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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

36.

Doch man braucht nicht erst zu fragen, warum das Wort Gottes nicht so beschaffen ist wie das unsrige, da ja Gott, wie bereits gesagt, nicht ist wie wir. Und es geht auch nicht an, danach zu fragen, wie das Wort [S. 169] von Gott kommt, oder wie es Gottes Abglanz ist, oder wie Gott zeugt, und welches der Charakter der Geburt Gottes ist. Denn wer solches wagt, müßte für wahnsinnig gelten, weil er eine unerklärbare und der Natur Gottes eigene Sache, die nur von ihm und seinem Sohne erkannt wird, in Worten ausgedrückt und erklärt wissen will. Denn solche Leute könnten ebenso gut fragen, wo und wie Gott ist und wie beschaffen der Vater. Wie aber ein solches Fragen gottlos ist und Leute verrät, die Gott nicht kennen, ebenso geht es auch nicht an, so etwas in Betreff der Geburt des Sohnes Gottes sich zu erlauben und an Gott und seiner Weisheit den Maßstab seiner eigenen Natur und Ohnmacht anzulegen. Aber das ist kein Grund, gegen die Wahrheit anzurennen, und wenn man bei einer solchen Untersuchung in Verlegenheit kommt, darf man sich den Schriftworten gegenüber nicht ungläubig zeigen. Denn es ist besser, in der Verlegenheit zu schweigen und zu glauben, als ungläubig zu sein, weil man sich nicht zu helfen weiß. Denn wer keine Lösung findet, kann doch irgendwie noch Verzeihung erlangen, weil er, wenn er auch nachgrübelte, sich doch zufrieden gegeben hat; wer aber deshalb, weil er sich keinen Rat weiß, Ungehöriges ausdenkt und Unwürdiges über Gott aussagt, der empfängt eine unnachsichtliche Strafe für sein Unterfangen. Man kann bei derartigen Schwierigkeiten einige Beruhigung aus den göttlichen Schriften schöpfen, indem man die Schriftworte richtig versteht und unser eigenes Wort sich als Gleichnis denkt. Denn wie dieses uns eigene Wort aus uns stammt und nicht ein Werk außer uns ist, so stammt auch das Gott eigene Wort aus ihm, und nicht ist es ein Geschöpf, noch auch wie das Wort der Menschen. Denn dann müßte man sich Gott als einen Menschen denken. Denn siehe wieder: Viele und verschiedene Worte der Menschen gehen täglich vorüber, weil die ersten nicht bleiben, sondern verschwinden. Es geschieht aber das wiederum, weil auch ihre Väter, die Menschen sind, vorübergehende Lebensalter und abwechselnde Gedanken haben und entsprechend ihrem Denken und Sinnen auch reden, so daß sie auch viele Worte und nach den vielen überhaupt keines mehr davon haben. Denn der [S. 170] Sprechende hört auf, und alsbald ist das Wort dahin. Das Wort Gottes aber ist eines und dasselbe und, wie geschrieben steht, bleibt das Wort Gottes in Ewigkeit1, ohne sich zu ändern, und nicht ist ein erstes oder zweites nach einem andern, sondern immer dasselbe. Denn es mußte, da Gott einer ist, auch sein Bild eines sein und eines sein Wort und eine seine Weisheit.

1: Ps. 118,89.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger