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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

20.

So scheide man denn das Wort von den gemachten Wesen aus und teile es als Schöpfer dem Vater zu und bekenne ihn als Sohn von Natur; oder, wenn es überhaupt ein Geschöpf ist, so soll man zugeben, daß es dieselbe Stellung einnimmt, die auch die übrigen Geschöpfe zu einander einnehmen. Man nenne dann aber von diesen ein jedes ein Geschöpf, aber nicht wie eines von den Geschöpfen, ein gezeugtes oder ein gemachtes Wesen, aber nicht wie eines von den gemachten oder gezeugten Wesen. Ihr habt ja die Zeugung und das gemachte Wesen als dasselbe bezeichnet, wenn ihr [S. 147] geschrieben habt: den Erzeugten oder den Geschaffenen. Denn wenn auch der Sohn bei der Vergleichung die andern überragt, so ist er nichts destoweniger ein Geschöpf wie jene. Denn auch unter den Geschöpfen, die es ihrer Natur nach wirklich sind, kann man solche finden, die die andern überragen. So z. B. ist ein Stern von den andern verschieden an Glanz, und alles übrige weist, miteinander verglichen, einen Unterschied auf. Und doch ist deshalb nicht der eine Teil der herrschende und dient der andere dem vorzüglicheren; auch sind nicht die einen Wesen die wirkenden Ursachen, durch welche die andern ins Dasein treten, sondern allem ist es von Natur aus eigen, zu entstehen und geschaffen zu werden, und alles bekennt durch sein Dasein seinen Schöpfer, wie David singt: "Die Himmel erzählen die Herrlichkeit Gottes, und das Firmament verkündet die Werke seiner Hände"1, und wie auch der weise Zorobabel sagt: "Die ganze Erde ruft die Wahrheit an, und der Himmel preist sie und alle Werke beben und zittern"2. Wenn aber die ganze Erde den Schöpfer und die Wahrheit preist und lobt und zittert, ihr Schöpfer aber das Wort ist, und dieses selbst sagt: "Ich bin die Wahrheit"3, so ist doch das Wort nicht ein Geschöpf, sondern einzig und allein dem Vater eigen, in dem alles geordnet ist, und er selbst wird von allen als Schöpfer gepriesen, denn: "Ich war", wie er selbst sagt, "bei ihm ordnend"4 und: "Mein Vater wirkt bis jetzt und auch ich wirke"5. "Bis jetzt" aber zeigt an, daß er als Wort ewig im Vater existiert. Denn dem Wort ist es eigen, die Werke des Vaters zu schaffen und nicht außer ihm zu existieren.

1: Ps. 18,1
2: Esdr. 4,36.
3: Joh. 14,6.
4: Sprichw. 8,30.
5: Joh. 5,17.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger