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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

32.

Daraus kann man es verstehen, daß die Arianer mit ihrer Häresie nur scheinbar gegen uns ankämpfen, in der Tat aber gegen die Gottheit selbst den Kampf führen. Denn wenn von uns die Stimme käme, die sagt: "Dieser ist mein Sohn"1, dann hätte sie einen leichten Tadel von uns zu erwarten. Wenn aber die Stimme vom Vater kommt, und die Jünger sie vernehmen und auch der Sohn selbst sagt: "Vor allen Hügeln zeugt er mich"2, kämpfen sie dann nicht auch wie die Giganten in der Mythologie mit Gott, indem sie ihre Zunge, um mit dem Psalmisten zu reden, als "scharfes Schwert"3 für die Gottlosigkeit gebrauchen? Denn sie hatten weder eine Scheu vor der Stimme des Vaters noch auch eine Ehrfurcht vor den Worten des Heilandes, noch auch glaubten sie den Heiligen, von denen einer schreibt: "Der, da er der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Vaters ist"4 und: "Christus, die Kraft Gottes und Weisheit Gottes"5 und ein anderer singt: "Denn bei Dir ist die Quelle des Lebens, und in Deinem Lichte schauen wir das Licht"6 und: "Alles hast Du in Weisheit gemacht"7, und die Propheten sagen: "Und es erging das Wort des Herrn an mich"8, Johannes [S. 164] aber: "Im Anfang war das Wort"9 und Lukas: "Wie uns jene überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes waren"10. Und auch David sagt wieder: "Er sandte sein Wort und heilte sie"11. All diese Stellen brandmarken überall die arianische Häresie und zeigen die Ewigkeit des Wortes an, sowie auch, daß es der Wesenheit des Vaters nicht fremd, sondern eigen ist. Denn wann sah man ein Licht ohne den Abglanz? Oder wer wagt zu behaupten, das Ebenbild sei seiner Substanz fremd? Oder tobt nicht der noch mehr, dem es auch nur einfällt, Gott ohne Vernunft [Wort] und ohne Weisheit zu denken. Denn solche Beispiele und Bilder hat die Schrift aufgestellt, damit wir, die ja die menschliche Natur Gott unmöglich begreifen können, wenigstens aus diesen einigermaßen uns eine schwache Vorstellung machen können, soweit es möglich ist. Und wie die Schöpfung hinlänglich zur Erkenntnis vom Dasein eines Gottes und einer Vorsehung führt — "denn aus der Größe und Schönheit der Geschöpfe wird ihr Schöpfer vergleichungsweise erkannt"12 —, und wie wir von ihnen keine Stimme erwarten, um zu verstehen, sondern auf die Schriften hören und ihnen glauben und schon bei der Betrachtung der Ordnung und Harmonie aller Dinge zur Einsicht kommen, daß dieser Schöpfer Herr und Gott aller Dinge ist, und dessen wunderbare Vorsehung und Leitung in allen Dingen erfassen, ebenso ist es, da die vorhin angeführten Worte über die Gottheit des Vaters ausreichen, überflüssig oder vielmehr mehr als Wahnsinn, zu zweifeln und in häretischer Weise zu fragen, wie denn der Sohn von Ewigkeit her existieren, oder wie er aus der Substanz des Vaters sein könne, ohne ein Teil von ihm zu sein. Denn das, wovon man sagt, er sei aus etwas, ist ein Teil von ihm; was aber geteilt wird, ist kein Ganzes.

1: Matth. 17,5.
2: Sprichw. 8,25.
3: Ps. 56,5.
4: Hebr. 1,3.
5: 1 Kor. 1,24.
6: Ps. 35,10.
7: Ps. 103,24.
8: Jer. 2,1.
9: Joh. 1,1.
10: Luk. 1,2.
11: Ps. 106,20.
12: Weish. 13,5.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger