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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

19.

Zunächst wollen wir nun sehen, was sie im Anfang, als sie die Häresie ersannen, dem seligen Alexander übergeben haben. Sie schrieben ihm nämlich folgendes: "Ein Geschöpf ist er, doch nicht wie eines von den Geschöpfen, ein gemachtes Wesen ist er, doch nicht wie eines von den gemachten Wesen, eine Zeugung ist er, doch nicht wie eine von den Zeugungen". Es beachte nur ein jeder das Hinterlistige und Verschlagene an dieser Häresie. Denn da sie sich der Bitterkeit ihrer verruchten Denkart bewußt ist, sucht sie durch ein täuschendes Wortgepränge sich ein schöneres Aussehen zu geben. Sie behauptet zwar, wie sie denkt, daß er ein Geschöpf sei, glaubt jedoch sich verstecken zu können hinter der Bemerkung: "Doch nicht wie eines von den Geschöpfen". Doch dadurch, daß sie so schreiben, haben sie noch offener ihre Gottlosigkeit verraten. Denn wenn er überhaupt nach eurer Ansicht ein Geschöpf ist, warum sagt ihr dann heuchlerisch: "Doch nicht wie eines von den Geschöpfen"? Und wenn er überhaupt ein gemachtes Wesen ist, warum ist er nicht wie eines von den gemachten Wesen? Hier kann man nun wirklich das Gift ihrer Häresie spüren. Denn wenn sie sagen: "Eine Zeugung, aber nicht wie eine von den Zeugungen", so stellen sie viele Söhne auf und lehren, daß von diesen einer der Herr sei. So ist er nach ihrer Ansicht nicht mehr der Eingeborene, sondern einer von den vielen Brüdern und wird Zeugung und Gott genannt. Wozu nun die Verstellung, ihn bald ein Geschöpf zu nennen, bald zu behaupten, er sei kein Geschöpf? Wenn ihr nämlich auch sagt: "Nicht wie eines von den Geschöpfen", so wird sich dies als eine Spitzfindigkeit von euch herausstellen. Denn ihr sagt wieder, er sei eines von den Geschöpfen, und was man auch von den übrigen Geschöpfen sagen kann, das denkt ihr auch vom Sohne, wie förmliche Toren und Blinde. Denn wo wäre auch sonst ein Geschöpf gerade so beschaffen, wie auch das andere1 geworden ist, daß ihr damit vom Sohne etwas [S. 146] besonderes aussagen würdet? Und die ganze sichtbare Schöpfung ist in sechs Tagen entstanden, und zwar am ersten Tag das Licht, das er Tag nannte, am zweiten das Firmament; am dritten bildete er die Wasser zusammen und ließ das Trockene erscheinen und brachte auf ihm die mannigfaltigen Früchte hervor; am vierten Tage hat er die Sonne und den Mond gemacht und den ganzen Chor der Sterne; am fünften rief er die Tiere des Meeres und die Vögel der Luft ins Dasein; am sechsten hat er die vierfüßigen Tiere auf der Erde geschaffen und endlich den Menschen2. "Das Unsichtbare an ihm wird seit der Erschaffung der Welt durch die Betrachtung der Geschöpfe geschaut"3. Es ist aber weder das Licht wie die Nacht, noch die Sonne wie der Mond, noch die unvernünftigen Wesen wie der vernünftige Mensch, noch die Engel wie die Throne, noch die Throne wie die Mächte, wohl aber sind alle Geschöpfe, jedes der entstandenen Wesen aber ist und bleibt seiner Art nach in seiner eigenen Substanz, wie es geworden ist.

1: Nämlich: von derselben Kategorie.
2: Diese Stelle wird von Justinian in seinem Edikt gegen die Irrtümer des Origenes zitiert (Acta Concil. Harduin tom. 111 p. 258). Doch erhält dort τόν ἀνθρωπο am Schluß des Zitats noch den Zusatz: τόν ἐκ ψυχῆς λογικῆς καί σὼματος = der aus einer vernünftigen Seele und einem Leibe besteht", und in dieser erweiterten Form konntet Justinian die Stelle als Autoritätsbeweis gegen die origenistische Lehre von der Seelenpräexisteuz verwerten. In unsern Athanasiushandschriften und -ausgaben fehlt aber jene wohl ursprüngliche Beifügung
3: Röm. 1,20.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger