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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

9.

Wenn also auch der Vater allein wahrer Gott genannt wird, so ist das nicht zur Beseitigung dessen gesagt, der spricht: "Ich bin die Wahrheit"1, sondern wieder nur zur Aufhebung derer, die nicht von Natur wahre Götter sind wie der Vater und dessen Wort. So hat denn auch der Herr alsbald hinzugefügt: "Und den Du gesandt hast, Jesum Christum"2. Wenn er aber ein Geschöpf wäre, so hätte er nicht seinem Schöpfer sich zugesellt und zugezählt. Denn welche Gemeinschaft besteht zwischen dem Wahren und Nichtwahren? Nun [S. 254] er sich aber mit dem Vater verband, hat er gezeigt, daß er zur Natur des Vaters gehört, und uns zu erkennen gegeben, daß er wahre Zeugung des wahren Vaters ist. So hatte auch Johannes gelernt und gelehrt, wenn er in seinem Briefe schreibt: "Und wir sind im wahren, in seinem Sohne Jesus Christus. Dies ist aber der wahre Gott und ewiges Leben"3. Und da der Prophet von der Schöpfung sagt: "Der allein den Himmel ausgespannt hat"4, und Gott: "Ich habe allein den Himmel ausgespannt"5, so ist jedermann offenbar, daß in dem Einen auch das Wort des Einen angezeigt wird, in dem alles entstand und ohne das nichts wurde. Wenn also alles durch das Wort entstanden ist, und wenn Gott sagt: "Ich allein", in dem Einen aber auch der Sohn inbegriffen ist, durch den der Himmel geworden, so wird also auch, wenn es heißt: "Ein Gott" und: "Ich allein" und: "Ich der Erste", in dem Einen, Alleinigen und Ersten das Wort eingeschlossen gedacht wie der Abglanz im Lichte. Dies kann man aber von keinem andern als nur vom Worte annehmen. Denn alles andere trat aus dem Nichtseienden durch den Sohn ins Dasein und steht seiner Natur nach im großen Abstand [von Gott]. Der Sohn aber ist naturhafte und wahre Zeugung aus dem Vater. Darum verrät die Stelle: "Ich der Erste", welche die Unverständigen zur Verteidigung ihrer Häresie vorbringen zu können glaubten, vielmehr ihre Bosheit Es sagt Gott: "Ich bin der Erste und ich bin hernach". Wenn er nun den späteren Dingen zugezählt und als deren erster bezeichnet wird, damit sie doch noch später wären als er, dann wird nach eurer Ansicht auch Er den Geschöpfen nur der Zeit nach vorangehen6; doch schon das geht über alle Gottlosigkeit. Wenn er aber zum Beweis dafür, daß er nicht aus irgendeinem stamme noch auch jemand vor ihm [S. 255] existiere, sondern daß er Anfang und Ursache von allem sei und zur Widerlegung der heidnischen Fabeln gesagt hat: "Ich der Erste", so heißt offenbar auch der Sohn, wenn er Erstgeborener genannt wird, nicht deshalb Erstgeborener, weil er zur Schöpfung gezählt wird, sondern um die Erschaffung und Adoption aller durch den Sohn anzuzeigen. Denn wie der Vater Erster ist, so ist auch Er Erster, insofern er Bild des Ersten und der Erste in ihm ist und er Zeugung aus dem Vater ist, und in ihm wird die ganze Schöpfung geschaffen und zum Sohne gemacht.

1: Joh. 14,6.
2: Joh. 17,3.
3: 1 Joh. 5,20.
4: Joh. 9,8.
5: Is. 44,24.
6: Wenn Gott sich den "Ersten" nennt, so läßt dies keine Zeitabfolge zu, so daß die Kreatur als zweite nachfolgen könnte Gott nennt sich oben damit den "Anfang". Ebensowenig folgt auf dem Vaternamen Gottes eine erst spätere Existenz des Sohnes.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger