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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

20.

Also nicht, damit wir wie er werden, sagte er: "Damit sie Eins seien wie auch wir", sondern damit so, wie er als Wort im eigenen Vater ist, auch wir im Hinblick auf ihn als unser Vorbild miteinander Eins werden in der Einheit des Herzens und Geistes und nicht geteilter Ansicht seien wie die Korinthier, sondern gleicher Gesinnung wie die Fünftausend in der [S. 270] Apostelgeschichte, die wie Einer waren1. Denn es heißt: "wie Söhne", nicht "wie der Sohn", und "Götter", nicht "wie er", und "barmherzig wie der Vater", nicht wie der Vater! Vielmehr werden wir, wie gesagt, wenn wir Eins werden wie der Vater und der Sohn, nicht so Eins sein, wie es von Natur der Vater im Sohne ist und der Sohn im Vater, sondern entsprechend unserer Natur und soweit es uns möglich ist, jene Einheit uns zum Vorbild zu nehmen und aus ihr zu lernen, wie wir Eins sein sollen, wie wir auch barmherzig zu sein gelernt haben. Denn naturgemäß bildet Gleiches mit Gleichem eine Einheit, weshalb auch alles Fleisch in der Gattung zusammengehört. Uns ist also das Wort unähnlich, dem Vater aber ähnlich; deshalb ist es von Natur und in Wahrheit mit seinem Vater Eins. Wir aber sind alle miteinander blutsverwandt — denn aus Einem sind wir alle entstanden, und die Natur aller Menschen ist eine und dieselbe —, und werden miteinander Eins erst durch unser Verhältnis, wenn wir nämlich die natürliche Einheit vom Sohne und Vater zum Vorbild nehmen. Wie er nämlich die Sanftmut mit seinem Beispiel lehrte und sagte: "Lernet von mir; denn ich bin sanftmütig und demütig von Herzen"2, nicht als sollten wir ihm gleich werden — denn das ist unmöglich —.sondern damit wir im Hinblick auf ihn immer sanft blieben, ebenso nimmt er hier, wo er uns eine echte, feste und unauslöschliche Liebe lehren will, sich zum Beispiel und sagt: "Damit sie Eins seien wie auch wir". Unsere Einheit ist aber unzertrennlich. So sollen auch sie an unserer unzertrennlichen Natur lernen, in gleicher Weise unter sich die Eintracht zu pflegen. Um aber sicherer zu gehen, wählen die Menschen ihr Vorbild aus dem Bereich des Naturhaften3, wie bereits gesagt worden ist. Denn da dieses bleibt und nie sich ändert, wogegen das Verhalten der Menschen sehr wandelbar ist, so ist es ihnen möglich, im Hinblick auf das von Natur Unwandelbare, das Böse zu fliehen und sich [S. 271] nach dem Besten umzubilden. Denn so haben auch die Worte: "Damit auch sie in uns Eins seien" wieder ihren richtigen Sinn.

1: Apg. 4,32.
2: Matth. 11,29.
3: So auch hier die naturhafte Einheit von Vater und Sohn.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger