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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

6.

Aber nicht etwa teilweise die Gestalt der Gottheit, sondern die Fülle der Gottheit des Vaters ist das Sein des Sohnes, und ganz Gott ist der Sohn. Deshalb hielt er es, da er Gott gleich war, nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein1. Und da wiederum die Gottheit und Gestalt des Sohnes keinem andern als nur dem Vater zukommt, eben deshalb hat er gesagt: "Ich im Vater", und ebenso heißt es: "Gott hat in Christus die Welt mit sich versöhnt"2. Denn was der Substanz des Vaters eigen ist, das ist der Sohn, in dem die Schöpfung mit Gott ausgesöhnt wurde. So sind die Werke, die der Sohn wirkte, Werke des Vaters. Denn der Sohn ist die Gestalt von des Vaters Gottheit3 , die Werke wirkte. So sieht, wer den Sohn sieht, den Vater. Denn in der väterlichen Gottheit existiert und wird geschaut der Sohn, und die väterliche Gestalt in ihm offenbart in ihm den Vater, und so ist der Vater im Sohne. Und die Eigenheit und Gottheit, die vom Vater ausgehend im Sohne existiert, offenbart den Sohn im Vater und seine immerwährende Untrennbarkeit von ihm. Wer aber hört und sieht, wie das, was vom Vater ausgesagt wird, auch vom Sohne gesagt wird, und zwar nicht als etwas, was seiner Substanz auf Grund der Gnade und Mitteilung zukommt, sondern, weil das Sein des Sohnes selbst eine der väterlichen Substanz eigene Zeugung ist, der wird, wie bereits gesagt, die Stellen richtig verstehen: "Ich im Vater und der Vater in mir" und: "Ich und der Vater sind Eins", Denn damit, daß der Sohn alles hat, was dem Vater zukommt, ist er wie der Vater. Darum [S. 250] wird er auch zugleich mit dem Vater angezeigt. Denn von einem Vater könnte man nicht reden, wenn es keinen Sohn gäbe. Man kann Gott wohl Schöpfer nennen, ohne damit schon mit Notwendigkeit auch auf die entstandenen Dinge hinzuweisen. Denn er ist auch vor den Geschöpfen Schöpfer4; wer ihn aber Vater nennt, zeigt mit dem Vater sofort auch die Existenz des Sohnes an. Darum glaubt auch an den Vater, wer an den Sohn glaubt; denn er glaubt an das, was der Substanz des Vaters eigen ist, und so gibt es nur Einen Glauben an Einen Gott. Und wer den Sohn anbetet und ehrt, der betet im Sohne den Vater an und ehrt ihn in ihm. Denn es gibt nur Eine Gottheit und darum gibt es auch nur Eine Ehre und Eine Anbetung, die im Sohne und durch ihn dem Vater zuteil wird. Wer in dieser Weise anbetet, der betet Einen Gott an; denn Einer ist Gott, und es gibt keinen andern außer ihm. Wenn nun der Vater allein Gott genannt wird, und wenn es nur Einen Gott gibt, und wenn es heißt: "Ich bin"5 und: "Außer mir ist kein Gott"6 und: "Ich bin der Erste und ich bin hernach"7, so sagt man dies mit Recht; denn es gibt nur Einen und einen alleinigen und ersten Gott. Doch diese Worte führen nicht zur Aufhebung des Sohnes. Ferne sei es! Denn auch Er ist in dem Einen, Ersten und Alleinigen, da er auch des Einen und Alleinigen und Ersten alleiniges Wort, Weisheit und Abglanz ist. Er ist aber gleichfalls auch der Erste, da Er die Fülle der Gottheit des Ersten und Alleinigen und ganz und voll Gott ist. Es sind also diese Worte nicht seinetwegen gesprochen, sondern um Verwahrung einzulegen dagegen, daß ein anderer so sei wie der Vater und dessen Wort; und daß dies wirklich der Gedanke der Propheten ist, ist klar und allen offenbar.

1: Phil. 2,6.
2: 2 Kor. 5,19.
3: Erst ist die Gestalt des Sohnes in der des Vaters, dann ist der Sohn die Gestalt der väterlichen Gottheit; endlich ist im Sohne die Gestalt des Vaters. Die Wendungen bedeuten immer dasselbe: "Wenn schon Vater und Sohn sind, so ist doch jeder für sich ganz Gott (ὅλος θεός).
4: Nämlich in der Idee. Athan. kämpft hier gegen die Arianer, die behaupten, der Titel "Vater" involviere auch seine priore Existenz, und gibt solch zeitliches Verhältnis nur bei der Benennung Gottes als des "Schöpfers" zu, nicht aber auf Grund seines "Vater"-Namens.
5: Exod. 3,14.
6: Deut. 32,39.
7: Is. 44,6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger