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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

19.

Aus dem Bereich des Göttlichen aber wählt der Heiland hinwiederum für die Menschen Bilder und sagt: "Seid barmherzig, wie euer Vater im Himmel barmherzig ist"1 und: "Ihr sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist"2. Aber auch dies sagte er nicht, damit wir wieder werden wie der Vater — denn wie der Vater zu werden, ist uns unmöglich, da wir Geschöpfe sind und aus dem Nichtseienden ins Dasein traten —, nein, so wenig er uns mit den Worten: "Werdet nicht wie ein Pferd" auffordert, Tiere zu werden, sondern nur, ihr tierisches Wesen nicht nachzuahmen, ebensowenig wollte er mit den Worten: "Seid barmherzig wie der Vater", daß wir wie Gott werden, sondern nur, daß wir im Hinblick auf seine Wohltaten das Gute, das wir tun, nicht wegen der Menschen, sondern seinetwegen tun, so daß wir von ihm und nicht von den Menschen den Lohn empfangen. Denn wie es einen einzigen, naturhaften, wahren und eingeborenen Sohn gibt und deshalb auch wir Söhne werden, doch nicht wie jener von Natur und in Wahrheit, sondern nach der Gnade dessen, der uns berufen hat, und wir, wenngleich irdische Menschen, Götter genannt werden, nicht wie der wahre Gott oder dessen Wort, sondern so, wie Gott es wollte, der uns diese Gnade gewährt hat, so sind wir auch wie Gott barmherzig, nicht indem wir Gott gleich werden, noch auch von Natur und in Wahrheit Wohltäter sind — denn das Wohltun hat seinen Ursprung [S. 269] nicht in uns, sondern in Gott -, vielmehr sind wir barmherzig, insofern wir das, was von Gott selbst uns in Gnaden zuteil geworden ist, an andere unterschiedslos verteilen und einfach auf alle unsere Wohltätigkeit ausdehnen. Denn wohl nur insoweit und nicht anders können wir seine Nachahmer werden, daß wir seine Gaben einander zukommen lassen. Wie wir aber hierin die treffende und richtige Auffassung haben, so hat auch die Stelle bei Johannes denselben Sinn. Denn er sagt nicht: "Damit wie der Sohn im Vater ist, so auch wir in ihm seien". Wie wäre das möglich, wo er doch das Wort und die Weisheit Gottes ist, wir aber aus Erde gebildet wurden, und er der Natur und Substanz nach Wort und wahrer Gott ist — denn so sagt auch Johannes: "Wir wissen, daß der Sohn Gottes gekommen ist und uns Einsicht gegeben hat, damit wir den wahren Gott erkennen und wir sind in dem Wahren, in seinem Sohne Jesus Christus. Dieser ist der wahre Gott und das ewige Leben"3 —, wir aber durch ihn auf dem Weg der Adoption und der Gnade Söhne werden, da wir an seinem Geiste Anteil haben? "Allen", sagt er nämlich, "die ihn aufnehmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben"4. Darum ist auch Er die Wahrheit, wie er sagt: "Ich bin die Wahrheit"5, und da er sich auch an seinen Vater wandte mit den Worten: "Heilige sie in Deiner Wahrheit; Dein Wort ist Wahrheit"6. Wir aber werden nur durch Nachahmung tugendhaft und Söhne.

1: Luk. 6,36.
2: Matth. 5,48.
3: 1 Joh. 5,20.
4: Joh. 1,12.
5: Joh. 14,6.
6: Joh. 17,17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger