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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

30.

Denn fürs erste gewinnt es den Anschein, daß der Sohn eher unsertwegen geworden ist, als wir seinetwegen. [S. 160] Denn nicht wurden wir seinetwegen geschaffen, sondern er ist unsertwegen gemacht worden1, so daß er uns Dank schuldet und nicht wir ihm, wie auch das Weib dem Manne. "Denn nicht wurde der Mann wegen des Weibes erschaffen, sondern das Weib wegen des Mannes"2. Wie also "der Mann das Bild und die Ehre Gottes ist, das Weib aber die Ehre des Mannes"3, ebenso sind wir Gottes Bild und zu seiner Ehre entstanden; der Sohn aber ist unser Bild und hat zu unserer Ehre das Dasein empfangen. Und wir sind entstanden, um zu sein, das Wort Gottes aber ist nach eurer Ansicht gemacht worden, nicht um zu sein, sondern als Werkzeug zu unserem Nutzen, so daß nicht wir ihm, vielmehr Er unserem Nutzen das Dasein verdankt. Überbieten nicht die, welche dieses auch nur denken, jeglichen Unsinn? Denn wenn das Wort unsertwegen geworden ist, so ist es auch nicht vor uns bei Gott. Und er trägt das Wort auch nicht in sich, da er unsertwegen beratschlagt, sondern uns trägt er in sich, wo er sich, wie jene sagen, wegen seines Wortes berät. Wenn aber dem so ist, so hat vielleicht der Vater den Sohn überhaupt nicht gewollt. Denn nicht, weil er ihn wollte, schuf er ihn, sondern, weil er uns wollte, hat er ihn unsertwegen geschaffen. Erst nach uns dachte er an ihn, so daß nach der Ansicht dieser Gottlosen der Sohn, der als Werkzeug entstanden ist, dann überflüssig war, nachdem jene geworden waren, um derentwillen er auch geschaffen wurde. Wenn aber nur der Sohn unmittelbar von Gott geschaffen worden ist, da nur Er hierfür fähig war, wir aber, die wir hierfür nicht fähig waren, durch den Sohn entstanden sind, warum geht er dann nicht auch zuerst seinetwegen zu Rate, da er doch fähig4 war, sondern unsertwegen? Oder warum zieht er nicht den Starken dem Ohnmächtigen vor? Oder warum, wenn er ihn zuerst machte, geht er seinetwegen nicht auch zuerst zu [S. 161] Rate? Oder, wenn er sich unsertwegen zuerst berät, warum schafft er nicht auch uns zuerst, da doch sein Wille ausreicht, um alles ins Dasein zu rufen? Doch jenen schafft er zuerst, unsertwegen beratschlagt er sich zuerst, und uns will er früher als den Mittler. Und uns, die er schaffen will und derentwegen er sich berät, nennt er Geschöpfe, das Wort aber, das er unsertwegen schafft, nennt er Sohn und eigenen Erben5. Und doch sollten vielmehr wir, um derentwillen er auch diesen schafft, Söhne genannt werden, oder offenbar sollte er an diesen Sohn auch zuerst denken und ihn wollen, um dessentwillen er uns alle macht. Das ist das Erbrechen und der Auswurf der Häretiker.

1: Wenn nämlich die Arianer behaupten, daß der Sohn behufs unserer Erschaffung, also als Mittel zum Zwecke gemacht wurde.
2: 1 Kor. 11,9.
3: 1 Kor. 11,7.
4: Nämlich: unmittelbar von Gott geschaffen zu werden.
5: Nach einigen Handschriften hieße es: "eigenen Sohn und Erben".

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger