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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

43.

So können denn auch viele andere Häresien, die nur die Namen aussprechen, aber, wie gesagt, nicht die richtige Anschauung noch auch den gesunden Glauben haben, mit dem von ihnen gespendeten Wasser keinen Nutzen schaffen, da es ihnen an der Frömmigkeit gebricht, so daß der, den sie besprengen, eher in Gottlosigkeit beschmutzt als erlöst wird. So trifft auch die Heiden, wenn schon sie den Namen Gottes mit den Lippen aussprechen, der Vorwurf der Gottlosigkeit, weil sie den wirklichen und wahren Gott nicht kennen, den Vater unseres Herrn Jesus Christus. So sind auch die Manichäer und Phrygier1 und die Schüler des Samosateners, wenn schon sie die Namen aussprechen, nichtsdestoweniger Häretiker. So treiben ferner auch die [S. 179] Gesinnungsgenossen des Arius, mögen sie auch vorlesen, was geschrieben steht2, und die Namen aussprechen, mit denen ihr täuschend Spiel, die von ihnen [die Taufe] empfangen, und sind noch gottloser als die übrigen Häresien, die sie nach und nach überholt haben3 und jetzt mit ihrer frechen Schwatzhaftigkeit auch rechtfertigen4 . Denn jene lügen irgend etwas zur Wahrheit hinzu und halten an einem Irrtum fest entweder in Bezug auf den Leib des Herrn, indem sie behaupten, er habe nicht aus Maria Fleisch angenommen, oder wenn sie sagen, der Tod sei überhaupt nicht eingetreten und er sei überhaupt nicht Mensch geworden, sondern er sei nur erschienen und habe in Wirklichkeit nicht existiert, und er habe nur scheinbar einen Leib gehabt, ohne ihn wirklich zu haben, und er habe nur scheinbar das Aussehen von einem Menschen gehabt, wie man im Traum solche Gesichte hat. Diese5 aber freveln offenbar gegen den Vater selbst. Denn obgleich sie in den Schriften seine Gottheit im Sohne wie in einem Bilde bezeugt hören, lästern sie doch und sagen, sie sei ein Geschöpf und tragen überall das auf ihn6 gemünzte Schlagwort: "Er war nicht" wie Schmutz in der Tasche mit sich herum und speien es aus wie eine Schlange ihr Gift. Dann, wenn diese ihre Lehre alle zum Erbrechen reizt, sehen sie sich alsbald nach menschlicher Protektion für ihre wankende Häresie um, damit der Einfältigere aus Achtung oder Furcht vor ihr das Verderbliche an ihrer verruchten Lehre nicht wahrnehme. Muß man nun nicht mit denen Mitleid haben, die sich von ihnen betrügen lassen? Oder wäre es nicht angebracht, über sie zu weinen, daß sie um die augenblickliche Vorspiegelung von Vergnügen das preisgeben, was ihnen frommt, und der künftigen Hoffnung verlustig gehen? Da sie nämlich auf den hin, der nicht ist, zu empfangen [S. 180] wähnen, so werden sie nichts empfangen haben. Und da sie sich einem Geschöpfe anschließen, so werden sie vom Geschöpfe keine Hilfe erlangen. Und da sie an einen glauben, der dem Vater der Substanz nach unähnlich und fremd ist, so werden sie mit dem Vater auch keine Verbindung eingehen, da sie seinen eigenen und naturhaften Sohn, der im Vater ist, und in dem auch der Vater ist, wie er selbst gesagt hat, nicht haben. Vielmehr bleiben die Unglücklichen, von diesen verführt, künftig einsam und der Gottheit beraubt. Bei ihrem Tode wird ihnen das Trugbild der irdischen Güter nicht folgen, und auch dann, wenn sie den, den sie verleugnet haben, als Herrn auf dem Throne seines Vaters sitzen sehen, den Richter der Lebendigen und Toten, wird keiner einen von den jetzigen Betrügern zu Hilfe rufen können. Denn sie werden auch über diese das Gericht ergehen und sie bereuen sehen, was sie einst gesündigt und gefrevelt haben.

1: Montanisten.
2: Nämlich in der Heiligen Schrift.
3: Nämlich in der Gottlosigkeit.
4: Athanasius will hier sagen, die Arianer verteidigen mit der Rechtfertigung ihrer eigenen Häresie alle übrigen weniger gottlosen Irrlehren,
5: Die Arianer.
6: Den Sohn.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger