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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

23.

Aber wenn er, wie die Häretiker meinen, ein Geschöpf oder gemachtes Wesen wäre, doch nicht wie eines von den Geschöpfen, weil er in der Herrlichkeit sich von ihnen unterscheidet, so hätte die Schrift ihn mit den übrigen Geschöpfen bezüglich des Vorzugs vergleichen sollen, und angeben und zeigen müssen, inwiefern er größer als die Erzengel, geehrter als die Throne und leuchtender als die Sonne und der Mond und größer als die Himmel genannt werden müsse. Nun aber wird er nicht in dieser Weise bezeichnet, wohl aber erklärt ihn der Vater als seinen einzigen und eigenen Sohn, wenn er sagt: "Mein Sohn bist Du"1, und: "Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe"2. Deshalb dienten ihm auch die Engel als einem, der von ihnen verschieden ist, und er wird von ihnen angebetet, nicht weil er an Herrlichkeit größer, sondern [S. 151] weil er anders ist als alle Geschöpfe und auch als sie und allein des Vaters wesenseigener Sohn ist. Denn wenn er angebetet würde, weil er sie an Herrlichkeit überragt, dann müßte auch jeder von den Niedrigeren den Höheren anbeten. Doch dem ist nicht so; ein Geschöpf betet ein Geschöpf nicht an, dagegen ein Knecht seinen Herrn und ein Geschöpf seinen Gott. Daher wehrt der Apostel Petrus dem Kornelius, der ihn anbeten will und sagt: "Auch ich bin ein Mensch"3, und in der Offenbarung hält der Engel den Johannes, der ihn anbeten will, zurück mit den Worten: "Sieh zu, daß du es nicht tust; denn ich bin dein und deiner Brüder, der Propheten, Mitknecht und derer, welche die Worte dieses Buches halten; Gott bete an"4. Gott allein also gebührt die Anbetung. Und das wissen auch die Engel, daß sie, wenn sie schon die andern Wesen an Herrlichkeit überragen, doch alle Geschöpfe sind und nicht zu denen gehören, die angebetet werden, vielmehr zu denen, die den Herrn anbeten. So wehrt z. B. auch dem Manoe, dem Vater des Benson, der dem Engel ein Opfer darbringen wollte, der Engel mit den Worten: "Nicht mir, sondern Gott opfere!"5 Der Herr wird aber auch von den Engeln angebetet; denn es steht geschrieben: "Und es sollen ihn anbeten alle Engel Gottes"6. Aber auch von allen Völkern wird er angebetet, wie Isaias sagt: "Es bemühte sich Ägypten und der Handel der Äthiopier und die hohen Männer von Saba werden zu Dir übergehen und Deine Knechte sein"7. Gleich darauf: "Und sie werden Dich anbeten und zu Dir flehen, weil Gott in Dir und außer Dir kein Gott ist"8. Von den Jüngern aber nimmt er die Anbetung an und vergewissert sie darüber, wer er sei, mit den Worten: "Nennet ihr mich nicht Herr und Meister? Und mit Recht sagt ihr so; denn ich bin es"9. Und da Thomas ihn anredete: [S. 152] "Mein Herr und mein Gott"10, läßt er dies zu, oder billigt es vielmehr, indem er es ihm nicht verwehrt. Denn er ist, wie die übrigen Propheten sagen und David singt, "Herr der Mächte"11, "Herr Sabaoth"12, d.h. "Herr der Heerscharen", und wahrhaftiger und allmächtiger Gott, mögen auch die Arianer darob bersten.

1: Ps. 2,7.
2: Matth. 3,17.
3: Apg. 10,26.
4: Offb. 22,9.
5: Richt. 13,16.
6: Ps. 96,7.
7: Is. 45, 14.
8: Is. 45,14.
9: Joh. 13,13.
10: Joh. 20,28.
11: Ps. 47,9.
12: Ps. 23,10.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
Einleitung zu den Reden gegen die Arianer
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger