die Patriarchen. Viele beobachten auch jetzt das Gebot des Heilandes, die barmherzig sind, wie der Vater in den Himmeln2, und die Meinung befolgen: "Seid also Nachahmer Gottes als geliebte Kinder und wandelt in Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat"3. Viele sind auch Nachahmer des Paulus geworden, wie Er Christi Nachahmer; und gleichwohl ist keiner von diesen Wort, noch Weisheit, noch eingeborener Sohn, noch Bild. Und es wagte auch keiner von ihnen zu sagen: "Ich und der Vater sind Eins" oder: "Ich im Vater und der Vater in mir". Vielmehr gilt allen das Wort: "Wer ist Dir unter den Göttern ähnlich, o Herr?"4 und; "Wer wird dem Herrn unter den Söhnen ähnlich sein?"5 Von ihm aber heißt es, er allein sei wahres und naturhaftes Bild des Vaters. Denn wenn wir auch nach dem Bilde geworden sind und Bild und Ehre Gottes heißen6, so haben wir ja wieder nicht unsertwegen, sondern dank der Einwohnung des Bildes und der wahren Herrlichkeit Gottes in uns, die ja sein später unsertwegen fleischgewordenes Wort ist, diese Gnade der Berufung.

1: Is. 14,12.
2: Luk. 6,36.
3: Ephes. 5,1.2.
4: Ps. 85,8.
5: Ps. 88,7.
6: 1 Kor. 11,7.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger