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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

31.

Man darf aber die Ansicht der Wahrheit nicht verschweigen, sondern muß gerade diese auch laut verkünden. Denn das Wort Gottes ist nicht unsertwegen entstanden, vielmehr sind wir seinetwegen geworden, und in ihm wurde alles erschaffen. Und nicht ist dieses, weil wir zu schwach waren1, es aber stark, unmittelbar durch den Vater entstanden, damit er uns mit ihm wie mit einem Werkzeug erschaffe. Ferne sei es! so ist es nicht. Denn wenn es Gott auch gefallen hätte, die entstandenen Dinge nicht zu machen, so wäre dessenungeachtet das Wort bei Gott, und in ihm wäre der Vater. Die entstandenen Dinge jedoch konnten ohne das Wort nicht entstehen; so sind sie denn auch durch ihn entstanden, und zwar natürlicher Weise. Denn da der Sohn von Natur wesenseigenes Wort Gottes und aus ihm und in ihm ist, wie er es gesagt hat, so konnten die Geschöpfe nur durch ihn entstehen. Denn wie das Licht mit seinem Glanze alles erhellt, und ohne seinen Glanz nichts erleuchtet würde, so hat auch der Vater wie mit einer Hand im Wort alles erschaffen, und ohne dasselbe machte er nichts. Es sagte daher Gott, wie Moses erzählt: "Es werde Licht" und: "Es sammle sich das Wasser" und: "Es bringe die Erde hervor" und: "Laßt uns [S. 162] den Menschen machen"2, wie der heilige David singt: "Er sprach, und es ist geworden; er befahl, und es ward geschaffen"3. Er sprach es aber nicht, damit, wie bei den Menschen, irgend ein Gehilfe es vernehme, den Willen des Redenden erfahre, weggehe und ihn vollführe; denn das ist den Geschöpfen eigen, vom Worte aber so zu denken oder zu reden ziemt sich nicht. Denn das Wort Gottes ist schöpferisch und wirksam und ist selbst der Ratschluß des Vaters. Deshalb sagte die göttliche Schrift nicht, daß der Hörende gehört und geantwortet habe, wie oder wie beschaffen er die entstehenden Dinge wolle entstehen sehen, sondern Gott sprach nur: "Es werde" und danach folgen die Worte: "Und es ward so". Denn das Beschlossene und Gewollte wurde sofort Tatsache durch das Wort und wurde fertig. Wenn aber Gott andern oder Engeln einen Auftrag gibt oder mit Moses verkehrt, oder dem Abraham eine Verheißung macht, dann antwortet der Hörende, und der eine sagt: "Woran werde ich erkennen?"4, ein anderer: "Wähle einen andern"5 und wieder einer: "Wenn sie mich fragen, welches ist sein Name? Was werde ich zu ihnen sagen?"6. Und der Engel sprach zu Zacharias: "Dies spricht der Herr"7. Den Herrn aber bat er: "Allmächtiger Herr, wie lange willst Du Dich Jerusalem nicht erbarmen?"8. Und er erwartet, gute und tröstliche Reden zu vernehmen. Denn ein jeder von diesen hat zum Mittler das Wort und die Weisheit Gottes, die den Willen des Vaters kundgibt. Wenn aber das Wort selbst wirkt und schafft, dann gibt es nicht Frage noch Antwort; denn in ihm ist der Vater und das Wort im Vater. Vielmehr genügt das Wollen und das Werk entsteht, damit unsertwegen das Wort: "Er sprach" ein Kennzeichen des Willens wäre, das Wort aber: "Und es ward so" das Werk des Wortes und der Weisheit anzeigten, [S. 163] in der auch der Wille des Vaters ist. Und auch das Wort: "Es sprach Gott" wird im Worte verständlich9. Denn: "Alles", heißt es, "hast Du in Weisheit gemacht"10, und: "Durch das Wort des Herrn wurden die Himmel befestigt"11 und: "Ein Herr Jesus Christus, durch den alles ist, und wir durch ihn"12.

1: Nämlich um unmittelbar von Gott geschaffen zu werden.
2: Gen. 1,3.9.11.26.
3: Ps. 32,9.
4: Gen. 15,8.
5: Exod. 4,13.
6: Exod. 3,18.
7: Zach. 1,17.
8: Zach. 1,12.
9: Insofern eben hier das Wort als der redende Gott gedacht wird.
10: Ps. 103,24.
11: Ps. 32,6.
12: 1 Kor. 8,6.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger