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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

16.

Denn wenn es sich nicht so verhält, vielmehr das Wort ein Geschöpf oder Gebilde aus dem Nichtseienden ist, so ist es entweder nicht wahrer Gott, weil es ja eines von den Geschöpfen ist, oder, wenn sie aus Scheu vor der Schrift es doch noch Gott nennen, so müssen sie zwei Götter annehmen: den Schöpfer-Gott und den geschaffenen Gott, und zwei Herren dienen, einem ungewordenen und dem andern, der geworden und geschaffen ist, und sie müssen einen doppelten Glauben haben, einen an den wahren Gott und einen andern an den Gott, der gemacht und von ihnen erdichtet und als solcher bezeichnet wurde. Sie, die so verblendet sind, müssen aber, wenn sie den ungewordenen anbeten, dem gewordenen den Rücken kehren, wenn sie sich aber dem Geschöpf zuwenden, vom Schöpfer sich abkehren. Denn man kann nicht diesen in jenem sehen, weil ihre Naturen und Tätigkeiten sich fremd und voneinander verschieden sind. Ist aber das ihre [S. 264] Anschauung, dann werden sie damit jedenfalls auch mehrere Götter annehmen; denn zu dieser Schlußfolgerung kommen die, die von dem Einen Gott abgefallen sind. Warum zählen sich nun die Arianer, wenn sie so schließen und denken, nicht zu den Heiden? Denn auch diese dienen wie sie der Kreatur anstatt Gott, der alles geschaffen hat. Doch um die Unbesonnenen zu hintergehen, suchen sie den Namen "heidnisch" von sich fernzuhalten, haben aber insgeheim die gleiche Anschauung wie die Heiden. Denn auch jene ihre Spitzfindigkeit, mit der sie sich gewöhnlich behelfen: "Wir sprechen nicht von zwei Unentstandenen", bringen sie offenbar nur vor, um die Arglosen zu hintergehen. Sie sagen wohl: "Wir reden nicht von zwei Unentstandenen", nehmen aber doch zwei Götter an und weisen ihnen verschiedene Naturen zu, die gewordene und die ungewordene. Wenn aber die Heiden Einen Unentstandenen und viele Entstandene verehren, sie1 aber Einen Unentstandenen und Einen Entstandenen, so unterscheiden sie sich auch damit nicht von den Heiden. Denn der, den sie einen Entstandenen nennen, ist nur einer von vielen; die vielen Götter der Heiden aber haben dieselbe Natur wie dieser Eine. Denn dieser wie jene sind Geschöpfe. Unglücklich sind sie, und zwar umsomehr, als sie mit ihrer christusfeindlichen Anschauung sich selber schaden. Denn sie sind der Wahrheit verlustig gegangen und haben mit ihrer Verleugnung Christi den Verrat der Juden überboten, und die Gotteshasser wälzen sich mit den Heiden, indem sie ein Geschöpf und verschiedenartige Götter anbeten. Denn Einer ist Gott und nicht viele, und Einer ist dessen Wort und nicht viele. Denn Gott ist das Wort, und es allein hat die väterliche Gestalt. Da diese der Heiland selbst war, machte er die Juden zuschanden mit den Worten: "Der Vater, der mich gesandt hat, hat von mir Zeugnis gegeben. Aber ihr habt weder je seine Stimme gehört noch seine Gestalt gesehen, und sein Wort habt ihr nicht bleibend in euch, weil ihr dem nicht glaubt, den er gesandt hat"2. Treffend hat er das Wort mit der [S. 265] Gestalt in Verbindung gebracht, um zu zeigen, daß das Wort Gottes selbst Bild, Abriß und Gestalt seines Vaters ist, und daß die Juden, indem sie den nicht aufnahmen, der zu ihnen redete, das Wort nicht aufnahmen, das die Gestalt Gottes ist. Diese hat auch der Patriarch Jakob gesehen, und er wurde gesegnet und erhielt von ihr für Jakob den Namen Israel, wie die göttliche Schrift bezeugt mit den Worten: "Es ging ihm aber die Sonne auf, als er an der Gestalt Gottes vorüberging"3. Dieser aber war der, der sagte: "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen"4, und: "Ich bin im Vater und der Vater ist in mir"5, und: "Ich und der Vater sind Eins"6. Denn auf diese Weise ist Einer Gott und Einer der Glaube an den Vater und Sohn. Denn da das Wort Gott ist, so ist wiederum der Herr unser Gott ein einziger Herr. Denn des Einen eigener und untrennbarer Sohn ist er gemäß der Eigenheit und Gemeinsamkeit der Substanz.

1: Die Arianer.
2: Joh. 5,37.38.
3: Gen. 32,31.
4: Joh. 14,9.
5: Joh. 14,10.
6: Joh. 10,30.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger