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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

28.

Sieh, viele Lichter gibt es und nicht bloß die Sonne, auch nicht bloß den Mond, vielmehr ist jedes Licht Eines in seiner Wesenheit, die Dienstleistung aber ist nur Eine und allen gemeinsam, und was dem einzelnen abgeht, wird vom andern ergänzt, und für alle besteht die Notwendigkeit zu leuchten. So hat die Sonne die Macht, den Tag über zu leuchten, und der Mond zur Nachtzeit. Und die Sterne vollenden mit diesen die Zeiten und die Jahre, und jeder wird zum Zeichen für das notwendige Bedürfnis. So ist auch die Erde nicht für alles da, sondern nur für die Früchte und als Aufenthalt für die auf ihr befindlichen Lebewesen; und das Firmament hat das Wasser vom Wasser zu scheiden und bildet das Gezelt für die Sterne. So ist auch das Feuer und das Wasser mit allem übrigen entstanden zur Bildung des Körpers. Und überhaupt nicht Ein Ding [S. 158] allein, sondern alle die entstandenen Wesen, die gleichsam Glieder voneinander sind, bringen das Weltganze wie Einen Leib zustande. Wenn sie nun auch vom Sohne so denken, so mögen alle nach ihnen werfen, da sie glauben, das Wort gehöre zum All und sei als ein Teil nicht fähig, ohne die andern Wesen den ihm übertragenen Dienst zu erfüllen. Wenn aber das offenbar gottlos ist, so mögen sie erkennen, daß das Wort nicht zu den entstandenen Dingen gehört, sondern allein des Vaters eigenes Wort und Schöpfer der gewordenen Dinge ist. Doch sie haben gesagt: Ein Gebilde ist es und gehört zu den entstandenen Dingen; das Schaffen aber hat es wie von einem Lehrer und Künstler gelernt, und so half es Gott, von dem es gelernt hat. Dies hat der Sophist Asterius, der es versteht, den Herrn zu leugnen, zu schreiben sich vermessen, ohne den daraus resultierenden Unsinn zu beachten. Denn ist das Schaffen erlernbar, dann mögen sie achthaben, daß sie nicht von Gott selbst behaupten, er sei nicht von Natur Schöpfer, sondern weil er es gelernt habe, so daß er diese Fähigkeit auch verlieren kann. Wenn die Weisheit Gottes das Schaffen durch den Unterricht erworben hat, wie ist sie noch Weisheit, da sie des Unterrichts bedarf? Was war sie aber vor der Unterweisung? Denn Weisheit war sie nicht, da es ihr an Unterricht gebrach. Sie war also eine inhaltslose Sache und ist nicht wesenhafte Weisheit, sondern erst infolge ihres Fortschrittes erhielt sie den Namen Weisheit. Auch wird sie nur solange Weisheit sein, als sie das Erlernte bewahrt. Denn was einer nicht von Natur besitzt, sondern durch Erlernen sich angeeignet hat, das kann er auch einmal wieder vergessen. Doch so vom Worte Gottes reden ist heidnisch, aber nicht christlich.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger