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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

18.

Nun noch viel weniger bezeichnete Petrus mit seinen Worten die Substanz des Wortes als die eines gemachten Wesens. Wußte er doch, daß er ihn als Gottessohn bekannt hatte: "Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes"1. Vielmehr bezeichnete er seine in Gnaden bewirkte und auch auf uns sich erstreckende Macht und Herrschaft. Denn wo er auch dieses sagte, hat er nicht von der ewigen und väterlichen Gottheit des Gottessohnes geschwiegen, vielmehr hatte er schon zuvor gesagt, daß er auch den Geist über uns ausgegossen habe2. Aber den Geist mit Macht geben, ist nicht Sache eines Gebildes oder gemachten Wesens, sondern ist eine Schenkung Gottes. Denn die Geschöpfe werden geheiligt vom Hl. Geist; der Sohn aber, der nicht vom Hl. Geist geheiligt wird, vielmehr selbst ihn allen gibt, erweist sich dadurch nicht als ein Geschöpf, sondern als wahren Sohn des Vaters. Gleichwohl wird auch von dem, der den Geist gibt, gesagt, er sei auch gemacht worden und zwar zum Herrn gemacht worden unter uns wegen seiner menschlichen Natur; er gibt aber [den Geist], weil er das Wort Gottes ist. Denn er war immer und ist wie Sohn, so auch Herr und Allherrscher über alles, in allem dem Vater ähnlich und im Besitze alles dessen, was dem Vater gehört, wie er selbst gesagt hat3 . Wohlan, fassen wir nun auch jene [S. 144] Stelle in den Sprichwörtern ins Auge: "Der Herr schuf4 mich als Anfang seiner Wege für seine Werke"5. Wenn wir nun nachgewiesen haben, daß das Wort kein gemachtes Wesen ist, so ist es auch völlig bewiesen, daß es kein Geschöpf ist. Denn gemachtes Wesen und Geschöpf besagen dasselbe, so daß der Beweis dafür, daß es kein gemachtes Wesen ist, zugleich dafür der Beweis ist, daß es kein Geschöpf ist. Man muß sich also nur wundern, wenn sie für ihre Gottlosigkeit auf neue Scheingründe sinnen, anstatt auf die jeweiligen Gegenbeweise hin sich zu schämen. Denn zuerst sannen sie auf Trug, indem sie an die Arglosen die Fragen stellten: "Hat der Seiende den Nichtseienden aus Nichtseiendem geschaffen oder den Seienden?" und: "Hattest du einen Sohn, bevor du ihn gebarst?" Wie sich aber diese Fragen als hinfällig erwiesen hatten, da kamen sie darauf zu sagen: "Ist Ein Ungewordenes oder sind es zwei?" Als sie dann auch hierin widerlegt waren, fügten sie alsbald hinzu: "Ist er selbständig und veränderlicher Natur?" Und als sie auch hierin geschlagen waren, da erfanden sie wieder das Wort: "um soviel vorzüglicher geworden als die Engel". Da aber auch dies die Wahrheit widerlegte, so nehmen sie nunmehr dies alles zusammen und glauben, mit "gemachtes Wesen" und "Geschöpf" ihre Häresie halten zu können. Denn sie bringen eben jenes wieder zum Ausdruck und lassen nicht ab von ihren bösen Gedanken, indem sie dasselbe mannigfach verschieben und verdrehen, um vielleicht einige mit dieser Abwechslung hintergehen zu können. Aus dem bereist Gesagten erhellt nun auch vollauf, daß dieser ihr Einfall albern ist. Aber da sie mit jener Stelle aus den Sprichwörtern überall sich auslassen und bei vielen, die den Christenglauben nicht kennen, den Eindruck machten, als sagten sie etwas von Bedeutung, so ist gleichwohl nötig, daß wir, wie die Stelle: "Der dem treu ist, der ihn gemacht hat", ebenso auch das Wort "er schuf" besonders untersuchen, um zu beweisen, daß [S. 145] sie, wie in allem, so auch hierin nichts weiteres haben als ein leeres Wahngebilde.

1: Matth. 16,16.
2: Apg. 2,17.
3: 1 Joh. 16,15.
4: Mit ἒκτισε = "er schuf" geben die LXX das hebräische Kanah wieder, während die Vulgata die zweite Bedeutung dieses Wortes: "besitzen" wählte und possedit übersetzte.
5: Sprichw. 8,22.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger