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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

26.

Sieh doch, wie sie sich nicht erschöpfen können in ihren Gottlosigkeiten, sondern wie Pharao sich verhärten, und wie sie, wenn sie wieder von den menschlichen Äußerungen des Erlösers in den Evangelien hören und solche sehen, schließlich wie der Samosatener die väterliche Gottheit des Sohnes ganz vergessen, und mit ihrer losen Zunge keck behaupten: Wie kann der Sohn von Natur aus dem Vater und ihm wesensgleich sein, wenn er doch sagt: "Mir ist alle Gewalt gegeben"1, und: "Der Vater richtet niemand, sondern hat das ganze Gericht dem Sohne übergeben"2, und: "Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben"3, und wieder: "Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand kennt den Vater als der Sohn und dem der Sohn ihn offenbaren will4, und ferner: "Alles, was mir der Vater gegeben hat, wird zu mir kommen"5. Auf dies hin sagen sie: Wenn er, wie ihr behauptet, Sohn von Natur war, dann hatte er nicht nötig zu empfangen, sondern er hatte dies von Natur als [S. 278] Sohn. Oder wie kann der von Natur und wahrhaft Kraft des Vaters sein, der in der Stunde seines Leidens spricht: "Jetzt ist meine Seele betrübt, und was soll ich sagen? Vater, rette mich aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche Deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: "Ich habe verherrlicht und werde ferner verherrlichen"6. Und ähnlich rief er wieder: "Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber!"7, und: "Als Jesus dies gesagt hatte, ward er im Geiste betrübt, und er bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, einer von euch wird mich verraten"8. Auf dies hin bemerken die Böswilligen: Wenn er eine Macht gewesen wäre, dann hätte er nicht gezagt, hätte vielmehr auch andern das Können gegeben. Und weiter behaupten sie: War er von Natur die wahre und des Vaters eigene Weisheit, warum steht dann geschrieben: "Und Jesus nahm zu an Weisheit und Alter und Gnade vor Gott und den Menschen"9. Und als er in die Gegend von Caesarea Philippi kam, fragte er seine Jünger, für wen ihn die Menschen halten10. Und wie er nach Bethanien kam, fragte er, wo Lazarus liege11. Später fragte er auch die Jünger: "Wieviel Brote habt ihr?12 Wie nun, wenden sie ein, kann der Weisheit sein, der an Weisheit zunahm und das nicht wußte, was er von andern zu erfahren wünschte. Ferner bekommt man auch das von ihnen zu hören: Wie kann der des Vaters eigenes Wort sein, ohne das der Vater niemals war, und durch das er nach eurer Ansicht alles schafft, der am Kreuze ausruft: "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?"13, zuvor aber flehet: "Verherrliche Deinen Namen!"14, und: [S. 279] "Verherrliche Du mich, Vater, mit der Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war"15. An einsamen Orten aber betete er und hieß seine Jünger beten, damit sie nicht in Versuchung fallen. "Der Geist ist willig", sprach er, "das Fleisch aber ist schwach"16 , und: "Jenen Tag und jene Stunde weiß niemand, auch nicht der Engel noch der Sohn"17. Dazu bemerken dann die Elenden wieder; Wenn, wie ihr meint, der Sohn immer bei Gott wäre, so wäre ihm jener Tag nicht unbekannt, vielmehr wüßte er ihn als Wort. Und wenn er mit ihm existierte, so würde er nicht von ihm verlassen, noch auch würde er um Verherrlichung bitten, wenn er sie im Vater hätte, noch würde er überhaupt flehen; denn als Wort hätte er überhaupt kein Bedürfnis. Doch, weil eben ein Geschöpf und eines von den entstandenen Wesen, darum redete er so und erflehte, was er nicht hatte. Denn den Geschöpfen ist es eigen, bedürftig zu sein und zu erbitten, was sie nicht besitzen.

1: Matth. 28,18.
2: Joh.5, 22.
3: Joh. 3,35.36.
4: Luk. 10,22.
5: Joh. 6,37.
6: Joh. 12,27.28.
7: Matth. 26,39.
8: Joh. 13,21.
9: Luk. 2,52.
10: Matth. 16,13.
11: Joh. 11,34.
12: Mark. 6,38.
13: Matth. 27,46.
14: Joh. 12,28.
15: Joh. 17,5.
16: Ebd. 26,41.
17: Mark. 13,32.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger