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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

42.

Deshalb sprach er, als er den Heiligen Verheißungen machte, also: "Wir werden kommen, ich und der Vater, und Wohnung bei ihm nehmen"1, und wieder: "Damit, wie ich und Du eins sind, so auch jene eins seien in uns"2. Und die verliehene Gnade ist eine, die vom Vater und Sohne verliehen wird, wie [S. 177] Paulus in jedem Brief schreibt: "Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus"3. Denn das Licht muß zugleich mit dem Abglanz vorhanden sein und der Abglanz mit seinem Lichte geschaut werden. Deshalb kennen die Juden, die gleich diesen den Sohn leugnen, auch keinen Vater. Denn da sie die "Quelle der Weisheit"4 verließen, wie Baruch ihnen vorhält, warfen sie von sich auch die aus ihr stammende Weisheit, unsern Herrn Jesus Christus — "denn Christus", sagt der Apostel, "ist Gottes Kraft und Gottes Weisheit"5 —, indem sie erklärten: "Wir haben keinen König als den Kaiser"6. Die Juden haben nun die gerechte Strafe für ihre Leugnung; denn sie haben mit ihrer Stadt auch ihren Verstand verloren. Diese aber laufen nunmehr Gefahr, auch der Fülle des Geheimnisses — ich meine die Taufe — verlustig zu gehen. Denn wenn auf den Namen des Vaters und des Sohnes die Einweihung erteilt wird, sie aber [dabei] nicht den wahren Vater nennen, weil sie das aus ihm Stammende und Wesensähnliche leugnen, und auch den wahren Sohn in Abrede stellen, und einen andern nennen, den sie sich als ein Geschöpf aus dem Nichtseienden einbilden, ist dann nicht ganz und gar inhaltslos und unnütz, was von ihnen gespendet wird7 , indem er zwar einen Schein gewährt, in Wahrheit aber für die Gottseligkeit keinen Gewinn bringt?8 Denn nicht auf [S. 178] den Vater und den Sohn spenden die Arianer die Taufe, sondern auf den Schöpfer und das Geschöpf9 , auf den Bildner und das Gebilde. Wie aber ein Geschöpf etwas anderes ist als der Sohn, so ist wohl das vermeintlich von ihnen Gebotene etwas anderes als die Wahrheit, mögen sie nun auch mit Rücksicht auf das Schriftwort10 die Namen "Vater" und "Sohn" noch beibehalten. Denn nicht schon der, der nur sagt: "Herr", gibt damit auch, sondern nur der, der mit dem Namen auch den rechten Glauben besitzt. Deshalb befahl also auch der Heiland nicht einfach zu taufen, sondern er sagt zuerst: "Lehrt", dann erst: "Taufet im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes"11, damit aus dem Unterricht der rechte Glaube erwachse und mit dem Glauben die Vollendung in der Taufe hinzukomme.

1: Joh. 14,23.
2: Joh. 17,22.
3: Röm. 1,7; 1 Kor. 1,3.
4: Bar. 3,12.
5: l Kor. 1,24.
6: Joh. 19,15.
7: Nämlich die Vollendung bezw. die Taufe.
8: Wenn Athanasius die von den Arianern gespendete Taufe als παντελς κεβόν καί ὰλυσιτελες [= "ganz inhaltslos und unnütz"] beurteilt und kurz hernach sich nur von der Handlung der "Rechtgläubigen" einen Gewinn verspricht, ja die von den Häretikern Getauften "eher mit Gottlosigkeit beschmutzt als erlöst" findet [c. 43], so zählte er offenbar zu denen, die vom Glauben des Sakramentspenders den Wert und die Gültigkeit seiner Hand lang beeinflußt, ja abhängig sein ließen. — Wenn auch die Synode von Nicäa [c. 19] auf die Verwerfung der Taufe der Paulianisten sich beschränkte, so wurde doch damals im Orient noch ganz allgemein die Ketzertaufe als ungültig angesehen, so von Basilias d. Gr. in seinen kanonischen Briefen [cc. 1. 47], in der Prokatechese Cyrills von Jerusalem [c. 7], in den Apostolischen Konstitutionen [IV, 5] und Kanones [46. 47] — und so laut unserer Stelle auch Athanasius.
9: Es liegt hier natürlich nur eine die Arianer anklagende Schlußfolgerung des Athanasius vor, nicht etwa ein Hinweis auf eine bei diesen Häretikern wirklich übliche Taufformel, wie aus dem unmittelbar Folgenden erhellt.
10: Matth. 28,19.
11: Matth. 28,19.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger