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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

21.

Wenn es also möglich gewesen wäre, daß auch wir wie der Sohn im Vater wären, dann hätte er sagen müssen: "Damit auch sie in Dir Eins sind wie es der Sohn ist im Vater". Nun aber hat er nicht so gesprochen, sondern er hat mit dem Wort "in uns" den Abstand und Unterschied angezeigt, nämlich daß nur Er im alleinigen Vater ist, weil allein Wort und Weisheit, wir aber im Sohne und durch ihn im Vater sind. Mit dieser Rede aber gab er nichts anderes zu verstehen als: Durch unsere Einheit sollen auch sie miteinander so Eins werden, wie wir von Natur und in Wahrheit Eins sind; sonst könnten sie nicht Eins werden, wenn sie nicht an uns die Einheit lernten. Und daß die Ausdrucksweise "in uns" wirklich diese Bedeutung hat, kann man von Paulus vernehmen, der sagt: "Dies aber habe ich auf mich und Apollo übertragen, damit ihr an uns lernt, nicht höher von euch zu denken, als geschrieben steht"1. Der Ausdruck "in uns" bedeutet also nicht: "Im Vater, wie der Sohn in ihm ist", sondern er ist ein Gleichnis und Bild und steht für den Ausdruck: Von uns sollen sie lernen. Denn wie Paulus für die Korinthier, so ist auch die Einheit des Sohnes und Vaters für alle Vorbild und Muster, an dem sie aufschauend zu der naturhaften Einheit von Vater und Sohn lernen können, wie auch sie unter sich in der Gesinnung Eins werden sollen. Erheischt aber unsere Stelle auch noch eine andere Rechtfertigung, so kann man wiederum die Worte "in uns" den andern gleichsetzen: Damit sie durch die Kraft des Vaters und des Sohnes Eins werden2, da sie dasselbe sagen; denn ohne Gott kann das nicht geschehen. Auch diese Deutung kann man wieder in den göttlichen Aussprüchen finden, so wenn es heißt: "In Gott werden wir Kraft wirken"3, [S. 272] und: "In Gott werde ich die Mauer überspringen"4, und: "In Dir werden wir unsere Feinde niederstoßen"5. Es ist also klar, daß wir, im Namen des Vaters und des Sohnes Eins geworden, das feste Band der Liebe bewahren können. Denn wieder führt der Herr denselben Gedanken weiter und sagt: "Und ich habe die Herrlichkeit, die Du mir gegeben hast, ihnen gegeben, damit sie Eins seien, wie auch wir Eins sind"6. Treffend hat er auch hier nicht gesagt: "Damit sie in Dir seien wie ich es bin", sondern er hat gesagt: "Wie wir". Denn mit dem Worte "wie" deutet man nicht die Gleichheit an, sondern ein Bild und Gleichnis von dem in Rede stehenden Gegenstand.

1: 1 Kor. 4,6,
2: Vgl. 1 Kor. 1,10.
3: Ps. 59,14.
4: Ps. 17,30.
5: Ps. 43,6.
6: Joh. 17,22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger