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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

25.

Muß man sie nun deshalb nicht in aller Form wegen ihrer Gottlosigkeit verurteilen, die sie mit einem starken Zusatz von Unverstand mischen, ohne zu erröten, wenn sie so gegen die Wahrheit toben? Denn wenn sie behaupten wollen, Gott habe nur den Sohn geschaffen, weil er zu schwach war zur Erschaffung des übrigen, dann wird die ganze Schöpfung gegen sie ihre Stimme erheben, daß sie nichts Würdiges von Gott zu sagen wissen, und Isaias in seinen Schriften, wo er sagt: "Der ewige Gott, der die Enden der Erde erschaffen, hungert nicht und wird nicht müde, und seine Weisheit ist unerforschlich"1. Wenn es aber Gott unter seiner [S. 154] Würde hielt, das übrige zu erschaffen und deshalb den Sohn allein schuf, das übrige aber dem Sohne als einem Gehilfen einhändigte, so ist das Gottes unwürdig; denn Gott kennt keinen Hochmut. Zugleich wird sie der Herr widerlegen mit den Worten: "Kauft man nicht zwei Sperlinge um einen Pfennig? Und doch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater, der im Himmel ist"2. Und wiederum: "Sorget nicht ängstlich für euer Leben, was ihr essen werdet, noch für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Speise und der Leib mehr als die Kleidung? Betrachtet die Vögel des Himmels, sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernähret sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Wer unter euch kann mit seinen Sorgen seiner Lebenslänge eine Elle zusetzen? Und warum sorgt ihr ängstlich für die Kleidung? Betrachtet die Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! sie arbeiten nicht und spinnen nicht; und doch sag ich euch, daß selbst Salomo in all seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras auf dem Felde, das heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird, also kleidet, wieviel mehr euch, ihr Kleingläubigen?"3. Denn wenn es Gottes nicht unwürdig ist, auch für so Geringfügiges zu sorgen, für ein Haar des Hauptes, für einen Sperling und für das Gras des Feldes, dann war es seiner auch nicht unwürdig, dieses zu schaffen. Denn wofür er Vorsorge trägt, dessen Schöpfer ist er auch durch sein Wort. Außerdem stoßen die, welche so reden, auch noch auf eine größere Ungereimtheit. Denn sie schieden zwischen den Geschöpfen und der Schöpfung und erklären letztere als ein Werk des Vaters, die ersteren aber als ein Werk des Sohnes4. Es [S. 155] hätte aber entweder alles mit dem Sohne durch den Vater entstehen sollen, oder aber, wenn alles Gewordene durch den Sohn entsteht, dann hätte man nicht sagen sollen, er sei eines von den entstandenen Dingen.

1: Is. 40,28.
2: Matth. 10,29.
3: Matth. 6,25-30.
4: Zur Schöpfung im weiteren Sinn, wie sie von Gott stamme, meinen die Arianer, gehören eben außer den eigentlichen Geschöpfen auch der Sohn, der damit freilich auch ein Geschöpf sei, aber doch wieder nicht wie eines von den eigentlichen Geschöpfen, die aus der Hand des Sohnes stammen. Vgl. c. 19. Solche Scheidung nennt Athanasius Torheit.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger