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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

24.

Er wäre aber sicher nicht angebetet, noch wäre dies von ihm gesagt worden, wenn er überhaupt zu den Geschöpfen gehört hätte. Nun aber, da er kein Geschöpf ist, sondern die eigene Zeugung der Wesenheit des angebeteten Gottes und von Natur Sohn ist, deshalb betet man ihn an und glaubt an seine Gottheit, und er ist Herr der Heerscharen und Herrscher und Allmächtiger wie der Vater. Hat er doch selbst gesagt: "Alles, was der Vater hat, ist mein"1. Denn dem Sohn ist es eigen, das Eigentum des Vaters zu besitzen und so zu sein, daß der Vater in ihm geschaut wird, und daß durch ihn alles gemacht ist und in ihm die Rettung aller geschieht und begründet ist. Denn damit die Widerlegung ihrer Häresie noch deutlicher erscheint, ist es gut, auch folgende Frage an sie zu richten: Wenn nun alle Wesen Geschöpfe sind und alle aus dem Nichtseienden sich gebildet haben, und auch der Sohn nach eurer Meinung ein Geschöpf und gemachtes Wesen ist und eines von den Wesen, die einmal nicht waren, warum hat er dann alles durch dasselbe allein gemacht, und ist ohne dasselbe nichts geworden? Oder, wenn von allem die Rede ist, warum glaubt man nicht, daß unter allem der Sohn gemeint sei, sondern die entstandenen Dinge? Und warum denken die Schriften, wenn sie vom Worte reden, dieses nicht als aus dem All stammend, sondern bringen es mit dem Vater in Verbindung, in dem der Vater dann für alles Vorsorge trifft und Rettung wirkt und schafft, zumal da alles durch denselben Befehl entstehen kann, auf den hin auch jener durch Gott allein geworden ist? Gott wird nämlich durch Befehlen nicht müde, und er ist auch nicht zu schwach, um alles zu erschaffen, so daß er allein nur den Sohn erschaffen könnte, zur Erschaffung der übrigen Dinge aber des Sohnes als eines Helfers und Dieners bedürfte. Denn es gibt bei ihm auch keinen Aufschub in der Ausführung dessen, was er will, sondern er brauchte nur zu wollen, und es entstand alles, und niemand widerstand seinem Willen. Weshalb ist also nicht alles von Gott allein auf den Befehl hin entstanden, auf den hin auch der Sohn geworden ist? Oder sie sollen uns doch sagen, wenn er doch selbst auch zu den entstandenen Wesen gehört, warum ist durch ihn alles geworden? Bei ihnen herrscht nun zwar lauter Unverstand. Gleichwohl sagen sie hierüber, daß ja Gott, da er die entstandene Natur erschaffen wollte und sah, daß sie an der reinen Hand des Vaters und an seinem Schöpfungsakt nicht teilnehmen könne, zuerst Einen allein bildet und macht und diesen Wort und Sohn nennt, damit, wenn dieser in der Mitte stünde, so nunmehr auch alles durch ihn entstehen könnte. Das haben Eusebius2, Arius und Asterius, der [den Götzen] opferte, nicht bloß gesagt, sondern auch zu schreiben gewagt.

1: Joh. 16,15.
2: Eusebius von Nikomedien [gestorben 341], Hauptstütze des Arius. Auch seiner Partei, den Eusebianern, legt er dieselben Irrtümer zur Last, wie den Arianern. I. Rede c. 22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger