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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

24.

Wir haben also, soweit die Worte der Stelle selbst eine einfachere Erklärung zuließen, hievon eingehend gehandelt. Der selige Johannes aber wird in seinem Briefe in Kürze und weit genauer als wir den Sinn der Schriftworte dartun und die Auffassung der Gottlosen widerlegen. Er wird uns lehren, wie wir in Gott sind und Gott in uns, und wie wir wieder in ihnen Eins werden, und wie weit der Sohn der Natur nach von [S. 275] uns absteht. Und endlich wird er noch die Arianer von ihrer Meinung abbringen, daß sie wie der Sohn seien, damit nicht auch sie zu hören bekommen: "Du aber bist ein Mensch und nicht Gott"1, und: "Setze dich, der du arm bist, nicht dem Reichen gleich"2. Darum schreibt Johannes also: "Daran erkennen wir, daß wir in ihm bleiben und er in uns, daß er uns von seinem Geiste gegeben hat"3. Wir sind also wegen der uns gewährten Gnade des Geistes in ihm und er in uns. Und da es der Geist Gottes ist, so glaubt man, da Er4 in uns ist, mit Recht, daß auch wir, weil im Besitze des Geistes, in Gott sind, und so ist Gott in uns. Also nicht so, wie der Sohn im Vater ist, sind auch wir im Vater. Denn der Sohn nimmt am Geiste nicht teil, um dadurch auch im Vater zu sein, noch auch empfängt er den Geist, vielmehr teilt er selbst ihn allen mit. Ferner verbindet nicht der Geist das Wort mit dem Vater, vielmehr empfängt der Geist vom Worte. Und der Sohn ist im Vater als sein eigenes Wort und sein Abglanz, wir aber sind ohne den Geist Gott fremd und ferne. Durch die Teilnahme am Geist werden wir aber mit der Gottheit verbunden, so daß wir unser Sein im Vater nicht uns, sondern dem in uns befindlichen und bleibenden Geist verdanken und zwar solange, als wir ihn durch das Bekenntnis in uns bewahren, wie wiederum Johannes sagt: "Wer bekennt, daß Jesus der Sohn Gottes ist, in dem bleibt Gott und er in Gott"5. Wo bleibt also unsere Ähnlichkeit und Gleichheit mit dem Sohne? Oder wird nicht den Arianern von allen Seiten und ganz besonders von Johannes unwiderleglich dargetan, daß in anderer Weise der Sohn im Vater ist und anders wir in ihm sind, und daß weder wir je wie Er sein werden, noch das Wort ist wie wir? Sie müßten denn nur wie immer, so auch jetzt zu behaupten wagen, daß auch der Sohn der Teilnahme am Geiste und der Vervollkommnung seines Wandels seine Existenz im Vater verdankt. [S. 276] Doch es ist wieder mehr als gottlos, eine solche Behauptung auch nur in Erwägung zu ziehen. Er gibt ja, wie gesagt, selbst dem Geiste, und alles, was der Geist hat, hat er vom Worte.

1: Ezech. 28,7.
2: Sprichw. 23,4.
3: 1 Joh. 4,13.
4: Der Sohn.
5: 1 Joh. 4,15

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger