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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Dritte Rede

12.

Denn wäre nicht eine Einheit und das Wort nicht des Vaters wesenseigene Zeugung gleich dem Abglanz des Lichtes, wäre vielmehr der Sohn der Natur nach vom Vater verschieden, so genügte es, wenn der Vater allein verliehe, da bei der Verleihung [der Gnaden] keines von den entstandenen Wesen mit dem Schöpfer Gemeinschaft hat. So aber zeigt diese Art von Verleihung auf die Einheit von Vater und Sohn hin. Man würde also nicht von Gott oder den Engeln oder irgendeinem andern Geschöpfe etwas erflehen und nicht sprechen: "Gebe dir Gott und der Engel!" — sondern vom Vater und Sohne wegen ihrer Einheit und einheitlichen Gabe. Denn durch den Sohn werden die Gaben verliehen und es gibt nichts, was der Vater nicht durch den Sohn wirkt, und so gelangt der Empfänger in den sicheren Besitz der Gnade. Wenn aber der Patriarch Jakob seinen Enkeln Ephraim und Manasse den Segen erteilte mit den Worten: "Der Gott, der mein Hirt ist von meiner Jugend bis auf diesen Tag, der Engel, der mich aus allem Übel errettet hat, segne diese Kinder"1, so hat er nicht einen von den geschaffenen, naturhaften Engeln mit Gott, ihrem Schöpfer, in Verbindung gebracht, und nicht mit Umgehung des ihn behütenden Gottes von einem Engel den Segen für seine Enkel erfleht, vielmehr hat er mit den Worten: "Der mich aus allem übel errettet" gezeigt, daß es nicht einer von den geschaffenen Engeln, sondern das Wort Gottes sei, das er im Segenswünsche mit dem Vater in Verbindung brachte, durch das Gott auch alle rettet, die er retten will. Denn weil er wußte, daß er Engel des großen Rates des Vaters genannt wird2, so sagte er von [S. 259] keinem andern als von ihm aus, daß er segne und vom Übel errette. Denn nicht erbat er für sich den Segen von Gott und für seine Enkel vom Engel, sondern von dem, den er selbst also gebeten hatte: "Ich werde Dich nicht entlassen, Du segnest mich denn"3. Dieser aber war Gott, wie er selbst sagt: "Ich sah Gott von Angesicht zu Angesicht"4. Diesen bat er auch für die Söhne Josephs um den Segen. Es ist also Aufgabe eines Engels, den Auftrag Gottes zu vollziehen, Vielfach zieht er vorher, um den Amorrhiter zu verjagen, und er wird gesandt, um das Volk auf dem Wege zu schützen5. Doch auch das ist nicht sein Werk, sondern das Werk Gottes, der ihn beauftragt und abgesandt hat und dessen Sache es auch ist, alle zu retten, die er retten will. Darum war es auch kein anderer als eben Gott, der Herr selbst, der ihm erschien und zu ihm sprach: "Und sieh, ich bin mit dir und behüte dich auf allen Wegen, die du wandelst"6. Und kein anderer, sondern wiederum Gott war es, der dem Laban erschien und ihn von seinem Anschlag abhielt, indem er ihm befahl, zu Jakob nichts Böses zu reden7, und auch Jakob hat seinerseits niemand andern als Gott, wenn er sagte: "Errette mich aus der Hand meines Bruders Esau; denn ich fürchte mich vor ihm"8. Und auch zu seinen Frauen sprach er: "Gott hat dem Laban nicht gestattet, mir Böses zuzufügen"9.

1: Gen. 48,15.16.
2: Is. 9,6 nach LXX.
3: Gen. 32,26.
4: Gen. 32,30.
5: Num. 21,21; Deut. 2,26; Amos 2,9.
6: Gen. 28,15.
7: Gen. 31,24.
8: Gen. 32,11.
9: Gen. 35,3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger