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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

22.

Wenn man nun auch von Gott annimmt, er schaffe und bilde aus dem Stoff, so ist das heidnische [S. 149] Anschauung, und Gott wäre ein Künstler und nicht ein Schöpfer zu nennen. Gleichwohl soll das Wort in dieser Weise den Stoff bearbeiten im Auftrag Gottes und in dienender Stellung. Wenn er aber das Nichtseiende durch sein Wort ins Dasein ruft, so gehört das Wort nicht zu dem, was nicht ist und ins Dasein gerufen wird, damit wir nicht nach einem zweiten Worte suchen müssen, durch das auch dieses ins Dasein gerufen wurde; denn durch das Wort ist das Nichtseiende entstanden. Und wenn Gott durch das Wort schafft und macht, dann gehört es nicht selbst zu den Geschöpfen und gemachten Dingen, ist vielmehr das Wort des schaffenden Gottes, das ja aus den Werken des Vaters, die das Wort selbst vollbringt, erkannt wird; denn es ist im Vater und der Vater in ihm, und wer es gesehen, hat den Vater gesehen, weil der Sohn dem Vater wesenseigen und in allem ihm gleich ist. Wie schafft er nun durch das Wort, wenn es nicht sein Wort und seine Weisheit ist? Wie aber wäre es Wort und Weisheit, wenn es nicht eine eigene Zeugung seiner Wesenheit, sondern auch aus Nichtseiendem entstanden wäre? Wenn aber alles aus Nichtseiendem und geschaffen ist, und der Sohn nach ihrer Ansicht eines von den Wesen ist, die geschaffen sind und einmal nicht waren, wie offenbart dann er allein den Vater, und erkennt auch kein anderer als nur Er den Vater? Denn wenn dieser, obschon ein Geschöpf, den Vater erkennen kann, so soll er auch von allen in analoger Weise erkannt werden, je nach der Fähigkeit eines jeden. Geschöpfe sind ja alle wie auch er. Wenn aber die entstandenen Wesen ihn nicht zu sehen noch zu erkennen vermögen, vielmehr sein Anblick und seine Erkenntnis die Kräfte aller übersteigt — Gott sagte ja selbst: "Niemand wird mein Angesicht sehen und leben"1, und der Sohn hat gesagt: "Niemand kennt den Vater als der Sohn"2 —, so ist wohl das Wort von den entstandenen Wesen verschieden, da es allein den Vater kennt und allein ihn sieht, wie es selbst gesagt hat: "Nicht, daß den Vater jemand gesehen hätte [S. 150] als der, welcher vom Vater ist"3 und "Niemand kennt den Vater als der Sohn"4, mag es nun auch Arius nicht glauben. Wie nun hätte er ihn allein erkannt, wenn er nicht allein ihm eigen wäre? Man darf nämlich keinen Anstand nehmen, im Interesse des frommen Glaubens öfter dasselbe zu sagen. Gottlos ist also die Ansicht, der Sohn sei einer vom All. Und blasphemisch und unvernünftig klingt die Behauptung, er sei ein Geschöpf, aber nicht wie eines von den Geschöpfen, er sei ein gemachtes Wesen, aber nicht wie eines von den gemachten Wesen, eine Zeugung, aber nicht wie eine von den Zeugungen. Denn wie ist er nicht wie eine von diesen, wenn er doch nach ihrer Ansicht nicht war, bevor er gezeugt wurde? Denn den Geschöpfen und gemachten Wesen kommt es zu, nicht zu existieren, bevor sie werden, und aus Nichtseiendem sich zu bilden, wenn sie auch an Glanz sich gegenseitig übertreffen. Denn insoweit wird man auch alle übrigen Geschöpfe in gegenseitigem Abstand voneinander finden, wie auch der Augenschein es lehrt.

1: Exod. 33,20.
2: Matth. 11,27.
3: Joh. 6,46.
4: Matth. 11,27.

 

 

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Einleitung zu den Werken des Athanasius
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger