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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

29.

Denn wenn einem durch Unterricht die Fähigkeit zu schaffen zuteil wird, dann unterschieben die Unverständigen Gott Neid und Ohnmacht: Neid, weil er nicht viele das Schaffen gelehrt hat, so daß, wie viele Engel und Erzengel, so auch viele Schöpfer um ihn wären, Ohnmacht aber, weil er nicht allein schaffen konnte, sondern einen Mitarbeiter und Gehilfen nötig [S. 159] hatte, während doch auch die entstandene Natur, wie bewiesen worden ist, durch Gott allein entstehen konnte, wenn ja nach ihrer Ansicht der Sohn, der entstanden ist, durch Gott allein entstehen konnte. Doch Gott kennt kein Bedürfnis. Bewahre! Er sagt ja selbst: "Ich bin satt"1. Und so ist das Wort nicht durch Unterricht zum Schöpfer geworden, sondern als Bild und Weisheit des Vaters vollbringt es die Werke des Vaters. Auch hat er den Sohn nicht gemacht, damit er die entstandenen Dinge schaffe. Denn siehe, auch da der Sohn existiert, tritt der Vater nichtsdestoweniger schaffend auf, wie der Herr selbst sagt: "Mein Vater wirkt bis jetzt, und auch ich wirke"2. Wenn aber nach eurer Ansicht der Sohn deshalb geworden ist, damit er das schaffe, was nach ihm existiert, der Vater aber auch nach dem Sohn sich wirksam zeigt, so ist auch von diesem Gesichtspunkt aus nach eurer Ansicht die Erschaffung eines solchen Sohnes überflüssig. Übrigens, wenn er uns erschaffen will, warum sucht er denn überhaupt nach einem Mittler, als ob sein Wille unzureichend wäre zu bilden, was ihm immer beliebte? Denn auch die Schriften sagen: "Alles, was er will, tut er"3, und: "Wer widersteht seinem Willen?"4. Wenn aber schon sein bloßer Wille zur Erschaffung aller Dinge hinreicht, dann ist nach eurer Ansicht die Hilfe eines Mittlers überflüssig. Denn auch euer Beispiel von Moses, der Sonne und dem Monde hat sich als hinfällig erwiesen5, und auch das Folgende soll euch wieder zuschanden machen. Wenn Gott, da er die entstandene Natur erschaffen will und ihretwegen mit sich zu Rate geht, nach eurer Ansicht den Sohn ersinnt und bildet, um durch ihn uns zu erschaffen, dann bedenkt, welch große Gottlosigkeit ihr auszusprechen euch unterfangen habt.

1: Is. 1,11
2: Joh. 5,7.
3: Ps. 113,11.
4: Röm. 9,19.
5: Vgl. K. 27.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger