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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

4.

Wenn wir also diese Stellen lesen, so verstehen wir sie gut, und wenn wir von einem Knecht Salomo hören, so halten wir ihn nicht für einen Knecht, sondern für einen natürlichen und echten Sohn. So [S. 123] sollen auch gewisse Leute, wenn die Heiligen auch vom Heiland, der als wahrer Sohn bekannt wird, und von Natur Wort ist, sagen: "Der treu ist dem, der ihn gemacht hat", oder wenn er von sich selbst sagt: "Der Herr schuf mich" und: "Ich bin Dein Knecht und der Sohn Deiner Magd"1 und dergleichen mehr, deshalb nicht seinen Sohnescharakter leugnen, sondern sie sollen, wie bei Salomo und David, so auch über Vater und Sohn richtig urteilen. Denn wenn sie von einem Knecht Salomo hören und ihn doch als Sohn bekennen, verdienen sie nicht tausendfach den Tod, wenn sie nicht beim Herrn dieselbe Ansicht beibehalten, sondern wenn sie von Zeugung, Wort und Weisheit hören, die Bezeichnung mit Gewalt zu verdrehen und die natürliche und echte Geburt des Sohnes aus dem Vater zu leugnen suchen, wenn sie aber die Ausdrücke und Bezeichnungen von einem Geschöpfe hören, sich alsbald auf den Glauben bringen lassen, der Sohn sei von Natur ein Geschöpf, und das Wort leugnen, obschon sie, weil er Mensch geworden ist, alle derartigen Bezeichnungen auf seine menschliche Seite beziehen können? Erscheinen nun nicht auch sie als Greuel vor dem Herrn, wenn sie zweierlei Gewicht bei sich tragen2 und mit dem einen jene Verhältnisse bemessen, mit dem andern aber den Herrn lästern? Doch vielleicht pflichten sie uns bei, die Benennung Knecht sei aus Zuneigung angewandt, halten aber an dem Ausdruck "dem, der gemacht hat" als einer starken Stütze ihrer Häresie fest. Doch auch diese Stütze ist in ihren Händen ein geknicktes Rohr. Denn sie werden alsbald sich das Urteil sprechen, wenn sie den Sprachgebrauch der Schrift kennen lernen. Denn Salomo wird, obschon er Sohn ist, Knecht genannt. So leugnen auch die Eltern, — um das schon früher Gesagte nochmals zu sagen, — wenn sie auch ihre natürlichen Söhne als gemacht, gebildet und geworden bezeichneten, gleichwohl deren natürliche Abstammung nicht. So sprach Ezechias, wie bei Isaias geschrieben steht, im Gebete: "Denn von heute an werde [S. 124] ich Kinder machen, die Deine Gerechtigkeit verkünden werden, Herr meines Heils"3. Er sagte also: "Ich werde machen". Der Prophet aber sagte in derselben Schrift und im vierten Buche der Könige also: "Und Deine Söhne, die aus Dir hervorgehen werden4. Statt "zeugen" hat er also "ich werde machen" gesagt, und er bezeichnet seine natürlichen Sprossen als "gemacht. Und niemand leugnet, daß von einer natürlichen Zeugung die Rede ist. Auch Eva sagte nach der Geburt des Kain: "Ich habe durch Gott einen Menschen bekommen"5. Statt "gebären" hat also auch sie gesagt: "Ich habe bekommen". Denn zuerst sah sie die Geburt, und dann erst sagte sie: "Ich habe bekommen". Und man wird wohl nicht wegen der Ausdrucksweise: "Ich habe bekommen" glauben, Kain sei auswärts gekauft und nicht von ihr geboren worden. Auch der Patriarch Jakob sagte zu Joseph: "Jetzt also sind deine zwei Söhne, die du in Ägypten bekommen hast, bevor ich zu dir nach Ägypten kam, die meinigen, Ephraim und Manasse"6. Ferner sagt die Schrift von Job: "Es wurden ihm sieben Söhne und drei Töchter"7, wie auch Moses im Gesetz gesagt hat: "Wenn einem Söhne werden" und: "Wenn einer einen Sohn macht"8 .

1: Ps. 115,16.
2: Sprichw. 20,23.
3: Is. 38,19 nach LXX.
4: Is. 39,7; 4 Kön. 20,18.
5: Gen. 4,1.
6: Gen. 48,5.
7: Job. 1,2.
8: Vgl. Deut 21,15; Lev. 25,21 nach I.XX

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger