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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

10.

Die Götter der Heiden aber, die von ihnen fälschlich so genannt werden, sind weder in ihrer Existenz noch in ihren Verheißungen treu. Denn sie sind nicht überall dieselben, sondern sie gehen sogar an den Orten, wo sie sind, mit der Zeit unter und fallen in sich selbst zusammen. Deshalb erhebt auch das Wort seine Stimme gegen sie, daß das Vertrauen auf sie keinen [S. 132] Wert gehabt habe, da sie falsches Wasser seien und Treue bei ihnen nicht zu finden sei1. Aber der einzig wirkliche und wahrhafte Gott aller Dinge ist treu, da er der nämliche bleibt und er sagt: "Sehet mich, sehet, daß ich es bin!"2 und: "Ich habe mich nicht geändert"3. Deshalb ist auch sein Sohn treu, da er immer ist und sich nicht ändert und auch nicht trügt, weder in der Existenz noch in seinen Verheißungen, wie der Apostel wiederum an die Thessalonicher schreibt: "Treu ist, der euch berufen hat, er wird es auch vollbringen"4 . Denn wenn er tut, was er verspricht, ist er treu in seinen Worten. An die Hebräer aber schreibt er, um ihnen zu verstehen zu geben, daß dieser Ausdruck auch die Unveränderlichkeit anzeige: "Wenn wir nicht glauben, er bleibt doch treu, er kann sich selber nicht verleugnen"5. Es sagt also der Apostel, wo er von der leiblichen Ankunft des Wortes redet, mit Recht: "Den Abgesandten" und "dem, der treu ist, der ihn gemacht hat", und zeigt so, daß Jesus Christus, auch nachdem er Mensch geworden ist, gestern und heute derselbe und in Ewigkeit unwandelbar ist. Und wie der Apostel in seinem Schreiben mit der Rede von seinem Hohepriestertum an seine Menschwerdung erinnert, so hat er auch wieder nicht lange geschwiegen von seiner Gottheit. Vielmehr erinnert er alsbald an seine Gottheit, indem er sich überall der Genauigkeit befleißt, zumal da, wo er von seiner Niedrigkeit redet, damit wir sogleich auch seine Hoheit und väterliche Größe erkennen. Er sagt nämlich: Moses war Diener, Christus aber Sohn, jener war treu im Hause, dieser aber über das Haus6 , da er es selbst erbaut hat und sein Herr und Baumeister ist und als Gott es heiligt. Denn Moses, von Natur ein Mensch, wurde treu, indem er Gott, der durch das Wort redete, glaubte; das Wort war aber nicht wie eines von den geschaffenen Wesen im Leibe, auch nicht wie ein Gebilde im Gebilde, [S. 133] sondern Gott im Fleische und Schöpfer und Baumeister in dem von ihm geschaffenen Werke. Die Menschen werden mit Fleisch umgeben, damit sie existieren und bestehen. Das Wort Gottes aber ist Mensch geworden, um das Fleisch zu heiligen, und als Herr lebte es in der Knechtsgestalt. Denn dem Worte dient die ganze Schöpfung, die von ihm ins Dasein gerufen und gemacht wurde. Daraus aber folgt, daß auch damit, daß es beim Apostel heißt: "Er hat gemacht", nicht das Wort als gemacht hingestellt wird, sondern der Leib, den er uns gleich annahm. Daher ließ er sich auch unsern Bruder nennen, nachdem er Mensch geworden war.

1: Jer. 9,3; 15,8; Deut. 32,20 nach LXX.
2: Deut. 32,39.
3: Mal. 3,6.
4: 1 Thess. 5,24.
5: 2 Tim. 2,13.
6: Vgl. Hebr. 3,5.6.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger