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Athanasius (295-373) - Vier Reden gegen die Arianer (Orationes contra Arianos)
Zweite Rede

14.

Da also der Sohn Gottes selbst Wort ist, so ist er Herr über alles. Wir aber waren früher unterworfen, und zwar ursprünglich der Knechtschaft, der Verwesung und dem Fluche des Gesetzes, später aber bildeten wir uns allmählich das Nichtseiende und dienten, wie der selige Apostel gesagt hat1, den Göttern, die der Natur nach nicht bestanden, verkannten den wahren Gott und stellten das Nichtseiende höher als die Wahrheit. Später aber ist er, als, wie einst das Volk in Ägypten in seiner Bedrückung seufzte, so auch wir im Besitze des natürlichen Gesetzes unaussprechliche Seufzer2 des Geistes ausstießen und riefen: "Herr, unser Gott, nimm uns in Besitz"3, wie zu einem Haus der Zuflucht und schirmenden Gott, so auch zu unserem Herrn geworden. Und nicht erhielt er damals den Anfang seines Daseins, vielmehr kamen wir in die Lage, ihn zu unserem Herrn zu haben. Denn nun läßt Gott, der in seiner Güte [S. 138] und als Vater des Herrn sich erbarmt und von allen erkannt werden will, seinen Sohn einen menschlichen Leib anziehen und ihn Jesus heißen, damit er in diesem sich für uns darbringe, alle vom Götzendienst und vom Untergang befreie und selbst aller Herr und König werde. Daß er also in dieser Weise Herr und König wurde, gerade das wollte Petrus sagen mit den Worten: "Er machte ihn zum Herrn und sandte ihn als Gesalbten", was soviel ist, als sagte er, der Vater habe ihn auch zum Menschen gemacht; denn des Menschen Anteil ist es, gemacht zu werden. Doch er machte ihn nicht einfachhin zum Menschen, sondern er hat ihn [zum Menschen] gemacht, damit er über alle herrsche und alle durch die Salbung heilige. Wenn nun nämlich das Wort, das in Gottesgestalt war, auch Knechtsgestalt annahm, so erniedrigte die Annahme des Fleisches das Wort, das von Natur Herr ist, nicht zum Knechte, vielmehr war sie eine Befreiung, die durch das Wort der ganzen Menschheit zuteil wurde. Das Wort selbst aber, das von Natur Herr ist und auch Mensch geworden ist, ist durch die Knechtsgestalt zum Herrn aller gemacht worden und zum Gesalbten, um nämlich alle mit dem Geiste zu heiligen. Und wie Gott, wenn er zu einem schirmenden Gott wird und sagt: "Ich werde ihnen Gott sein"4, nicht mehr Gott wird und auch dann nicht erst anfängt Gott zu werden, sondern, was er immer ist, das auch den Bedürftigen wird, wenn es ihm gefällt, so wird auch der Gesalbte, der von Natur Herr und ewiger König ist, nicht in dem Augenblick, da er abgesandt wird, mehr Herr und beginnt auch nicht erst dann Herr und König zu sein, sondern, was er immer ist, dazu ist er damals auch dem Fleische nach gemacht worden, und mit der vollbrachten Erlösung aller wird er auch [auf diesen Titel hin] Herr der Lebendigen und Toten. Denn ihm dient von nun an alles, und eben davon singt David: "Es spricht der Herr zu meinem Herrn: Setze Dich zu meiner Rechten, bis ich Deine Feinde zum Schemel Deiner Füße lege"5. Denn es ging nicht an, daß die Erlösung [S. 139] durch einen andern bewirkt werde als durch den, der von Natur Herr war, damit wir nicht durch den Sohn geschaffen werden, aber einen andern Herrn nennen und so in den Unverstand der Arianer und Heiden fallen und dem Geschöpfe dienen anstatt Gott, dem Schöpfer aller Dinge.

1: Röm. 1,25.
2: Röm. 8,26.
3: Is. 26,13.
4: 2 Kor. 6, 16.
5: Ps. 109,1.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger