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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

28.

Da nun solcher Wahnwitz jüdisch ist und als solcher vom Verräter Judas stammt, so sollen sie sich offen wieder als die Jünger des Kaiphas und Herodes bekennen und nicht den Judaismus unter dem Namen des Christentums verdecken, und sie sollen doch rundweg, wie wir schon oben gesagt haben, die Ankunft des Erlösers im Fleische leugnen; denn das ist die für ihre Häresie charakteristische Anschauung. Oder wenn sie aus Gefälligkeit gegen Konstantius und mit Rücksicht auf die, welche sich von ihnen hintergehen ließen, sich scheuen, offen zum Judentum sich zu bekennen und sich beschneiden zu lassen, so sollen sie auch nicht den Juden nachsprechen. Denn es gehört sich, daß man [S. 281] auch die Anschauung derer von sich weist, deren Namen man sich verbittet. Denn wir sind Christen, Arianer; Christen sind wir und wissen die Frohbotschaft vom Heiland zu würdigen, und nicht steinigen wir ihn mit den Juden, wenn wir ihn über seine Gottheit und Ewigkeit vernehmen, noch nehmen wir mit euch Ärgernis an den demütigen Worten, die er als Mensch für uns spricht. Wenn also auch ihr Christen werden wollt, dann laßt vom Wahnsinn des Arius ab und wascht euer von gotteslästerlichen Reden besudeltes Gehör mit den Reden der Gottesfurcht, und seid versichert, daß ihr auch von der Verkehrtheit der jetzigen Juden ablassen werdet, wenn ihr aufhört, Arianer zu sein, und daß alsbald wie nach einer Finsternis die Wahrheit euch leuchten wird. Auch werdet ihr uns nicht mehr zum Vorwurf machen, daß wir von zwei Ewigen reden, und überdies werdet auch ihr erkennen, daß der Herr wahrer und naturhafter Sohn Gottes ist, und nicht als schlechthin ewig, sondern als mitexistierend in der Ewigkeit des Vaters sich zeigt. Es werden nämlich Dinge ewig genannt, deren Schöpfer er ist. So steht im 23. Psalm geschrieben: "Erhebet, Fürsten, eure Tore, und öffnet euch, ihr ewigen Tore!"1 Offenbar sind aber auch diese durch ihn entstanden. Wenn er aber auch selbst vom Ewigen Schöpfer ist, wer von uns wird noch weiter bezweifeln können, daß er auch vor diesem Ewigen existiert?2 Doch nicht so fast aus seiner Eigenschaft der Ewigkeit wird er als Herr erkannt, als vielmehr daraus, daß er Gottes Sohn ist. Denn als Sohn ist er vom Vater untrennbar, und es war nicht einmal, da er nicht war, sondern er war immer. Und als Bild und Abglanz des Vaters hat er auch die Ewigkeit des Vaters. Daß sie nun der verkehrten Auffassung der [S. 282] Schriftstellen, auf die sie sich berufen, überwiesen sind, kann man wohl aus dem in Kürze oben Gesagten abnehmen. Daß sie aber auch in dem, was sie eben wieder in den Evangelien finden wollen3 , ihre haltlose Ansicht verraten, ist leicht einzusehen, wenn wir in erster Linie auch hier auf das Endziel unseres christlichen Glaubens achten und mit diesem gleich einer Richtschnur uns nach der Mahnung des Apostels4 auf die Lektüre der göttlich inspirierten Schrift verlegen. Denn die Christusfeinde irrten vom Weg der Wahrheit ab, weil sie diese Richtschnur nicht kannten, und sie strauchelten am Stein des Anstoßes5, weil sie anders dachten als man denken muß.

1: Ps. 23,7.
2: Nämlich vor dem schlechthin Ewigen. Daraus folgt allerdings noch nicht, daß der Sohn die einzigartige, absolute Ewigkeit Gottes des Vaters hat. Doch das Mangelhafte der Beweisführung bleibt mich bei der immerhin zulässigen Übersetzung des früheren Köselschen Übersetzers bestehen. Dieser hat nämlich die Worte: οτι και τουτων των αιδιων ανωτερος εστιν, also wiedergegeben: "daß er auch höher steht als dieses Ewige".
3: Ath. will sagen: Nicht bloß die Schriftauslegung der Arianer ist verfehlt, sondern überhaupt ihre ganze Lehre, die sie auch noch aus der Schrift zu begründen suchten.
4: 1 Tim. 4,16; 2 Tim. 3,16.
5: Röm. 9,32.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger