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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

18.

Wenn also, wie wir schon oft gesagt haben, das Wort Gottes ebenso ist wie wir und sich von uns nur der Zeit nach unterscheidet, so möge es uns ähnlich sein und beim Vater denselben Platz einnehmen wie wir; und es soll weder eingeboren noch einziges Wort oder Weisheit des Vaters heißen, sondern derselbe Name sei uns allen, die wir ihm ähnlich sind, gemeinsam. Denn es gehört sich, daß die, welche eine und dieselbe Natur [S. 267] haben, auch einen gemeinschaftlichen Namen tragen, mögen sie auch zeitlich voneinander verschieden sein. Denn Mensch ist Adam, und Mensch ist auch Paulus, ein Mensch auch, der jetzt entsteht, und die Zeit ändert die Natur des Geschlechtes nicht. Wenn also auch das Wort nur der Zeit nach von uns verschieden ist, dann müßten auch wir wie dieses sein. Doch wir sind weder Wort oder Weisheit, noch ist jenes ein Geschöpf oder Gebilde. Warum sind wir denn alle aus dem Einen entstanden und ist er allein Wort? Doch wenn es auch jenen ansteht so zu reden, für uns schickt es sich nicht, ihre Gotteslästerungen auch nur zu überdenken. Wenn es nun aber auch nicht notwendig wäre, sich mit einer von den Stellen besonders abzugeben, da ihr Sinn so offen liegt und der Gottesfurcht entspricht und wir den rechten Glauben haben, wohlan, so wollen wir gleichwohl, um auch hieraus ihre Gottlosigkeit zu erweisen, so wie wir von unseren Vätern belehrt wurden, in Kürze aus dieser Stelle sie ihrer Andersgläubigkeit überführen. Die göttliche Schrift pflegt für die Menschen die natürlichen Gegenstände zu Bildern und Gleichnissen zu wählen. Das tut sie aber, um aus jenen natürlichen Gegenständen das, was aus freiem Entschluß hervorgeht, als Äußerungen der Menschen kundzugeben. Und auf diese Weise wird ihr Benehmen als schlecht oder als gerecht hingestellt. So kommt sie auf die schlechten Sitten zu sprechen wie, wenn sie mahnt: "Werdet nicht wie Pferd oder Maulesel, die keinen Verstand haben"1. Oder wenn er2 die, welche bereits so geworden sind, also tadelt: "Der Mensch, da er in Ehren stand, begriff es nicht; den unvernünftigen Tieren wurde er gleich und wurde ihnen ähnlich"3 und wiederum: "Sie wurden wie geile Pferde"4. Und der Heiland sagte, wo er den Herodes charakterisiert: "Saget diesem Fuchse"!5 Die Jünger aber ermahnte er: "Sieh, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Seid [S. 268] also klug wie die Schlangen und einfältig wie die Tauben"!6 Er sagte aber das nicht, als sollten wir der Natur nach Tiere werden oder Schlangen oder Tauben. Denn so hat er selbst uns nicht gemacht, und darum kennt auch die Natur einen solchen Vorgang nicht. Vielmehr sollten wir die tierischen Triebe der einen fliehen, die Klugheit der Schlange kennen lernen, um von ihr nicht hintergangen zu werden, und die Sanftmut der Taube uns aneignen.

1: Ps. 31,9.
2: David.
3: Ps. 48,13.
4: Jer. 5,8.
5: Luk. 13,32.
6: Matth. 10,16.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger