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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

7.

Wer nun in dieser Weise gegen ihre Unverschämtheit losrückt, kann schon mit dem bloßen Ausdruck "er machte" sie des Irrtums überführen, wenn sie das Wort Gottes für ein Geschöpf halten1. Da aber auch der Sinn der Schriftworte mit dem Hinweis auf Zeit und Zweck, für die der Ausdruck "er machte" Geltung hat, unverfänglich ist, so muß man auch aus ihm den Unverstand der Häretiker nachweisen können, wenn wir, wie schon früher gesagt2, gerade auch hier auf die Zeit und den Zweck Rücksicht nehmen. Nicht also, da er von dem der Schöpfung Vorausliegenden erzählt, hat der Apostel dies gesagt, sondern für die Zeit, als das Wort Fleisch wurde. Denn also steht geschrieben: "Deshalb, heilige Brüder, die ihr teilhaftig seid der himmlischen Berufung, habt acht auf den Gesandten und Hohenpriester unseres Bekenntnisses, Jesus, der treu ist dem, der ihn dazu gemacht hat"3. Wann nun wurde er abgesandt, wenn nicht damals, als er unser Fleisch anzog? Wann aber ist er Hoherpriester unseres Bekenntnisses geworden, wenn nicht, da er sich selbst für uns darbrachte, seinen Leib von den Toten auferweckte, [S. 128] und da er jetzt die, welche zum Glauben an ihn kommen, dem Vater zuführt und darbringt und alle loskauft, und für alle die Versöhnung wird bei Gott? Nicht die Substanz des Wortes also und auch nicht die natürliche Geburt aus dem Vater wollte der Apostel anzeigen, wenn er gesagt hat: "Der treu ist dem, der ihn gemacht hat". Ferne sei es! Denn das Wort schafft, ist aber selbst nicht geschaffen. Er wollte vielmehr seine Herabkunft zu den Menschen und sein Hohepriestertum anzeigen, wie man es aus der Geschichte des Gesetzes und des Aaron wohl ersehen kann4. So ist Aaron nicht als Hoherpriester auf die Welt gekommen, sondern als Mensch, und nach einiger Zeit, als Gott es wollte, ist er Hoherpriester geworden, und er ist es nicht nur so einfachhin geworden, und auch nicht, insofern man ihn an den gewöhnlichen Kleidungsstücken erkannte, sondern indem er das Schulterkleid, den Brustschmuck und das lange Gewand anzog, welches ihm die Frauen im Auftrag Gottes verfertigt hatten. In diesen betrat er das Heiligtum und brachte für das Volk das Opfer dar, und in diesen stand er gleichsam mitten zwischen der Anschauung Gottes und den Opfern der Menschen. So nun war auch der Herr im Anfang das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Als aber der Vater wollte, daß für alle das Lösegeld bezahlt werde und allen Gnade zuteil werde, da nahm das Wort, wie Aaron das lange Kleid, in gleicher Weise das von der Erde stammende Fleisch an, indem er Maria als eine unbearbeitete Erde5 zur Mutter seines Leibes nahm, um so selbst zu besitzen, was er darbringen sollte, und als Hoherpriester sich dem Vater darzubringen und im eigenen Blute uns alle von den Sünden zu reinigen und von den Toten aufzuwecken.

1: Indem oben nach Athanasius das Wort "machen" nur uneigentlicher Ausdruck für "zeugen" ist.
2: I. Rede; K. 54.
3: Hebr. 3,1.
4: Exod. 28 u. 39.
5: Diese Redewendung enthält eine Anspielung auf die Erschaffung Adams aus Erde.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger