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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

5.

Sieh also wieder, die Erzeugten haben sie als entstanden und gemacht bezeichnet, wobei sie sich bewußt waren, daß, solange sie als Söhne anerkannt werden, die etwaige Ausdrucksweise: "Sie wurden" oder "ich bekam" oder "ich machte" belanglos sei. Denn die Natur und die Wirklichkeit bestimmen den Sinn. Wenn man also untersuchen will, ob der Herr ein Gebilde und Geschöpf sei, so muß man zuerst danach fragen, ob er Sohn, Wort und Weisheit sei. Denn ist dies bewiesen, so fällt und schwindet alsbald auch die argwöhnische Vorstellung von Gebilde und Geschöpf. Es kann doch das [S. 125] Geschöpf nicht Sohn und Wort sein, noch der Sohn ein Geschöpf. Da nun dem wieder so ist, so muß allen einleuchten, daß die Ausdrucksweise: "Der ihn gemacht hat" nicht zugunsten ihrer Häresie spricht, sondern ihr eher das Urteil spricht. Es ist ja gezeigt worden, daß der Ausdruck "er machte" in der göttlichen Schrift auch auf die echten und leiblichen Kinder Anwendung findet. Wenn also der Herr erwiesenermaßen natürlicher und echter Sohn, Wort und Weisheit des Vaters ist, so will, wenn man auch mit Bezug auf ihn sagt: "Er machte" oder "er wurde", dies nicht soviel heißen, als wäre er ein Geschöpf, sondern die Heiligen bedienen sich des Ausdrucks unterschiedslos wie bei Salomo und den Kindern des Ezechias. Denn obwohl sie selbst aus sich erzeugt haben, steht geschrieben: "Ich machte", "ich bekam" und "er wurde". Wenn also die Gottesfeinde sich vielfach auf solche Redewendungen heuchlerisch berufen, so müssen sie doch endlich einmal auf das hin, was wir gesagt haben, ihre gottlose Gesinnung aufgeben und vom Herrn denken, daß er wahrer Sohn, Wort und Weisheit des Vaters ist, nicht ein Geschöpf, nicht ein Gebilde. Denn wenn der Sohn ein Geschöpf ist, in welchem Worte und in welcher Weisheit ist er dann selbst geworden. Denn alles Geschaffene ist durch das Wort und die Weisheit geworden, wie geschrieben steht: "Alles hast Du in Weisheit gemacht"1 und: "Alles ist durch dasselbe gemacht worden und ohne dasselbe ist nichts geworden"2. Wenn er aber selbst das Wort und die Weisheit ist, in der alles entsteht, so gehört er füglich nicht zu den gemachten und überhaupt nicht zu den entstandenen Wesen, sondern ist eine Zeugung des Vaters.

1: Ps. 103,24.
2: Joh. 1,3.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger