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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)

Zweite Rede

1.

[S. 118] Ich glaubte, die Heuchler des arianischen Wahnsinns würden sich auf das, was ich bisher zu ihrer Widerlegung und zum Erweis der Wahrheit vorgebracht habe, zufrieden geben und nunmehr sich ruhig verhalten und bereuen, was sie vom Heiland übel gedacht und geredet haben. Sie aber geben in unbegreiflicher Weise auch jetzt noch nicht nach, sondern wie Schweine und Hunde in ihrem eigenen Auswurf und Kot sich wälzen, so erfinden sie vielmehr für ihre Gottlosigkeit neue Wege. Ohne also zu verstehen, was in den Sprichwörtern geschrieben steht: "Der Herr schuf mich als Anfang seiner Wege für seine Werke"1 , noch auch, was vom Apostel gesagt wird: "Der treu ist dem, der ihn gemacht hat"2 , streiten sie einfach herum und behaupten, der Sohn sei ein Geschöpf und Gebilde. Und doch hätten sie, wenn sie nicht völlig ihre Sinne verloren hätten, schon aus dem bereits Gesagten ersehen können, daß der Sohn, wie die Wahrheit bezeugt, nicht aus Nichtseiendem ist, noch überhaupt zu den entstandenen Dingen [S. 119] gehört. Denn da er Gott ist, ist er wohl auch kein Geschöpf, und man darf ihn nicht ein Gebilde nennen; denn von Gebilden und Geschöpfen kann man sagen, sie seien aus Nichtseiendem und sie waren nicht, bevor sie erzeugt wurden. Da sie aber wie aus Furcht, ihr Wahngebilde preisgeben zu müssen, nach Gewohnheit auf die schon genannten Stellen der göttlichen Schrift sich berufen, die zwar richtig niedergeschrieben sind, aber von ihnen in frivoler Weise behandelt werden, wohlan denn, so wollen wir auf den Sinn des bereits Gesagten wieder zurückgehen und die Gläubigen daran erinnern, diesen aber aus jeder einzelnen Stelle nachweisen, daß sie das Christentum überhaupt nicht kennen. Denn wenn sie es kennen würden, so würden sie sich nicht im Unglauben der heutigen Juden verschließen3 , sondern durch Nachforschen erfahren, daß "im Anfang das Wort war, und das Wort bei Gott war, und Gott das Wort war"4 , und daß damals, als nach dem Wohlgefallen des Vaters das Wort selbst Mensch geworden ist, passend über ihn von Johannes gesagt sei: "Das Wort ist Fleisch geworden"5 und von Petrus: "Er machte ihn zum Herrn und Gesalbten"6 und durch den Mund des Salomo gleichsam vom Herrn selbst: "Der Herr schuf mich als Anfang seiner Wege für seine Werke"7 , von Paulus aber: "Um soviel vorzüglicher geworden als die Engel"8 und wiederum: "Er entäußerte sich selbst, indem er Knechtsgestalt annahm"9 und wieder: "Deshalb, heilige Brüder, Mitgenossen des himmlischen Berufes, sehet auf Jesum, den Gesandten und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, der treu ist dem, der ihn dazu gemacht hat"10. Denn alle Aussprüche dieser Art haben dieselbe Bedeutung und denselben Sinn, wie er der Gottesfurcht entspricht und die Gottheit des Wortes und das bezeichnet, was in [S. 120] menschlicher Weise über ihn gesagt wird, weil er auch Menschensohn geworden ist. Und wenn nun auch dies zu ihrer Widerlegung hinreichte, so hielt ich es gleichwohl für nötig, sie, die das Wort des Apostels nicht verstehen und meinen, — um dies zuerst zu erwähnen, — das Wort Gottes sei auf Grund des Schriftwortes: "Der dem treu ist, der ihn gemacht hat" eines von den Geschöpfen, mit dieser ihrer Behauptung wieder zu beschämen, wobei wir entsprechend unserem bisherigen Verfahren von ihrer eigenen Voraussetzung ausgehen.

1: Sprichw. 8,22.
2: Hebr. 3,2.
3: Röm. 11,32.
4: Joh. 1,1.
5: Joh. 1,14.
6: 1 Petr. 3,15.
7: Sprichw. 8,22.
8: Hebr. 1,4.
9: Phil. 2,7.
10: Hebr. 3,1.2.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger