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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

27.

Solche Reden bringen also die Gottlosen vor. Doch sie hätten, wenn sie einmal so denken, noch verwegener fragen sollen: "Warum ist überhaupt das Wort Fleisch geworden?" Und dann hätten sie wieder hinzufügen sollen: "Wie konnte er denn als Gott Mensch werden? Oder wie konnte der Unkörperliche einen Leib tragen?" Oder sie hätten mehr jüdisch wie ein Kaiphas sagen sollen: "Warum machte überhaupt Christus, der ein Mensch war, sich zu Gott?"1 Denn in solchen und ähnlichen Reden murrten damals die Juden, die Augenzeugen waren; jetzt aber verweigern die Ariomaniten, die es lesen, den Glauben und haben sich zu Gotteslästerungen hinreißen lassen. Wenn man nun die Reden der einen und der andern miteinander vergleicht und untersucht, so wird man jedenfalls finden, daß sie in demselben Unglauben zusammentreffen, daß ihr Frevelmut gleich groß ist, und ihr gemeinsamer [S. 280] Kampf uns gilt. Denn die Juden sagten: "Wie kann er, ein Mensch, Gott sein?" — Die Arianer aber: "Wenn er wahrer Gott aus Gott war, wie konnte er dann Mensch werden?" Die Juden nahmen Ärgernis und spöttelten: "Wenn dieser Gottessohn wäre, hätte er nicht am Kreuze gelitten". Die Arianer aber sagen uns umgekehrt: "Wie wagt ihr zu behaupten, dieser, der einen leidensfähigen Leib hat, sei das wesenseigene Wort des Vaters?" Wie ferner die Juden den Herrn zu töten suchten, weil er Gott seinen Vater nannte und sich ihm gleichmachte, da er wirke, was der Vater wirkt, so lernten auch die Arianer zu behaupten, daß er Gott nicht gleich sei, noch auch Gott der eigene und naturhafte Vater des Wortes; und sie suchen sogar die zu töten, die dieser Anschauung sind. Wieder lassen sich die Juden vernehmen: "Ist dieser nicht der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter wir kennen?" Wie sagt er also: "Ehe Abraham ward, bin ich, und ich bin vom Himmel herabgekommen?"2 Die Arianer horchen auf sie und sprechen auch in gleicher Weise: "Wie kann der Wort oder Gott sein, der wie ein Mensch schläft, weint, fragt?" Denn die einen wie die andern leugnen wegen der menschlichen Zuständigkeiten, denen der Heiland in seinem Fleisch ausgesetzt war, die Ewigkeit und Gottheit des Wortes.

1: Vgl. Joh. 10,33.
2: Joh. 6,42; 8,58.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger